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Der Tag, an dem die Welt Nein sagte

- 15.2.: Globale Proteste gegen den Krieg gegen den Irak -

Stimmen gegen den Krieg aus Berlin

Jenin, Palästinenserin aus Berlin: Der Krieg fordert unschuldige Menschenleben. Als Palästinenser sind wir selbst davon betroffen. Meine Freundin hier neben mir kommt aus dem Irak, ihr Vater ist dort, und sie soll jetzt mitansehen, wie ihre Familie stirbt. Doch wir können diesen Krieg noch stoppen, wenn wir alle zusammenhalten so wie heute. Bush hat überhaupt keine Beweise dafür, dass der Irak Massenvernichtungswaffen besitzt. Aber Bush hat auf jeden Fall selber welche. Die Bundesregierung muss Nein zu diesem Krieg sagen und auch dabei bleiben.
Felix, Student aus Schwerin Wir können den Krieg stoppen. Wenn es überall in Europa Proteste gibt, können wir es schaffen, dass die Regierungen in der Kriegsfrage nicht mehr gespalten sind und sich alle gegen den Krieg stellen. Unsere Einheit, unabhängig von der Haltung der Regierung, ist wichtig, damit wir das erreichen.
Sascha, Schüler aus Berlin: Bei dem Krieg geht es nicht um Gerechtigkeit. Die irakische Bevölkerung wird nicht befreit, sondern bedroht. Wir können den Krieg stoppen und müssen noch weiter machen. Als nächstes könnte man US-Botschaften besetzen und so Bush unter Druck setzen. Unsere Bewegung gegen den Krieg wird an Tagen wie heute gestärkt.
Eine der ersten Antikriegs-Demonstrationen in Australien war zugleich eine der kleinsten. In Bellingen, einem Ort in South-Wales in der Nähe des Pazifischen Ozeans, kamen 2.500 Menschen zu der Kundgebung auf dem Sportplatz der Gemeinde. Bellingen zählt allerdings nur 2.600 Einwohner.
Insgesamt protestierten in Australien eine Million Menschen gegen den Krieg. An der größten Demonstration in Sydney beteiligten sich etwa 500.000 Menschen.
"Die Proteste bringen den konservativen Premierminister John Howard in Bedrängnis," erklärt Jarvis Ryan, ein australischer Aktivist. "Er ist einer von Bushs treuesten Verbündeten und hat Kriegsschiffe, Kampfflugzeuge und Truppen in die Golfregion geschickt. Dabei nimmt er keine Rücksicht auf die Bevölkerung, von der nur sechs Prozent für einen Angriff auf den Irak sind."
Ähnlich sieht es in den europäischen Ländern aus, deren Regierungen Bush bei seinen Angriffsplänen unterstützen. Dort gab es die größten Proteste.
In ganz Spanien waren 10 Prozent der Bevölkerung auf den Straßen. In Barcelona verließen sogar ein Drittel und in Madrid ein Viertel der Einwohner ihre Häuser, um ihrer Wut über den Kriegskurs des konservativen Premiers Aznar Ausdruck zu verleihen. Vier Millionen Menschen demonstrierten in mehr als 50 Städten.
In Rom zeigten über drei Millionen Menschen, dass sie gegen Kriegspolitik Widerstand leisten. "30 Züge wurden extra für die Demonstration gebucht", berichtet Tom Behan aus Rom. "Die ganze Stadt war eine einzige Demonstration. Viele diskutieren schon darüber, was als nächstes zu tun ist. Gewerkschaften haben angekündigt, dass sie streiken werden, wenn der Krieg ausbricht."
In London drängten sich eine Million Menschen auf der Demonstration und der anschließenden Kundgebung im Hyde-Park. Dort skandierten sie: "Nieder mit Blair!"
"Wie soll die Bombadierung von Kindern Demokratie herbeiführen", sagt Sue aus Sheffield. "Ich habe einen Enkel, und wenn ich ihn sehe, dann denke ich an die Kinder im Irak, auf die die USA und Großbritannien Bomben werfen wollen. Heute sind die Menschen auf der Straße, die Blair an die Macht gebracht haben wir können ihn auch wieder entmachten."
In Polen, Bulgarien, Ungarn, Kroatien und der Slowakei füllten Zehntausende die Straßen, um zu zeigen, dass sie nicht die Meinung ihrer Regierungen teilen, die auf Bushs Kriegskurs eingeschwenkt sind.
Aber auch in den Ländern, deren Regierungen dem Krieg skeptisch gegenüber stehen, machte die Bevölkerung Druck: über eine halbe Million Menschen protestierten in Frankreich, davon 200.000 in Paris.
In Deutschland waren die Demonstrationen riesig: Weit mehr als eine halbe Million strömte in eisiger Kälte durch die Straßen Berlins und das Brandenburger Tor. Der von den Veranstaltern geplante Ort für die Abschlusskundgebung platzte aus allen Nähten, und die meisten kamen wegen dem Massenandrang gar nicht bis dorthin.
Zehn ägyptische Aktivisten gegen den Krieg sitzen im Gefängnis und wurden gefoltert. Sie hatten versucht, zu einer Demonstration zu gehen. Die Bevölkerung im Nahen Osten befürchtet eine Verschärfung der Unterdrückung, wenn es zu einem Krieg gegen den Irak kommt. Aber staatliche Gewalt kann die kochende Stimmung gegen Bush nicht dämpfen. In Bahrain durchbrachen die Demonstranten Polizeiketten und setzten ihre Proteste fort. In Beirut kamen verschiedene ethnische Bevölkerungsgruppen zu einem großen Protestmarsch zusammen. 80.000 beteiligten sich an einer Demonstration in der syrischen Hauptstadt Damaskus.
In der Türkei werden gerade US-Militärbasen für einen Angriff gegen den Irak ausgebaut. 80 Prozent der Bevölkerung wollen diesen Krieg nicht. Das zeigten sie deutlich auf lautstarken Protesten in mehreren Städten. Rund die Hälfte der Demonstranten waren Kurden, die sich sowohl gegen den Krieg gegen den Irak als auch gegen Attacken auf die kurdische Bevölkerung durch die türkische Armee wehren.
Auch in seinem eigenen Land weht Bush ein heftiger Sturm von Antikriegs-Protesten entgegen. Während die Menschen in Europa erschöpft von den Demonstrationen nach Hause gingen, begannen die Aktivisten in den USA erst ihre Proteste. Sie waren ein voller Erfolg: 500.000 demonstrierten in New York, 200.000 in San Francisco, 150.000 in Los Angeles. Die "New York Times" vom 21. Februar berichtete, was die Proteste in Los Angeles erreicht haben: Die Regierung der Stadt verabschiedete eine Resolution gegen den Krieg. "Nach der 9zu4-Abstimmung ist Los Angeles die größte Stadt, die den Krieg ablehnt, gemeinsam mit 100 weiteren Städten und Landkreisen, zu denen auch Chicago, Philadelphia und Detroit gehören."

Linksruck Nr. 148, 25. Februar 2003

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