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„Wir können gewinnen“

Iraker wehren sich gegen die Besatzung. Gewerkschafter, Sozialdemokraten und Eltern getöteter Soldaten fordern in London den Abzug der Besatzer aus dem Irak
Dreitausend Menschen füllen den Saal, in dem die Diskussion über Widerstand gegen den US-Imperialismus stattfindet. Sie stehen an den Seiten, füllen die Gänge, sitzen vorne auf dem Podium.

Auf dem Europäischen Sozialforum (ESF) sind fast alle Veranstaltungen gegen den Krieg ebenso voll. Großbritannien hat nach den USA die zweitgrößte Besatzungsarmee im Irak. Doch die meisten Briten wollen den Abzug der Soldaten.

Das erste ESF in Florenz hatte im Herbst 2002 dazu aufgerufen, am 15. Februar des nächsten Jahres in den Hauptstädten Europas gegen den Krieg auf die Straße zu gehen. Das Weltsozialforum in Brasilien dehnte den Aufruf auf die ganze Welt aus, mit dem Erfolg, dass 15 Millionen Menschen gegen den Krieg demonstrierten.

Daran erinnert Richard Boyd Barrett, Sprecher des Antikriegsbündnisses aus Irland, am Anfang seiner Rede, bevor er zu den heutigen Aufgaben kommt: „Jetzt muss der Kampf gegen die Besatzung im Zentrum stehen. Der Krieg der US-Regierung wird nicht im Irak enden, wenn sie damit durchkommen. Darum müssen wir sie stoppen.
Das bedeutet, dass wir den Widerstand im Irak 100 Prozent unterstützen müssen. Wenn eine Armee ein Land erobert, und Bomben auf Häuser und Schulen abwirft, dann haben die Menschen dort das Recht, mit der Waffe in der Hand dagegen zu kämpfen. Wenn Leute sich wehren, dann folgen sie ihren eigenen Regeln und nicht unseren.“

Maria Styllou, aktiv in der Antikriegsbewegung in Griechenland, ergänzt ihn: Der Widerstand gegen den Imperialismus der US-Regierung finde an vielen Orten statt: „Während der Olympischen Spiele sollte US-Außerminister Powell Athen besuchen. Wir haben nur vier Tage Zeit gehabt, eine Demo zu organisieren. Aber wir haben so viel Unterstützung gehabt, dass er den Besuch abgesagt hat.

Der US-Imperialismus wird immer weiter vom Widerstand eingekreist. Im September haben sich nicht nur immer mehr Iraker gewehrt, auch 500.000 Menschen in den USA sind gegen den Krieg auf die Straße gegangen.

Knapp 60 Prozent der Menschen in Venezuela haben gegen die Amtsenthebung ihres Präsidenten Chavez gestimmt, den das US-Außenministerium schon drei Mal stürzen wollte. Ich denke, wir stehen vor einer Phase, in der wir gegen die Herrschenden gewinnen können.“
Das Thema greift der ehemalige sozialdemokratische Parlamentsabgeordnete George Galloway auf: „Die Großen erscheinen uns nur groß, solange wir auf den Knien sitzen. Aber die Menschen in Irak sind aufgestanden.

Die US-Armee hat keine Kontrolle über Falludscha. Sie hat keine Kontrolle über ihre eigenen Soldaten. Siebzehn von ihnen haben einen Einsatz verweigert, weil sie nicht wussten, ob sie am Ende dieses Einsatzes noch am Leben sein würden.

Nun hat die US-Regierung den britischen Premierminister Blair um Unterstützung in Bagdad gebeten. Ich sage zu Blair: Keinen weiteren Soldaten! Hol die Truppen da raus!“
Unter lautem Beifall ergänzt er: „Wir sind Bürger imperialistischer Staaten, die fremde Länder besetzen. Es ist unser Job, das zu beenden. Es ist nicht unser Job, den Widerstand im Irak zu zerreden.“

Besonders begeistert begrüßen die Zuhörer Aleida Guevara, die Tochter des kubanischen Revolutionärs Che Guevara. Sie erinnert: „Bush hat auch Kuba mit Krieg gedroht. Aber welche Demokratie will er uns denn bringen? Die aus dem Irak und aus Afghanistan?“
Ihre Rede wird mit stehenden Ovationen und Sprechchören begrüßt: „El pueblo unido jamas sera vencido“. Auf deutsch: Vereint wird das Volk niemals besiegt werden.

von Jan Maas (E-Mail)

Linksruck Nr. 187, 27. Oktober 2004

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