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„Für kämpferische Gewerkschaften“

Susanne Danowski ist Betriebsratsvorsitzende bei der Bahntochter DB ProjektBau. Sie ist aktiv in der AG Betrieb und Gewerkschaften der Linkspartei.PDS in Berlin und Mitglied der Gewerkschaft TRANSNET.
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Du hast den Aufruf von Gewerkschafterinnen und Gewerkschaftern, am 18. September die Linkspartei zu wählen, mit initiiert. Wie finden deine Kollegen das?

Die meisten sind sehr aufgeschlossen. Gestern habe ich zu einer Gewerkschaftsversammlung Aufrufe für die Initiative „Gewerkschafter und Gewerkschafterinnen wählen links“ mitgebracht. Aus dem bahnnet habe ich auch das Papier unseres Gewerkschaftsvorsitzenden Hansen ausgedruckt, der die Wahl der SPD empfiehlt. Ich hatte von beiden mehr Kopien mitgebracht als Kollegen da waren. Der Aufruf „Wir wählen links“ war danach vergriffen.
Viele Gewerkschafter fühlen sich von der SPD nicht mehr vertreten, weil Rot-Grün noch schlimmeren Sozialabbau betreibt als die CDU zuvor. Unter Kohl wären Hartz I bis IV unmöglich gewesen, weil die Gewerkschaften dagegen mobilisiert hätten.
Viele Gewerkschafter sind deshalb der WASG beigetreten, um Alternativen zu den regierenden Parteien zu entwickeln. Und noch mehr sind froh darüber, dass mit dem gemeinsamen Wahlantritt von Linkspartei und WASG endlich wieder die Interessen von Arbeitern und Gewerkschaften im Parlament vertreten werden.

Gibt es auch kritische Stimmen?

Manche fürchten, dass eine Stimme für das Linksbündnis der „Merkelpartei“ an die Macht hilft. Das war bei der letzten Wahl ähnlich, als viele die SPD trotz ihrer Regierungspolitik doch noch einmal gewählt haben. Ich antworte dann, dass wir eine starke Opposition brauchen, die Alternativen zum Sozialabbau aufzeigt. Eine Opposition, die klar macht, dass es sich lohnt, gegen die Angriffe zu kämpfen, egal von welcher Partei sie kommen. Nur so werden wir den Protest auf die Straße und wieder in das Parlament bekommen.

DGB-Chef Sommer warnt, das Linksbündnis würde die Gewerkschaften schwächen.

Das ist doch Quatsch. Daran, dass die Gewerkschaften Mitglieder verlieren, ist nicht das Linksbündnis schuld. Gewerkschaften basieren auf der Aktivität der Mitglieder, nicht darauf, dass in den oberen Etagen etwas verhandelt wird, wovon bei den zahlenden Mitgliedern nichts mehr ankommt.
Viele Gewerkschafter haben als Einzelpersonen bei den Montagsdemos gegen die Agenda 2010 und Hartz IV protestiert. Nur unsere Führung war nicht da. Der Dokumentarfilm „NeueWut“ von Martin Kessler zeigt das sehr gut.
Vom Betriebsrat aus haben wir die vom DGB unterstützte Großdemonstration gegen die Agenda 2010 im April 2004 dazu genutzt, um mit eigenen Plakaten und einer Kundgebung am Tag zuvor öffentlich auf den Arbeitsplatzabbau in unserem Betrieb aufmerksam zu machen.
Wir brauchten von unserer Gewerkschaft dazu Unterstützung. Die Ortsverwaltung war nicht bereit, unsere Kundgebung anzumelden und uns mit Plakatträgern zu unterstützen: „Wir wissen ja nicht, was ihr draufschreibt.“ Was soll die ständige Klage über zu wenig Eigeninitiative von der Basis, wenn wir nur jubeln dürfen, falls die Gewerkschaft uns ruft?
Und bei der Demonstration am 3. April 2004 hat unsere Gewerkschaftsführung statt eines Kampfaufrufs, etwas zu verändern, die Prinzen Liebeslieder singen lassen. Das ist doch Feigheit vor dem Feind, vor der Regierung und den Bossen.
Wir brauchen eine andere, eine kämpferische, aktive Gewerkschaft, die keine falsche Rücksicht auf die SPD-Spitze nimmt. Der erste Schritt, die Menschen für die Gewerkschaften zurück zu erobern, ist die Wählerinitiative „Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter wählen links“.

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Linksruck Nr. 207, 14. September 2005

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