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Interview mit Mellow Mark:

Blut auf den Straßen

In "Weltweit" rappst du unter anderem gegen die "US-amerikanische Armee" und "US-amerikanische Polittricks." Was hat dich dazu gebracht, so einen Song zu schreiben?

"Weltweit" habe ich nach den Protesten gegen den G8-Gipfel in Genua 2001 geschrieben. Damals wurde Carlo Giuliani erschossen. Daher der Refrain "Blut auf den Straßen". Der ist leider immer noch aktuell.

Warum erscheint "Weltweit" erst jetzt?

Der 11. September kam dazwischen. Man konnte öffentlich fast nichts mehr gegen die USA sagen. Uli Wickert verlor fast seinen Job. Auch wir haben keine Auftritte mehr bekommen. Meine damalige Plattenfirma hat mich auf Eis gelegt.

Wie habt ihr darauf reagiert?

Wir haben angefangen, Straßenmusik zu machen. In der Zeit ist auch die Homepage entstanden: www.freedom-of-speech.info. Da haben wir "Weltweit" drauf gestellt – und dazu ein paar Artikel.

Was sagst du, wenn jemand "Weltweit" antiamerikanisch nennt?

"Weltweit" ist ein Song gegen die Arroganz der Bush-Regierung. Die USA beteiligen sich weder am Klimaschutzabkommen von Kyoto, noch am Landminenverbot oder dem internationalen Kriegsverbrechergericht. Trotzdem liebe ich viele Amerikaner und vieles an Amerika.
Aber es ändert nichts, wenn man den Politikern nur sagt: "Hey, ihr macht was falsch." Die ziehen ihre Linie durch, dafür sind sie an der Macht.

Und wie kann man als Künstler Dinge ändern?

Es ist wichtig auszusprechen, was viele Leute denken. Für mich ist ein Grund, Songs zu machen, dass ich Leuten etwas sagen will. Aber erst im Laufe der Jahre, mit der weltweiten Antiglobalisierungsbewegung, wurden meine Aussagen politischer.
Meine Musik ist der Versuch, Gefühlen und Tatsachen Ausdruck zu verleihen, damit die Entwicklung weitergehen kann.

Damit bist ja im Moment nicht allein. George Michael, Tatu und die No Angels haben sich in den letzten Wochen öffentlich gegen den Irakkrieg positioniert.

Ich finde es gut, dass da so eine Welle ist. Auch, dass dadurch die politischen Inhalte in größere Medien kommen – zumindest in Deutschland. In den USA sieht es ja anders aus.
Bei der Grammy-Verleihung waren die Künstler vertraglich verpflichtet, keine Statements abzugeben, keine T-Shirts und keine Plakate zu tragen. Das ist extrem undemokratisch.

Können Künstler diese Welle trotzdem weitertragen?

Kultur kann eine große Rolle spielen. In Berlin sieht man das schon seit Monaten. Nachmittags sind die Demos, wo Flyer verteilt werden für die Konzerte am Abend.
Das passiert automatisch, das ist eine Kultur, die sich unabhängig von irgendwelchen Firmen entwickelt.

Ende April erscheint dein Album "Sturm". Was für Musik können wir erwarten?

Die Zeit der Straßenmusik hat unseren Stil geprägt. Vorher habe ich vor allem HipHop gehört und ich bin auch Reggae-Fan.
Es gibt zum Beispiel den Reggaesong "Dein Wort in Gottes Ohr". Das ist eine Art politische In/Out-Liste. "Mi casa tu casa" (Mein Haus ist dein Haus, die Red.) ist in Barcelona entstanden. Da geht es um arme Leute, die dich trotzdem gerne zu sich einladen.
Und dann sind natürlich "Revolution" und "Weltweit" drauf.

Linksruck Nr. 150, 25. März 2003

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