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Entlassung auf Raten

Weil der Autobauer in der Krise sei, müssten tausende Arbeitsplätze abgebaut werden. Mit dieser Nachricht schockten die Konzernbosse die Belegschaft vor einem Jahr. Um den spontan aufflammenden Widerstand und einen wilden Streik im Bochumer Werk in den Griff zu kriegen, versprachen die Bosse, niemand werde auf der Straße landen.

So genannte Transfergesellschaften würden ehemalige Arbeiter ein Jahr weiterbilden und ihnen einen neuen Arbeitsplatz vermitteln. In Bochum ist nichts davon passiert, und auch im Rüsselsheimer Werk sieht es nicht viel besser aus, sagt ein Insider gegenüber Linksruck.

Bisher hat die BAQ-Transfergesellschaft in Bochum „gerade mal zwei Handvoll Leute vermittelt. Es sind aber 800 ehemalige Opelaner dort. Insgesamt sollen es sogar 2.700 werden. Bisher gibt es nur zwei so genannte Jobscouts, die sich um die Vermittlung kümmern sollen.” Monatelang sei gar nichts passiert, berichtet er. “Die Jobscouts konnten nicht arbeiten, weil das versprochene Schulungsmaterial nicht fertig war. Ist es meines Wissens bis heute nicht. BAQ-Chef Welkoborsky war das zu teuer. Statt ausführlicher Bewerbungsmaterialien für die Kollegen sollten es dann plötzlich nur noch billige Kurzbewerbungen sein. Mit denen kann ein potentieller neuer Arbeitgeber aber nichts anfangen.”

Schilderungen betroffener ehemaliger Arbeiter gegenüber dem Fernsehmagazin monitor bestätigen die Aussagen des Insiders. Ein Kollege, der bei der BAQ ist, erzählt den Reportern: „Die haben uns groß versprochen, die kümmern sich (…) Aber die machen nichts.”
Wenn es überhaupt Weiterbildung gebe, dann höchstens ein 1-wöchiges Seminar “Wie schreibe ich Bewerbungen”, erklärt der Insider.

Im Rüsselsheimer Werk „kümmert” sich die Transfergesellschaft MyPegasus. „Der Vorsitzende des Opel-Betriebsrates Klaus Franz hatte gesagt, MyPegasus hätte eine Vermittlungsquote von 80 Prozent. Aber bis jetzt sind gerade mal 20 bis 25 Prozent der ehemaligen Opelaner vermittelt. Und das Programm von MyPegasus läuft im Dezember aus. Der Rest steht dann auf der Straße.”

Gesamtbetriebsratschef Franz hatte die Vereinbarung mit den Opel-Bossen im Dezember 2004 damit gerechtfertigt, dass die Transfergesellschaften die „weitaus bessere Alternative” zu betriebsbedingten Kündigungen seien. Das ist nicht der Fall.

Zwar sind die Kollegen nicht sofort auf der Straße gelandet. Aber eine Alternative zur Arbeitslosigkeit haben sie nicht. Ein Betroffener aus Bochum schreibt in einer Stellungnahme: „Opel hat sich aus der Affäre gezogen. Es wurden keine Leute entlassen, es gab aber Entlassungen auf Raten, weil wir an die BAQ weitergegeben wurden.”

von Frank Eßers (E-Mail)

Linksruck Nr. 209, 26. Oktober 2005

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