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Wachstum ohne Jobs

Im Wirtschaftsmagazin Capital behauptete CDU-Kanzlerkandidatin Merkel, durch längere Arbeitszeiten und eine Lockerung des Kündigungsschutzes „entstehen mehr Jobs, mehr Wachstum“. Damit fordert sie, gesetzlich festzuschreiben, was unter Rot-Grün längst Normalität geworden ist – ohne dass neue Arbeitsplätze oder wirtschaftliches Wachstum entstanden wären. Tatsache ist: Die Bosse entlassen unabhängig davon, ob es dem Betrieb gut geht oder nicht.

Bei der Fusion der Hypo-Vereinsbank mit der italienischen Großbank Unicredit entsteht das neuntgrößte Geldhaus in Europa. Die Hypo-Vereinsbank ist das zweitgrößte Finanzinstitut in Deutschland, Unicredit die Nr. 1 in Italien. Dennoch sollen mit der Fusion weltweit 9.500 Arbeitsplätze vernichtet werden, davon 1.800 in Deutschland. Dazu kommen noch 2.200 Stellen, die im Rahmen eines „Kostensenkungsprogramms“ bei der Hypo-Vereinsbank gestrichen werden.

Hohe Löhne oder ein schlechter „Standort Deutschland“ sind dafür nicht der Grund. Der Unicredit-Boss rechnet sogar damit, das Geschäft in Deutschland auszuweiten. Durch die Fusion und die Vernichtung von Stellen soll die Position der beiden Konzerne auf dem europäischen Finanzmarkt verbessert werden – auf Kosten der Angestellten. Die Aktionäre hingegen freuen sich: nach der Ankündigung der Fusion stiegen die Kurse beider Banken.
Auch beim Elektrokonzern AEG sind 1.750 Arbeitsplätze im Nürnberger Werk in Gefahr. Ursache ist der harte internationale Preiskampf zwischen den Unternehmen. Das AEG-Management beklagt, dass die Preise für Hauhaltsgeräte gesunken sind und AEG in Nürnberg deshalb zu wenig profitabel sei. Die AEG-Arbeiter sollen für die Preisschlacht der Bosse zahlen.

Verzicht auf Lohn, längere Arbeitszeiten und Stellenstreichungen dienen den Bossen dazu, ihre Kriegskassen für den Konkurrenzkampf aufzufüllen oder die Aktionäre zu befriedigen.
Das Versprechen, bei Verzicht auf Lohn Arbeitsplätze zu garantieren, brechen die Bosse regelmäßig. Der AEG-Mutterkonzern Elektrolux droht immer wieder, die Produktion in Billiglohnländer zu verlagern, und kündigt Arbeitsplatzabbau an. Auch bei der Fusion von Hypo-Vereinsbank und Unicredit hatten beide Banken behauptet, dass es in den nächsten drei Jahren keine betriebsbedingten Kündigungen geben solle. Börsenexperten sagen derweil öffentlich, dass diese Zusagen nichts wert sind.

Entlassungen und Stellenvernichtung aus ähnlichen Gründen drohen dieses Jahr noch bei einer ganzen Reihe Betriebe, zum Beispiel bei Bosch-Siemens-Hausgeräte in Berlin, beim Badarmaturenhersteller Grohe, beim Anlagenbauer Alstom, bei der Transmedia-Verlagsgesellschaft, beim Antriebstechnik-Hersteller NEFF (Danaher) oder beim Rolltreppenhersteller Kone.

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 202, 22. Juni 2005

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