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80 Jahre Russische Revolution:

Der Kampf zwischen den Machtzentren

Diese Forderungen aber standen im Zentrum der Februarrevolution. Es war klar, daß die Arbeiter vom Sowjet und der Regierung die Erfüllung ihrer sozialen Forderungen (Achtstundentag, bessere Versorgung), die Soldaten die Beendigung des Krieges und die landlosen Bauern eine Landreform mit der Verteilung des Großgrundbesitzes erwarteten. Angesichts der Kräfteverhältnisse im Lande hatte die Regierung keine Chance, ihre Absichten offen durchzusetzen; sie konnte nur darauf hoffen, die Arbeiter und Soldaten durch Täuschungsmanöver hinzuhalten und schließlich zu demoralisieren.
So weigerte sie sich, den Achtstundentag einzuführen mit dem Argument, daß alle Opfer bringen müßten, um die Revolution im Krieg gegen das reaktionäre deutsche Kaiserreich zu verteidigen. Natürlich ging es ihr nicht um die Verteidigung der Revolution, nichts haßte sie mehr, sondern um ihren Beuteanteil im Ersten Weltkrieg, waren doch die Chancen auf einen Sieg durch den Kriegseintritt Amerikas gestiegen. Darüber hinaus sei es die Sache des Sowjets, die Arbeiter zu beruhigen.
Noch bedrohlicher für die Regierung war die Frage des Grundeigentums. Um das Land zu beruhigen, verfügte der Acker-biiuminister Schingarcw die Bildung von lokalen Landkomitees, vorsieh tigerweise ohne deren Funktion und Aufgaben zu bestimmen. Die Bauern bildeten sich ein, diese müßten ihnen Land geben und die Gutsbesitzer, daß diese ihr Eigentum schützen müßten. Überhaupt versuchte die Regierung alle zentralen Fragen, die die Revolution aufgeworfen hatte, bis zu einer einzuberufenden Konstituierenden Versammlung und allgemeinen Wahlen zu vertagen, wobei sie tunlichst alles vermied, diese vorzubereiten. Sie hoffte auf für sie bessere Zeiten.

"Was am 27. Februar im Taurischen Palais unter dem Namen Exekutivkomitee den Sowjets der Arbeiterdeputierten entstanden war, hatte im wesentlichen wenig mit diesem Namen gemein. Der Sowjet der Arbeiterdeputierten von 1905, der Stammvater des Systems, war aus dem Generalstreik hervorgegangen. Er repräsentierte unmittelbar die Massen im Kampf. Die Auswahl der Personen vollzog sich im Kampf... Die Februarrevolution siegte, dank dem Aufstand der Regimenter, bevor noch die Arbeiter Sowjets geschaffen hatten. Das Exekutivkomitee bildete sich eigenmächtig vor dem Sowjet, unabhängig von den Betrieben und Regimentern, nach dem Siege der Revolution. Wir sehen hier die klassische Initiative der Radikalen, die beim revolutionären Kampfe abseits stehen, aber bereit sind, seine Früchte zu ernten." [l]

Während die Arbeiter und Soldaten noch auf der Straße kämpften und den Sieg der Revolution sicherten, eigneten sich die Führer der rechten Sozialdemokratie und der Sozialrevolutionäre und Offiziere in den Sowjets die Macht an, und indem sie dies unter den Symbolen der Revolution von 1905 taten, auch deren riesige Autorität.

"Wenn sich die Sache in Petrograd so verhielt, kann man sich leicht vorstellen, wie es in der Provinz aussah, wo der Sieg ganz ohne Kampf gekommen war." [2]

"Nichtsdestoweniger begannen die Meetings der Soldaten und Arbeiter (in Petersburg) schon seit dem 3. März vom Sowjet zu fordern, unverzüglich die Provisorische Regierung der liberalen Bourgeoisie zu beseitigen und die Macht selbst in die Hand zu nehmen... Aber diese Agitation brach bald ab: nicht nur deshalb, weil die Vaterlandsverteidiger (rechte Sozialdemokraten) sie scharf zurückwiesen; schlimmer war, daß die bolschewistische Führung in der ersten Märzhälfte sich faktisch vor dem Regime der Doppelherrschaft beugte." [3]

Die aus dem Exil in Sibirien zurückgekehrten Führer der Bolschewiki, Kamenew und Stalin, übernahmen im März die Führung der Bolschewiki und ihrer Zeitung, der Prawda. Als erstes stoppten sie die Agitation gegen die Fortsetzung des Krieges und schwenkten ebenfalls auf die Linie der Menschewiki ein, das Vaterland und die Regierung entschieden zu verteidigen,
"insofern sie gegen Reaktion und Kanterrevolution kämpft... Nicht das inhaltlose 'Nieder mit dem Krieg' ist unsere Losung. Unsere Losung ist - der Druck auf die Provisorische Regierung mit dem Ziele, sie zu zwingen ... mit einem Versuch hervorzutreten, alle kämpfenden Länder zur sofortigen Aufnahme von Friedensverhandlungen zu bewegen ... Bis dahin bleibt jeder auf seinem Kampfposten." [4]

Lenins Kampf um die Partei

Diese Formulierung unterschied sich in nichts von den Losungen der Führung der II. Sozialdemokratischen Internationale, die ihre Herrschenden in deren Kriegsanstrengungen unterstützt hatten. Demgegenüber halten Sozialisten wie Rosa Luxemburg und Lenin und die bolschewistische Partei immer betont: "Der Feind steht im eigenen Land" und der imperialistische Beuteteldzug der Herrschenden kann nur über deren Sturz beendet werden.

Dieser Kurswechsel stieß zwar auf den scharfen Protest von Parteimitgliedern, der Wyborger Bezirk von Petersburg forderte den Parteiausschluß von Stalin und Kamenew, aber die Parteiführung ging ihren Kurs der Annäherung an die Menschewiki und an die bürgerliche Regierung weiter. Auf der Parteikonferenz der Bolschewiki Ende März hielt Stalin ein Grundsatzreferat über die Haltung der Bolschewiki zur bürgerlichen Regierung, die von den meisten Delegierten geteilt wurde:

"Die Macht ist auf zwei Organe aufgeteilt, von denen aber keines die volle Macht innehat. Reibungen und Kampf zwischen ihnen bestehen und müssen bestehen. Die Rollen sind verteilt. Der Sowjet hat faktisch die Initiative revolutionärer Umgestaltung ergriffen. Der Sowjet ist der revolutionäre Führer des aufständischen Volkes, ein die Provisorische Regierung kontrollierendes Organ. Die Provisorische Regierung dagegen hat faktisch die Rolle des Befestigers jener Errungenschaften des revolutionären Volkes übernommen." [5]]

Und: "Sofern die Provisorische Regierung die Schritte der Revolution festigt, ist sie zu unterstützen; sofern sie konterrevolutionär ist, ist eine Unterstützung der Provisorischen Regierung unzulässig." [6]

Damit wird unterstellt, daß die Bourgeoisie nach der Durchsetzung des Kapitalismus revolutionär sein könnte. Diese Politik der bolschewistischen Führung bedeutete nichts anderes als die totale politische Auslieferung der Arbeiter und Bauern an die Interessen der Bourgeoisie, Damit noch nicht genug, befürwortete Stalin einen Vorschlag Zeretellis, des Führers der Menschewiki, die Partei der Menschewiki und der Bolschewiki zu vereinen. Es hätte bedeutet, die einzige Partei, die für ein Kriegsende und für radikale Bodenreform eintrat, zu liquidieren und die Initiative den konterrevolutionären Plänen der Bourgeoisie zu überlassen - in einer Situation, in der die Macht praktisch schon in den Händen der Räte lag. Diese Linie der Partei wurde praktisch in ganz Rußland von den lokalen Führern geteilt.

Dies war die Situation, als Lenin aus dem Exil in der Schweiz am 3. April nach Rußland zurückkehrte. Schon von Genf aus hatte Lenin in Briefen an die Partei gewarnt, daß er bereit sei, mit jedem zu brechen, der in den Fragen des Krieges, des Chauvinismus und des Versöhnlertums der Bourgeoisie Konzessionen machen sollte.[7] Am 6. März telegraphierte er nach Petersburg:
"Unsere Taktik: restloses Mißtrauen, keinerlei Unterstützung der neuen Regierung; Kerenski mißtrauen wir besonders (Kerenskis war der einzige 'Sozialist' in der Regierung); Bewaffnung des Proletariats die einzige Garantie; keine Annäherung an andere Parteien." [8] Und im Abschiedsbrief an die Schweizer Arbeiter erinnerte Lenin an die Position der Bolschewiki von 1915:

"Sollte die Revolution in Rußland eine republikanische Regierung an die Macht bringen, die den imperialistischen Krieg fortsetzen will, werden die Bolschewiki gegen die Verteidigung des republikanischen Vaterlandes sein." [9]

Und schon bei der Begrüßungsansprache auf dem Bahnhot' von Petrograd nahm er die Auseinandersetzung mit der Parteiführung auf, wie der Menschewik Suchanow beklagte:

"Die Agrarreform auf gesetzgehenden Wege schleuderte er ebenso weg wie die übrige feste Politik des Sowjets. Er verkündigte die organisierte Aneignung des Landes durch die Bauern, ahne auf irgendwelche Staatsmacht ...zu warten... Wir brauchen keine parlamentarische Republik, wir brauchen keine bürgerliche Demokratie, wir brauchen keinerlei Regierung außer den Sowjets der Arbeiter, Soldaten und Landarbeiterdeputierten!" [10]

Am 4. April unterstrich Lenin auf der gemeinsamen Konferenz der Bolschewiki und Menschewiki noch einmal seine Position in einem Thesenpapier, den sogenannten April-Thesen:

  • Nein zur "revolutionären Verteidigung", denn die bürgerliche Regierung betreibt einen imperialistischen Krieg
  • Übergang der Revolution von der ersten, bürgerlichen Phase zur zweiten, sozialistischen, welche die Macht in die Hände der Arbeiter und der ärmsten Sektionen der Bauern legen muß
  • Alle Macht den Räten, solange in Minderheil in den Sowjets, als Propaganda-Losung
  • Keinerlei Unterstützung der provisorischen Regierung; Forderung auf Verzicht von Annexionen
  • Konfiszierung allen Landes zur Verfügung der lokalen Landarbeiter- und Bauernsowjets
  • Kontrolle der Banken durch die Sowjets
  • Unbedingtes Recht der Völker Rußlands auf Lostrennung
  • Gründung einer neuen kommunistischen Internationale
  • Sofortige Hinberufung eines Parteitags der Bolschewiki zur Neubestimmung der Politik der Partei
  • Die Prawda griff Lenins Thesen an: "Lenins allgemeines Schema schein! uns insoweit inakzeptabel, als es von der Annahme ausgeht, daß die bürgerliche demokratische Revolution beendet ist und auf die unmittelbare Umwandlung dieser Revolution in eine sozialistische Revolution baut."

    In der Tat war auch Lenin bis 1917 davon ausgegangen, daß es in Rußland eine bürgerlich-demokratische Revolution unter der Führung der Arbeiter und Bauern geben wird, um den mittelalterlichen Zarismus zu stürzen und das Zeitalter des modernen Kapitalismus in Rußland einzuläuten. Aber Lenin war kein Dogmatiker; er sah, daß eine bürgerliche Demokratie unter Kontrolle der Arbeiter ein unlösbarer Widerspruch war: entweder die Arbeiter ergreifen die Macht oder sie werden entmachtet.
    Lenin konnte diese Auseinandersetzung in der Partei in außerordentlich kurzer Zeit für sich entscheiden. Bereits auf der Petrograder Parteikonferenz Mitte April gewann er, wenn auch knapp, die Mehrheit der Partei. Der Schlüssel dafür war die Kriegsfrage. Den Mitgliedern wurde klar, daß nur der Sturz der Provisorisehen Regierung und die Machtergreifung der Räte den Krieg beenden konnte. Damit hatte die Partei ihre Orientierungslosigkeit überwunden.

    Die Kräfteverhältnisse in den Sowjets

    Je langer die Provisorische Regierung den Krieg fortführte, desto mehr ging bei den Massen der Glaube daran verloren, daß die Regierung ernsthaft einen Friedensabschluß betreibt. Ihre Parole des revolutionären Verteidigungskrieges, die Stellung zu halten, bis es zum Friedensverlag kommt, wurde immer unglaubwürdiger. Die Soldaten an der Front verweigerten den Befehl, wenn die Kommandeure den Befehl zum Angriff gaben ("Wir halten die Stellung bis zum Frieden, aber nicht mehr"). Die Soldaten wurden immer mißtrauischer gegen ihre Kommandeure und Offiziere und Stück für Stück änderte sich die Zusammensetzung in den Soldatensowjets. Jeder erfolglose Versuch, die Disziplin wiederherzustellen, aber auch jedes abgerungene Zugeständnis stärkte das politische Bewußtsein und das Selbstvertrauen.

    Das gleiche Bild bot sich in der Frage der Agrarreform. Da die Regierung nichts unternahm, begannen die lokalen Sowjets die praktischen Dinge des Lebens selbst in die Hand zu nehmen, Land in Besitz zu nehmen und die öffentliche Verwaltung zu übernehmen, nahmen Verhaftungen von reaktionären Administratoren vor. Sie mischten sich in Wirtschaftskonflikte, Ernährungs- und Transportfragen ein und unter dem Druck der Arbeiter wurde der Achtstundentag eingeführt.

    Unter dem Einfluß der ständig anwachsenden Ernährungsschwierigkeiten und des Warenhungers griffen die Provinzsowjets zu Preisregulierungen, Ausfuhrverboten für bestimmte Gouvernements und zur Requisition von Vorräten. Dabei standen überall an der Spitze der Sowjets Sozialrevolutionäre und Menschewiki, die mit Entrüstung die bolschewistische Parole 'Alle Macht den Sowjets' ablehnten. Regierungssozialisten reisten in die Provinz, versuchten zu überreden, drohten, rechtfertigten sich vor der Bourgeoisie. Doch all das änderte das Kräfteverhältnis nicht.

    So übernahmen die Massen nach und nach die Parolen der Bolschewiki, traten des Lavierens der menschewistischen und Sozialrevolutionären Parteien überdrüssig, in Scharen in die bolschewistische Partei ein und wählten deren Mitglieder in die Sowjets. Diese Entwicklung wurde insbesondere dadurch beschleunigt, daß sich nur die bolschewistische Partei gegen die neue Juni-Offensive der Regierung an der Front stellte. So verzehnfachte sich von März bis Juni 1917 die Mitgliederzahl der Bolschewiki, z.B. im Wyborger Arbeiterbezirk von Petersburg von 500 auf 6.600 Mitglieder.

    Der Juli-Aufstand

    Die wirtschaftliche und soziale Lage war in Rußland im Juni unerträglich geworden. Die Kriegsausgaben im ersten Halbjahr 1917 waren auf über zehn Milliarden Rubel gestiegen, 1/7 des Nationalvermögens. Die Eisenindustrie hatte sich um 40 % und die Textilindustrie um 20 % verringert. Mehr und mehr Betriebe wurden geschlossen, weil die Regierung ihren Zahlungsverpflichtungen nicht mehr nachkam, obwohl die Notenpresse der Regierung auf Hochtouren lief, was aber nur die Inflation ins Unermeßliche steigerte.
    Das Transportsystern war zusammengebrochen, es fehlte an Brennstoff und in Petersburg gab es Ende Juni nur noch Lebensrnittel Vorräte für 10 bis 15 Tage.
    Ein Memorandum des Gewerkschaftsverbandes der Lokomotivbrigaden an den Verkehrsminister lautete: "Wir erklären zum letztenmal: die Geduld hat eine Grenze. Weiter in solcher Lage zu leben, fehlt uns die Kraft" Das war eine Beschwerde nicht nur über Not und Hunger, sondern auch über Zweideutigkeit. Charakterlosigkeit, Betrug. Die Eingabe protestierte besonders zornig gegen "die an uns gerichteten endlosen Ermahnungen zur Bürgerpflicht und Enthaltsamkeit bei hungrigem Magen."

    So brodelte es im ganzen Lande, ganze Divisionen mußten an der Front wegen Meutereien aufgelöst werden, die Soldaten wollten nach Hause, um gegen den Hunger das Land zu bestellen; aber besonders explosiv war die Lage in den Betrieben und Kasernen von Petersburg, Kronstadt und in der baltischen Flotte. Die Forderung nach einem Sturz der provisorischen Regierung und der Machtergreifung des Sowjets wurde in Petersburg zur Kampflosung, um die aktuellen Probleme endlich zu lösen. Und die Kräfteverhältnisse in Petersburg beschrieb der Journalist Claude Anet gegenüber dem französischen Gesandten Anfang Juli so:

    "Das ist der Bezirk der großen Fabriken, der restlos den Bolschewiki gehört. Lenin und Trotzki walten dort wie die Herren."
    Im gleichen Bezirk befänden sich die Kasernen des Maschinengewehrregiments, das etwa zehntausend Mann und über tausend Maschinengewehre zähle: weder Sozialrevolutionäre noch Menschewiki hätten Zutritt zu den Kasernen des Regiments. Die übrigen Regimenter seien entweder bolschewistisch oder neutral. "Wollten Lenin und Trotzki Petrograd besetzen, wer wurde sie daran hindern?"

    Die Bolschewiki und die Leitung des Petersburger Sowjets aber versuchten alles, die Bewegung zurückzuhalten, da sie davon ausgingen, daß ein Aufstand in Petersburg weitgehend isoliert bleiben, und niedergeschlagen würde und daß selbst in Petersburg die verräterische Politik der Menschewiki und Sozialrevolutionäre noch nicht voll von den Massen durchschaut worden sei. Die Bolschewiki sandten pausenlos Aufrufe und Agitatoren in die Betriebe und Kasernen, um den drohenden Aufstand zurückzuhalten Aber nichts half. Schließlich brach am 3. Juli die bewaffnete Demonstration los. Die Regierungszeitung Iswestja schrieb:

    "Um 5 Uhr nachmittags traten bewaffnet hervor: das 1. Maschinengewehrregiment, Teile des Moskauer- des Grenadier- und des Pawlowski-Regiments. Ihnen schlössen sich Arbeiterhaufen an ... mit roten Bannern und Plakaten, die den Übergang der Macht an die Sowjets forderten. ... Die Truppenteile wählten eine Deputation, die dem Allrussischen Zentral-Exekutivkomitee (des Sowjets) ... folgende Forderungen überbrachte: Nieder mit den zehn bürgerlichen Ministern, alle Macht dem Sowjet, Einstellung der Offensive, Beschlagnahme der bürgerlichen Zeitungsdruckereien, Verstaatlichung von Grund und Boden, Produktionskontrolle."

    Die Teile von Regimentern und die Arbeiterhaufen waren in Wirklichkeit Regimenter und Betriebe vollzählig.

    Die Bolschewiki waren in einer schwierigen Lage. Die Demonstration war eine Tatsache, weitere Aufrufe, nicht hervorzutreten, waren nutzlos. So setzten sich die Bolschewiki an die Spitze der Demonstrationen, die über drei Tage dauerten, und versuchten erfolgreich, den vorzeitigen Aufstand zu verhindern, Das Ziel der Demonstrationen war das Taurische Palais, wo das Exekutivkomitee des Sowjets seinen Sitz hatte.

    Hunderttausende Demonstranten forderten die Übergabe der Macht an die Sowjets. Tscheidse, der das Sowjetsystem repräsentierte, und schon allein damit Kandidat für den Premierposten, suchte Militärkräfte gegen die Demonstranten. Die grandiose Bewegung für die Macht der Demokratie wurde von deren Führern als Überfall bewaffneter Banden auf die Demokratie erklärt.

    Schließlich traten die Petersburger Betriebe und Kasernen nach drei Tagen bewaffneter Demonstration gegen die Regierung erschöpft den Rückzug an. Die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre nutzten diesen Rückzug sofort, um eine massive Verfolgung der Bolschewiki und der Linken in den Sowjets zu beginnen, die mehrere Wochen anhält. Tausende werden verhaftet und Dutzende von reaktionären Offizieren ermordet. Doch landesweite Verfolgung der Bolschewiki macht deren Parolen erst landesweit bekannt und die einsetzende Reaktion und das sich erhebende Gesicht der Konterrevolution öffnen den Massen in der Provinz erst richtig die Augen über den Charakter der Provisorischen Regierung und deren Handlanger im Exekutivkomitee des Sowjets.




    Anmerkungen

    1 Leo Trotzki: Geschichte der russischen Revolution, Februarrevolution, Fischer Taschenbuch Verlag GmbH, Frankfurt am Main, 1982, S. 188
    2 ebenda, S. 189
    3 ebenda, S. 190
    4 ebenda, S. 248
    5 ebenda, S. 258
    6 ebenda, S. 259
    7 Tony Cliff; Lenin, Band 2, Pluto Press Limited, 1975, S. 112
    8 Leo Trotzki, a.a.O., S. 250
    9 ebenda, S. 252
    10 ebenda, S. 255

    von Werner Halbauer

    Sozialismus von unten (1. Serie) Nr. 9, Winter 1997/1998

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