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Kanada/USA: „Wir wollen Respekt“

Wal-Mart Arbeiter demonstrieren in Las Vegas gegen die aggressive Gewerkschaftsfeindlichkeit des Konzerns

„Die Angestellten wollten bei der Arbeit mit Würde und Respekt behandelt werden“; erzählt Bob Linton von UFCW: „Sie wollten faire Löhne und keine Angst mehr vor Belästigungen am Arbeitsplatz haben müssen. Deshalb sind sie der Gewerkschaft beigetreten.“

Im August sind die meisten der knapp 200 Angestellten von Wal-Mart in Jonquiére in Kanada der Gewerkschaft UFCW beigetreten. Zum ersten Mal haben sich viele Arbeiter einer Wal-Mart-Filiale in der Gewerkschaft organisiert. Die Manager haben den Angestellten mit Entlassung gedroht.

„Wal-Mart hat von seinem Gründer Sam Walton eine Tradition aggressiver Gewerkschaftsfeindlichkeit. Das Unternehmen hat sich immer gegen alle Versuche seiner Angestellten, sich gewerkschaftlich zu organisieren, gewehrt“, sagt Bob.

Vor fünf Jahren wollten elf Arbeiter, die für Wal-Mart Fleisch verpackt haben, eine Arbeitnehmervertretung gründen. Daraufhin kündigte der Konzern weltweit alle Fleischverpacker und ließ die Arbeit von einer anderen Firma erledigen.

„Mit 1,4 Millionen Angestellten ist Wal-Mart der größte private Arbeitgeber der Welt“, erzählt Bob. „Die Art, wie die Angestellten behandelt werden, gilt deshalb als Standard für andere Unternehmen.“

Bei Wal-Mart müssen fast alle für einen absoluten Billiglohn arbeiten. In den USA liegt der Stundenlohn 23 Prozent unter dem Gewerkschaftstarif. In Bangladesch zahlt der Konzern 13-jährigen 2 Cent pro Stunde.

Nur so kann Wal-Mart jedes Jahr Milliardengewinne einfahren. Besonders Frauen leiden unter der Ausbeutung: 65 Prozent der Wal-Mart-Angestellten in den USA sind Frauen. Sie bekommen für dieselbe Arbeit durchschnittlich 29 Cent weniger Stundenlohn als ihre männlichen Kollegen.

Selbst in Top-Positionen verdienen Frauen bei Wal-Mart weniger. Der männliche Vizepräsident verdient 330.000 Euro im Jahr, seine Kolleginnen durchschnittlich 220.000.

Dagegen wollen sich die Arbeiterinnen jetzt wehren, erzählt Bob: „In den USA kommt auf Wal-Mart gerade ein gewaltiger Gerichtsprozess zu, in dem 1,6 Millionen Frauen gemeinsam gegen Diskriminierung am Arbeitsplatz klagen.“

Außerdem bespitzelt der Konzern seine Angestellten. Eine Delegation der deutschen Dienstleistungsgewerkschaft ver.di wollte in den USA mit einer Angestellten sprechen. Sie sagte: „Ich kann mich leider nicht sehr lange mit euch unterhalten, da wir beobachtet werden, und wenn ich nicht arbeite, gilt das als Arbeitszeitdiebstahl.“

Für die Angestellten in Jonquiére hat sich die Lage nur für kurze Zeit verbessert, erzählt Bob: „Die Gewerkschaft konnte ihnen eine Art Tariflohn erkämpfen und durch die Tarifverhandlungen allgemein eine Verbesserung ihrer Arbeitsbedingungen erreichen, und sie haben sich mehr Mitbestimmung erkämpft.“

Doch am 9. Februar gab ein Sprecher des Konzerns bekannt, dass die Filiale geschlossen wird, angeblich, weil sie zu wenig Profit abwirft. In Wirklichkeit wollen die Bosse verhindern, dass sich immer mehr Arbeiter in der Gewerkschaft organisieren. Denn auch in St. Hyacinthe sind die meisten Wal-Mart-Angestellten im Januar der UFCW beigetreten.

Nach der Bekanntgabe der Schließung war die Belegschaft wütend und traurig. Sie alle werden in einigen Wochen ihre Arbeit verlieren.

„Viele haben geweint, und ich auch", sagte die Kassiererin Claudia Tremblay. „Ich bin Mutter von zwei Kindern und lebe von meinem Mann getrennt. Es ist sehr hart."
Jetzt wollen die Arbeiter weiterkämpfen, um die Schließung zu verhindern.

von Sarah Nagel (E-Mail)

Linksruck Nr. 193, 16. Februar 2005

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