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Frankreich: Eine halbe Million für die 35-Stunden-Woche

„Wenn du nicht gefressen werden willst, schließ dich uns an“, steht auf einem Aufkleber, den sich ein Gewerkschafter auf die Jacke geklebt hat. Zusammen mit fünfhunderttausend anderen Menschen in 140 Städten Frankreichs demonstriert er in Paris für den Erhalt der gesetzlich festgeschriebenen 35-Stundenwoche.

Der konservative Regierungschef Raffarin will die gesetzliche Festschreibung der Wochenarbeitszeit in Frankreich untergraben. In Zukunft sollen Unternehmen Arbeitszeiten mit ihren Angestellten auch einzeln aushandeln dürfen. Diese Verhandlungen sollen „auf feiwilliger Basis“ stattfinden. Aber es ist klar, dass die Bosse ihre Angestellten unter Druck setzen und gegeneinander ausspielen können, sobald die die gesetzliche Obergrenze aufgehoben ist. Arbeitsplätze werden abgebaut, wenn weniger Arbeiter mehr Arbeitsstunden ableisten.

Vincent ist Montagearbeiter und demonstriert heute in Paris. Er lässt sich regelmäßig seine Überstunden auf seinem Freizeitkonto gutschreiben, damit er mehr Urlaub hat. Wenn sich künftig andere Angestellte dazu breitschlagen lassen, für das gleiche Geld mehr zu arbeiten als er, wird der 58jährige auf seine Freizeit oder auf seinen Job verzichten müssen.

von Sarah Nagel (E-Mail)

Linksruck Nr. 193, 16. Februar 2005

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