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Abrechnung - Der Linksruck-Wirtschaftsweise:

Es gibt keine „Überalterung“

Der Grund für die „Rentenreformen“ ist nicht die angebliche Überalterung der Gesellschaft. Die gibt es nicht.

Unternehmer und Politiker fordern ein höheres Rentenalter und private Vorsorge der Arbeiter, weil es für die Bosse immer schwieriger wird, im internationalen Konkurrenzkampf zu bestehen. Denn der hat sich enorm verschärft. Es wird immer schwieriger, genügend Profit zu machen, um in der Schlacht um die Märkte zu bestehen.

Deshalb erhöhen Unternehmen ihre Gewinne zunehmend auf Kosten der Arbeiter: durch Lohnsenkungen, längere Arbeitszeiten oder Vernichtung von Stellen. Die Regierung kürzt gleichzeitig bei Renten, Gesundheit, oder Arbeitslosengeld, um Unternehmenssteuern senken zu können.

Um die Absenkung und Privatisierung der Renten besser verkaufen zu können, behaupten Politiker und Bosse, die „demografische Entwicklung“ mache das notwendig. Der Sozialstaat sei sonst nicht mehr finanzierbar. Das Arbeitsministerium von Franz Müntefering behauptet über die staatliche Rente: „Finanzierungsprobleme resultieren sowohl aus der steigenden Lebenserwartung und dem gleichzeitig ungünstiger werdenden zahlenmäßigen Verhältnis zwischen Beitragszahlern und Rentnern.“

Der angebliche Beweis sei die Bevölkerungsstatistik: Auf 100 Erwerbsfähige (20 bis 60 Jahre) kommen derzeit 44 Ältere. 2050 seien es 78 Ältere. Deshalb seien Renten in der heutigen Höhe nicht bezahlbar.

Doch die Regierung verschweigt, dass zwei andere Entwicklungen die Zunahme der Rentner mehr als ausgleichen.

Erstens steigt die Arbeitsproduktivität. Mit der gleichen Anzahl an Arbeitskräften kann durch technischen Fortschritt immer mehr hergestellt werden. Experten gehen bis 2050 von einer Produktivitätssteigerung von 80 bis 140 Prozent aus.

Der Statistiker Professor Dr. Gerd Bosbach, der einige Jahre für das Statistische Bundesamt arbeitete, erklärte: „Wenn ich mir die Entwicklung der letzten hundert Jahre angucke, dort haben wir schon eine viel stärkere Alterung schon erlebt (…) bei einem gleichzeitigen hervorragenden Ausbau der Sozialsysteme. Wenn man Sozialsysteme aus dem Jahr 1900 mit denen aus dem Jahr 2000 vergleicht, haben wir trotz der Alterung eine ganze, ganze Menge mehr für die Menschen tun können. Und dafür gibt es auch einen Grund: Die Produktivität ist in den letzten hundert Jahren gestiegen“.

Gerd Bosbach fragt mit Recht: „Will man die Löhne und Gehälter der Arbeitnehmer langfristig von der Teilhabe am Produktivitätsfortschritt abkoppeln? Dann wären die Arbeitnehmer tatsächlich nicht so leicht in der Lage, die Versorgung der Älteren zu übernehmen.“

Das wäre eine „bewusste politische Entscheidung hinsichtlich der Verteilung des gesellschaftlichen Reichtums.“ Die Erhöhung des Rentenalters ist Teil der Umverteilung von unten nach oben.

Außerdem sagt die Regierung nicht, dass nicht nur Rentner von den Erwerbstätigen versorgt werden müssen, sondern auch Kinder und Jugendliche. 1970 kamen auf 100 Erwerbsfähige 100 jüngere und ältere Menschen. Heute sind es nur 82 abhängige Personen auf 100 Erwerbsfähige. Das wird sich laut Prognosen bis 2030 nicht ändern.

Erst dann steigt die Zahl der abhängigen Personen bis 2050 an. Dann kommen auf 100 Erwerbsfähige 112 zu versorgende Menschen.

Ab 2050 sinkt die Zahl der Rentner wieder, weil die geburtenstarken Jahrgänge der heute 30- bis 40-jährigen dann überwiegend verstorben sind. Doch Bosse und Politiker benutzen für ihre Kürzungs-Propaganda nur den Zeitraum, in dem es besonders viele Rentner gibt.

Außerdem führt die steigende Arbeitslosigkeit zu einem Einnahmen-Einbruch bei den Sozialversicherungen. Das Problem sind nicht die Rentner, sondern die Bosse und ihr Personalabbau.

Linksruck Nr. 214, 8. Februar 2006

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