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Karstadt:

Standpunkt: Kämpfen statt bezahlen

Auf den Betriebsversammlungen von KarstadtQuelle hat die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di Flugblätter verteilt, auf denen Widerstand gegen Pläne der Konzernleitung angekündigt wurde. „Sanieren – nicht zerschlagen“ war die Überschrift des Textes.

Auf dieser Grundlage kann die Gewerkschaft keinen erfolgreichen Widerstand organisieren. Durch die harte Konkurrenz gibt es nur eine Möglichkeit, den Konzern zu sanieren: Die Kürzungen der Unternehmensleitung hinzunehmen und damit die Verluste auf Kosten der Angestellten reinzuholen.

Diese Erfahrung mussten auch die Kollegen bei Siemens und DaimlerChrysler machen. Die Gewerkschaft IG Metall war unter dem Motto der „Standortsicherung“ gegen die Kürzungspläne der Bosse angetreten. Am Ende hat die Gewerkschaft zur Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen den Forderungen nach Arbeitszeitverlängerung ohne Lohnausgleich nachgegeben.

Doch auch wenn ver.di sich um die roten Zahlen von KarstadtQuelle nicht scheren würde, wären die Probleme der Angestellten nicht gelöst. Solange KarstadtQuelle Konkurrenten hat, die ebenso mit Entlassungen und Lohnabbau Kosten drücken, muss der Konzern nachziehen. Andernfalls geht er pleite und die Arbeitsplätze sind verloren. Die Konkurrenz der Unternehmen ist in der Krise des Einzelhandels zur Konkurrenz der Belegschaften geworden.
Solange die Angestellten von KarstadtQuelle, Kaufhof und anderen sich ständig gegenseitig unterbieten müssen, wird es weitere Kürzungen geben. Ver.di hat nur eine Chance, wenn sie die Krise von KarstadtQuelle zum Anlass nimmt, um im gesamten Einzelhandel einen Kampf gegen Entlassungen, Lohnabbau und schwankende Arbeitszeiten zu führen. Das sind die Probleme unter denen jeder Angestellte in jeder Filiale leidet. Auf dieser Grundlage ließe sich erfolgreicher Widerstand organisieren.

Arbeiter schließen sich seit dem 19. Jahrhundert zu Gewerkschaften zusammen, um die Konkurrenz untereinander aufzuheben und nicht von den Bossen gegeneinander ausgespielt zu werden. Diese Aufgabe muss die Gewerkschaft auch heute erfüllen, um den KarstadtQuelle-Beschäftigten zu helfen.

von Stefan Bornost (E-Mail)

Linksruck Nr. 186, 13. Oktober 2004

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