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Ein Streik nützt allen

Der SPD-Vorsitzende Müntefering beschuldigt ausländische Investmentfonds, Gewinne auf Kosten der Arbeiter in Deutschland zu machen. Doch auch die Bosse der deutschen Stahlindustrie wollen ihre Angestellten trotz hoher Gewinne mit einem Inflationsausgleich abspeisen.

Das letzte Angebot über 2,4 Prozent mehr Lohn in den nächsten 19 Monaten haben die Gewerkschafter der IG Metall abgelehnt. Mehr wollen die Unternehmer nicht zahlen. Angeblich wäre sonst ihre Konkurrenzfähigkeit auf dem Weltmarkt gefährdet.

In Wirklichkeit haben die Unternehmen genug Geld für höhere Löhne. Die sechs größten Stahlkonzerne haben letztes Jahr nach Steuern 1,5 Milliarden Euro Gewinn gemacht. Dieses Jahr rechnen sie mit 2,1 Milliarden Profit.

Doch das Geld wird an die Aktionäre verteilt. Das sind vor allem Reiche, Banken und andere Konzerne. Die Salzgitter AG plant beispielsweise, die Dividende pro Aktie gegenüber letztem Jahr 60 Prozent zu erhöhen, ThyssenKrupp um 30 Prozent und Arcelor um 15 Prozent.

Außerdem bereichern sich die Bosse an ihren Konzernen. Die Vorstände von ThyssenKrupp haben sich ihr Gehalt letztes Jahr durchschnittlich um 39 Prozent erhöht, der Vorstandsvorsitzende Schulz sogar um 79 Prozent. Die Vorstände von Salzgitter verdienen durchschnittlich 630.000 Euro im Jahr, bei ThyssenKrupp 1.300.000.

Ihren 85.000 Stahlkochern zahlen die Bosse weniger als ein Fünfzigstel davon. Ein durchschnittlicher Facharbeiter bekommt in der Stahlindustrie 1.900 Euro brutto im Monat.

Deshalb fordern die Stahlarbeiter 6,5 Prozent mehr Lohn. Laut Arbeitgeberverband Stahl (AGV Stahl) würde das die Unternehmen 185 Millionen kosten. Das ist weniger als ein Zehntel der in diesem Jahr erwarteten Gewinne.

Trotzdem antwortet der AGV Stahl auf die Lohnforderung: „Die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Unternehmen und damit auch die langfristige Sicherung der hiesigen Arbeitsplätze wird so gefährdet.“

In Wirklichkeit liegt der Anteil der Lohnkosten am Umsatz der Stahlindustrie bei 11 Prozent. Im gesamten produzierenden Gewerbe beträgt dieser Anteil 16 Prozent. Die Stahlbosse haben außerdem die Lohnstückkosten, die Lohnkosten pro hergestellte Ware, von 1995 bis 2004 um 11,3 Prozent gesenkt.

In den vergangenen Jahren haben die Unternehmer trotz niedriger Tarifabschlüsse Stellen gestrichen. Letztes Jahr wurden die Einkommen der Arbeiter um im Januar um 1,7 und im November um 1,1 Prozent erhöht.

Trotzdem vernichteten die Konzerne zwischen 1995 und 2004 fast jede fünfte Stelle. Die Produktivität der Branche stieg in diesem Zeitraum um fast 40 Prozent: Weniger Arbeiter leisten mehr, bekommen vom großen Kuchen aber nur die Krümel.

Seit Jahren fordern Bosse und Politiker Lohnverzicht. Angeblich komme die Wirtschaft nur in Schwung, wenn die Konzerne höhere Gewinne machten. Dadurch würden Arbeitsplätze entstehen.

Doch offiziell sind 5 Millionen Menschen arbeitslos. Die neoliberale Politik schafft keine Arbeit, sondern erhöht die Profite.

Eine Folge ist, dass Betriebe Pleite gehen, weil Menschen mit geringem Einkommen ihre Waren nicht kaufen können. Peter Bofinger, einer der so genannten Wirtschaftsweisen, fordert deshalb, dass die Unternehmen höhere Löhne zahlen.

Auch die Partei Arbeit und soziale Gerechtigkeit – die Wahlalternative setzt sich für höhere Löhne ein. Die IG Metall hat jetzt die Chance, mit einem Streik der Stahlarbeiter eine Lohnsteigerung durchzusetzen und dadurch mit der Umverteilung von oben nach unten anzufangen.

Damit könnte die Gewerkschaft beweisen, dass der weltweite Wettlauf der Unternehmen um die niedrigsten Löhne gestoppt werden kann. Das ist ein Ziel, das allen nützt, außer den Konzernen.

Linksruck Nr. 199, 11. Mai 2005

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