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Die Mauer muss weg

Palästinenser protestieren mit Ausländern gemeinsam gegen die Mauer, mit der Israel die Palästinenser im Westjordanland einsperrt

Dein neues Buch heißt „Die Mythen des Zionismus“. Was ist Zionismus?

Der Anspruch von Juden, sich in Palästina anzusiedeln, ohne die Rechte der Einheimischen zu berücksichtigen. Zionismus privilegiert Juden auf Kosten von Muslimen.
Das ist institutionalisierter Rassismus, ähnlich wie früher während der Apartheid in Südafrika. Die Mauer zwischen Israel und dem besetzten Westjordanland ist der deutlichste Beweis dafür.
Aber auch israelische Palästinenser haben nur sehr wenige Rechte. Und die etwa 5 Millionen Palästinenser in Flüchtlingslagern und die ausgewanderten Palästinenser haben gar keine Rechte in ihrer Heimat.
Die Europäer und Amerikaner müssen Israel und Palästina besser verstehen. Ich habe das Buch geschrieben, damit die Linken die Palästinenser unterstützen und mit dem Zionismus brechen.

Laut deutscher Regierung haben wir eine besondere Verantwortung für Israel.

Es ist ein Problem, wenn aus dem Schuldgefühl wegen der deutschen Geschichte Unterstützung für den Staat Israel wird. Die beste Lehre aus dem Holocaust ist, die jüdische Gemeinde in Deutschland zu begrüßen und alles dafür zu tun, um sie zu schützen.
Es gibt auf der ganzen Welt jüdische Organisationen, die Palästinenser uneingeschränkt unterstützen. In Deutschland etwa die „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“. Die fortschrittlichste Bewegung in Israel sind die Refusniks. Sie verweigern den Wehrdienst, weil sie nicht in den Besetzten Gebieten kämpfen wollen.
Sie gehen nicht so weit, die zionistische Ideologie abzulehnen. Doch ihre Aktionen haben wichtige Diskussionen ermöglicht.

Ist der Wahlsieg des neuen israelischen Ministerpräsidenten Olmert ein Schritt zum Frieden? Er versprach die Auflösung einiger israelischer Siedlungen in den besetzten palästinensischen Gebieten

Auch sein Vorgänger Scharon hat einige Siedlungen aufgelöst, aber gleichzeitig die Mauer um die besetzten Gebiete gebaut. Ein ernsthaftes Friedensangebot würde mindestens bedeuten, die Mauer abzureißen, die Teilung Jerusalems aufzuheben und die palästinensischen Flüchtlinge zurückkehren zu lassen. Nichts davon steht in Olmerts Programm.
Die israelische Regierung behauptet, dass sie nicht mehr mit der palästinensischen „Autonomiebehörde“ verhandeln könne, weil sie von der Hamas gestellt wird. Das zeigt, dass die israelische Regierung Demokratie verachtet.
Die Mehrheit der Palästinenser hat Hamas gewählt. Und Hamas macht konkrete Angebote, hält bereits seit einem Jahr einen Waffenstillstand ein und bietet dies auf Dauer an.

Die EU hat die Zahlungen an die „Autonomiebehörde“ eingestellt. Welche Folgen hat das?

Die „Autonomiebehörde“ kann nur durch Geld von anderen Staaten existieren, weil Israel die palästinensische Wirtschaft erdrosselt. Durch das Ende der Zahlungen könnte vollständiges Chaos ausbrechen. Die USA und die EU lassen die Palästinenser leiden, indem sie die Unterstützung verweigern.
Sie nutzen das, um Spannungen zwischen der vorherigen Regierungspartei Fatah und der Hamas zu erzeugen. Doch eine der großen Errungenschaften der palästinischen Bewegung ist ein unglaublich starker Gemeinschaftssinn.
Hamas bemüht sich sehr um eine Öffnung. Sie hat die linke PFLP zur Zusammenarbeit eingeladen und sie versucht, die PLO, den Dachverband der palästinensischen Bewegungen, über religiöse Grenzen hinweg aufzubauen. Das ist wichtig für die Palästinenser auf der ganzen Welt, die eine vereinte Antwort auf die israelische Aggression wollen.

Auf der Kairo-Konferenz gegen Krieg und neoliberale Globalisierung betonten die Delegierten der Hamas, dass ihr Ziel ein Staat sei, in dem Muslime und Juden gemeinsam leben können.

Der jüdische Sozialist Edward Said hat richtig gesagt: Wenn du die Rechte jedes Einzelnen schützt, ist dies der erste Schritt auf dem Weg zum Frieden.
Das heißt, dass wir für die besetzten Gebiete eine Lösung brauchen und auch für das geteilte Jerusalem und die Flüchtlinge. Das wird nur in einem gemeinsamen, demokratischen, nichtreligiösen Staat möglich sein mit gleichen religiösen und politischen Rechten für Juden und Araber. Hamas diskutiert ernsthaft, wie Juden und Muslime Seite an Seite leben können und viele erinnern daran, dass Araber und Juden in der gesamten Region jahrzehntelang friedlich zusammengelebt haben.

Aber viele sehen die Hamas als Terror-Organisation…

Der politische Islam wird vereinfacht dargestellt. Sein Aufstieg im Nahen Osten fand in einem Vakuum statt, das durch das Scheitern des arabischen Nationalismus und des prosowjetischen Kommunismus entstand. Islamistische Organisationen sprachen sich danach als einzige für nationale Befreiung aus.
Gleichzeitig diskutieren sie intensiv über den weiteren Weg. Das erleben wir in Iran nach 25 Jahren Islamischer Republik, bei Hamas und in der Muslimischen Bruderschaft in Ägypten.
Da gibt es die Traditionalisten, die beginnen, Verbündete außerhalb der eigenen Reihen zu suchen. Dann gibt es die stärker werdende Frauenbewegung.
In Iran haben sich muslimische und nichtreligiöse Frauenrechtlerinnen zusammengeschlossen, um mehr Gleichberechtigung zu fordern. Auch über die Auslegung der Religion wird heftig debattiert, in Palästina, Iran und Ägypten.

Wird die Hamas Frauen stärker unterdrücken?

Wer das glaubt, übersieht, was in der Hamas diskutiert wird. Die Frauen empfinden sich den Männern gegenüber als ebenbürtig. Weibliche Hamas-Mitglieder fordern Rechte in ihren Gruppen. Diese Auseinandersetzungen sind Teil einer größeren Debatte über die Zukunft der gesamten Bewegung.

John Rose lebt in Großbritannien. Er ist Jude und Sozialist. Sein Buch „Mythen des Zionismus: Stolpersteine auf dem Weg zum Frieden“ erscheint im Mai. Er wird sein Buch vom 27. Mai bis 2. Juni in Deutschland und in der Schweiz vorstellen. Weitere Infos auf der Internetseite: www.rotpunktverlag.ch.

Am 27. Mai wird Rose auf den Rosa-Luxemburg-Tagen (siehe Rückseite) zusammen mit Fanny-Michaela Reisin von „Jüdische Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost“ und Nabil Rachid von „Palästinensische Gesellschaft für Menschenrechte“ bei der Veranstaltung „Verhindert die Hamas den Frieden?“ sprechen. Weitere Infos auf der Internetseite: www.rosa-luxemburg-tage.de.

Linksruck Nr. 218, 27. April 2006

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