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Ton Steine Scherben:

Alles verändert sich…

Die Band ist in aller Munde. Und das, obwohl sie keinen einzigen Hit im üblichen Sinn hat. Radiostationen spielen ihre Lieder nicht, weil sie zu rebellisch sind. Die Platten verschicken die Musiker selbst – unabhängig von der Musikindustrie. Sie wollen die Welt wirklich verändern und nicht nur davon singen.

Die Rede ist von Ton Steine Scherben, der Stimme der APO, der außerparlamentarischen Oppositionsbewegung, die sich ab den späten 1960er-Jahren weltweit und auch in Deutschland entwickelte.

Ein neues Album, „18 Songs aus 15 Jahren“, lässt diese Zeit wieder lebendig werden. Wieder erscheint es unabhängig von der Musikindustrie.

Die Songs auf dem Album zeichnen die Entwicklung der Band von 1970 bis zur Auflösung 1985 nach. Von jedem der fünf erschienen Alben sind Songs vertreten.

Anfangs drückt die Band Kraft, Wut und Optimismus aus wie kaum jemand anders: „Alles verändert sich, wenn du es veränderst, doch du kannst nicht gewinnen, solange du allein bist“, singt Frontmann Rio Reiser in „Alles verändert sich“.

Nach einem Konzert 1971 ruft die Band dazu auf, ein Haus zu besetzen. Das Publikum lässt sich nicht lange bitten, und so treten Ton Steine Scherben eine Welle von Hausbesetzungen in Berlin los, die im „Rauch-Haus-Song“ besungen wird.

Im Rahmen der APO erhoben die Frauenbewegung und zunehmend auch Homosexuelle ihre Stimme gegen Unterdrückung und Ungleichheit. Sie fordern ihre Recht auf eine selbst bestimmte Sexualität ein – auch für den schwulen Rio Reiser ein Thema, etwa in „Komm schlaf bei mir“.

Im Laufe der 1970er-Jahre wurde den Aktivisten der APO klar, dass ihre Hoffnungen auf eine baldige Umwälzung der Verhältnisse in Westdeutschland sich nicht erfüllen würden. Aus dieser Zeit stammen unter anderem die Songs „Durch die Wüste“ und „Halt dich an deiner Liebe fest“.

Der Rückgang der Bewegung und der Rückzug ins Private spiegeln sich auch in der Musik und den Texten wider. Ton Steine Scherben fliehen aus Berlin aufs Land und produzieren Instrumentalmusik für Fernsehen und Rundfunk. Erst 1981 erscheint die vierte Platte. Einige der besten Stücke der Band entstehen in dieser Zeit.

Für diese Auswahl haben die Produzenten alle Stücke digital nachbearbeitet. Ungewohnt für viele, die die Band von Vinylplatten oder Demolautsprechern kennen, klingen sie plötzlich nicht mehr nur wuchtig und kraftvoll, sondern richtig brillant.

Wie bei jedem Best-Of-Album vermisst man einige gute Songs. Dennoch: Eine gelungene und ausgeglichene Mischung. Sie bietet einen Überblick über diese bis heute einflussreiche Band und eine Reise durch die Geschichte der deutschen Linken.

von Jan Maas (E-Mail)

Linksruck Nr. 192, 2. Februar 2005

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