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Konförderationen Pokal: „Vielen Dank dafür“

München ist deutscher Fußballmeister und spielt danach gegen die jeweils beste nord-, west-, ost und irgendeine süddeutsche Mannschaft um den „Zusammenschlüsse-Pokal“. Das halten Sie für die dümmste Idee, seit der Ball rund ist? Stimmt, doch weil der Weltfußballverband Fifa noch mehr Millionen scheffeln will, muss derzeit Weltmeister Brasilien gegen Afrika-, Asien- und die Meister der anderen Kontinente antreten.

Da der Name„Zusammenschlüsse-Pokal“ genauso blöd klingt wie der Wettbewerb ist, hat man ihm zunächst ein Fremdwort verpasst: „Konföderationen-Pokal“, ihn dann in flippiges Englisch übersetzt: „Confederations-Cup“, dies mit einer Abkürzung garniert: „Confed-Cup“, und weil die Fans noch immer nicht begeistert waren, wird das Ganze jetzt als „Mini-WM“ verkauft. In Wirklichkeit geht es um die goldene Ananas.

Alles wird live übertragen, auch Tunesien gegen Australien. Deutschland und Argentinien sind zwar weder Europa- noch Südamerika- oder irgendein Meister. Sie müssen aber trotzdem mitmachen. Denn je mehr Spiele es gibt, desto mehr unserer Gebühren zahlen die Fernsehsender ARD und ZDF an die Fifa.

Doch weil das Turnier so wichtig ist wie der große Sackhüpf-Wettbewerb von Wanne-Eickel, haben viele Spieler keine Lust, ihren Sommerurlaub gegen langweiliges Gebolze einzutauschen. Die Brasilianer Ronaldo, Roberto Carlos und Cafu liegen lieber am Strand.

Nach dem Spiel Argentinien gegen Tunesien schlichen sämtliche Fußballer derart teilnahmslos vom Platz, dass nur auf der Anzeigetafel erkennbar war, dass die Argentinier gewonnen hatten. Die Tunesier schienen ihre Niederlage fest eingeplant zu haben und ließen acht Stammkräfte auf der Bank.

Besonders gebeutelt sind Mexiko und Australien. Weil die Mannschaften gegen Fußballgroßmächte wie Jamaika oder die Salomonen kaum anders können, als Nord- und Mittelamerika-, beziehungsweise Ozeanienmeister zu werden, müssen sie alle zwei Jahre zum Konföderationen-Pokal antreten.

Jetzt hat der mexikanische Verband vier Spielern von Deportivo Guadalajara befohlen, in Deutschland zu spielen und das Halbfinale der lateinamerikanischen Champions League zu verpassen. Zwei der besten Australier dürfen hingegen mit Parma um den Klassenerhalt in der italienischen Liga spielen.

Lediglich der deutsche Trainer Klinsmann behauptet, die stärkste Mannschaft aufzustellen. Obwohl mit Markus Babbel und Christian Wörns zwei seiner besten Verteidiger im Urlaub weilen.

Deswegen haben die Deutschen ihr erstes Spiel gegen Australien nur mit Glück 4:3 gewonnen. Torwart Oliver Kahn grübelte nach dem Spiel, wieso er an seinem 36. Geburtstag als Schießbudenfigur herhalten musste: „Es ist Tradition, dass ich meine Geburtstage beim DFB verbringen darf, vielen Dank dafür.“

Vielleicht weigern sich künftig noch mehr Profis, für den Reichtum der Fifa die Knochen hinzuhalten. Dann müsste der Fußballverband Freizeitkicker für die „Mini-WM“ zwangsrekrutieren. Wir befürchten das Schlimmste.

von Hans Krause

Linksruck Nr. 202, 22. Juni 2005

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