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Kommentar: Töten erlaubt, Spielen verboten

Die neue Bundesregierung will gewalttätige Computerspiele verbieten. Der Koalitionsvertrag zwischen SPD und CDU fordert unter der Überschrift „Aufwachsen ohne Gewalt“ ein Verbot von so genannten „Killerspielen“. Das sind Spiele, bei denen die Tötung von Mitspielern mit Schusswaffen realistisch simuliert wird, erklärt die CSU-Abgeordnete Maria Eichhorn. Die Behauptung, etwas für die friedliche Entwicklung von Kindern und Jugendlichen zu tun, soll also ein Verbot von Computerspielen rechtfertigen.

Im Zeitalter des Internets und von ebay ist ein solches Verbot kaum umzusetzen. Leicht zugängliche Kopien und die vielen Varianten solcher Spiele machen eine staatliche Kontrolle beinahe unmöglich.

Doch selbst wenn ein Verbot durchzusetzen wäre, würde das nichts nützen. Gewalttätige Spiele und Phantasien sind keine reale Gewalt, sie führen kaum zu entsprechenden Taten.

Auch ein behütetes Kinderleben ist voller Gewaltdarstellungen: Im Kinderbuch „Struwwelpeter“ zwackt der Schneider dem Daumen lutschenden Konrad beide Daumen mit einer Schere ab. In Grimms Märchen „Die Gänsemagd“ wird eine falsche Braut nackt ausgezogen und in ein Fass gesteckt, das innen mit spitzen Nägeln beschlagen ist.

Die Religionsgemeinschaft der Bundeskanzlerin verbreitet massenhaft dreidimensionale Darstellungen eines Mannes, der lebendig an ein Kreuz genagelt wurde. Sie betreibt einen regelrechten Kult um diese Folterszene, ohne Rücksicht auf die Psyche von Schulkindern zu nehmen.

Auch die Fernsehnachrichten zeigen uns täglich Leichen. An Gewaltdarstellungen ist also kein Mangel.

Die CDU-Abgeordnete Maria Böhmer klagt: „Warum muss es denn gerade diese Art der Gewaltdarstellung sein, wo ich den Gegner zerstören muss, wo Kampf die Losung ist und sonst kein anderes Konfliktlösungsmittel?“

Natürlich wäre es besser, wenn sich etwa George W. Bush und Osama bin Laden zusammensetzen würden, um ihre Probleme auszudiskutieren. Leider hören die beiden Männer nicht auf solche Vorschläge.

Anstatt vergeblich zu versuchen, spielerische Aggressionen zu unterdrücken, wäre es wirksamer, den Umgang mit Aggressionen zu üben. Warum ist die Bundeswehr erlaubt, in der 18-jährige die Tötung von Mitspielern mit Schusswaffen realistisch simulieren? Keine fremde Armee bedroht Deutschland.

Doch während die Bundesregierung „Killerspiele“ verbieten will, zeigt sie sich gegenüber echten Killern großzügiger: Die genehmigten Waffenexporte stiegen während der rot-grünen Regierungszeit von 2,9 auf 4,9 Milliarden Euro. Deutschland ist weltweit viertgrößter Rüstungsexporteur.

Laut amnesty international stirbt jede Minute ein Mensch an bewaffneter Gewalt. Das ist kein Spiel, die sind wirklich tot und verstümmelt. Die Kinder der Welt wären dankbar, wenn sie „ohne Gewalt aufwachsen“ dürften, zumindest ohne deutsche Gewehre, Munition und Panzer. Frau Eichhorn, Frau Böhmer, wo bleibt Ihr Einsatz?

Linksruck Nr. 212, 7. Dezember 2005

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