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Wofür wir stehen: Internationalismus:

Arbeiter aller Länder, vereinigt euch

„Wo will Linksruck hin?“ – Diese Frage stellen uns viele Leser. Künftig wird Monika Krala an dieser Stelle die Grundsätze von Linksruck erläutern.
1919 weigerten sich Hafenarbeiter in Seattle in den USA, Waffen zu verladen, mit denen die russische Revolution bekämpft werden sollte. Hafenarbeiter in San Francisco, London und anderen Städten schlossen sich dem Streik an. Um internationale Solidarität zu üben, unterstützten britische Textilarbeiter die Nordstaaten im Bürgerkrieg der USA, weil die Nordstaaten gegen Sklaverei kämpften.
1889 spendeten Arbeiter aus Australien und anderen Ländern Geld für den großen Hafenstreik in London. Dass sich schottische Bahnarbeiter letztes Jahr weigerten, Material für den britischen Krieg gegen den Irak zu transportieren, ist ein weiteres Beispiel dieser wichtigen Tradition.

Internationale Solidarität hat eine lange Tradition in der Arbeiterbewegung. Sie ist für die Idee des Sozialismus zentral. Arbeiter verstehen trotz der nationalistischen Propaganda, mit der wir beschossen werden, immer wieder, dass sie „kein Vaterland“ haben, wie Karl Marx 1848 schrieb. Gemeinsame Interessen haben Arbeiter nur mit anderen Arbeitern im In- und Ausland.

Heute ist der Kapitalismus mehr als je zuvor ein globales System. Er kann nur durch die internationale Solidarität der Arbeiter in eine andere Welt verwandelt werden. Es kann keine gerechte Gesellschaft in nur einem Land geben.

Leider bombardieren uns Politiker und Medien täglich mit der Behauptung, dass wir zu einem Staat gehören, der mit anderen Ländern im Wettbewerb stehen muss. Beim Sport sollen wir „unserer“ Nationalmannschaft zujubeln. Wir sollen uns freuen, wenn ein deutscher Film einen Oscar bekommt, egal wie schlecht er ist.

Wir sollen Soldaten die Afghanistan besetzen unterstützen, weil in ihren Stützpunkten die deutsche Fahne gehisst wurde. Der Nationalismus will uns weismachen, dass alle Deutschen gemeinsame Ziele gegenüber allen Polen, allen Türken oder gar allen Muslimen hätten.

Gleichzeitig erfahren die Menschen Unterdrückung und Ausbeutung, die der Unterdrückung und Ausbeutung von Menschen anderer Herkunft, Hautfarbe oder Religion ähnlich ist. In den 80er Jahren führten die Bilder der Hungersnot in Äthiopien dazu, dass Menschen auf der ganzen Welt für die Hungernden spendeten. Auch der Kampf der Schwarzen in Südafrika gegen die Apartheid wurde auf der ganzen Welt unterstützt.

Arbeiter erleben zum einen die Konkurrenz im Kapitalismus, den ständigen Kampf um einen Arbeitsplatz. Außerdem erkennen sie aber Verbündete im Leiden und in den Kämpfen der Unterdrückten und Ausgebeuteten der Welt. Diese Erfahrung kann zu Solidarität über Ländergrenzen hinweg führen.

Der Konflikt zwischen beiden Erfahrungen findet seinen Niederschlag in der Arbeiterbewegung. Auf der einen Seite stehen die, die „unser Land“ im Krieg unterstützen. Auf der anderen Seite sind die, die sich gegen Imperialismus aussprechen und Solidarität mit den Arbeitern anderer Länder üben.

Ich habe mit dem Beispiel von 1919 angefangen, aber gehen wir einmal 80 Jahre weiter. Eine der letzten großen Taten des 20. Jahrhunderts war die Geburt eines neuen Internationalismus auf der Großdemonstration gegen die Welthandelsorganisation WTO im November 1999 in Seattle. Dieser Protest brachte eine Vielzahl unterschiedlicher Kampagnen und Organisationen zusammen.

Seine Bedeutung lag nicht zuletzt darin, dass vorher getrennt arbeitende Gruppen sich der Verbindungen ihrer Anliegen bewusst wurden. Die schiere Tatsache, dass sie in Seattle zusammenkamen, stellte die Frage neu, wie Massenkampagnen ihre gemeinsamen Gegner ausmachen und konfrontieren können. In den ersten Jahren des neuen Jahrtausends haben wir gewaltige weltweite Proteste gegen den Irakkrieg gesehen, die in ihrem Ausmaß an die Revolutionen herankamen, die den ersten Weltkrieg beendeten.

Auf riesigen Foren hat sich eine neue Generation hervorragender Aktivisten zusammengefunden, um zu diskutieren, wie die Emanzipationsbewegungen weiter vorankommen können. Sie setzen internationale Solidarität als selbstverständlich voraus. Und sie machen den globalen Kapitalismus als zentralen Gegner aus.

Wer hätte noch vor fünf Jahren vorhergesagt, dass Gewerkschaftsdelegationen nach Paris oder Mumbai fahren würden, um Verbindungen über Kontinente und den gesamten Globus hinweg zu schmieden? Eine neue Epoche ist angebrochen, und sie hat enormes revolutionäres Potential.

Die anti-kapitalistische und die Anti-Kriegsbewegung wie auch die internationalen Foren stehen für einen neuen Internationalismus von unten, der in Formen wachsen wird, die wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen können.

von Monika Krala (E-Mail)

Linksruck Nr. 186, 13. Oktober 2004

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