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Französisch lernen an der Uni

In der Cafeteria der Frankfurter Goethe-Uni haben Studenten ein Widerstandscafé eingerichtet. Mut macht ihnen der Erfolg der Studenten in Frankreich. Mit Streiks und Massenprotesten hatten sie die Aufweichung des Kündigungsschutzes verhindert

Ich studiere an der Goethe-Uni Frankfurt am Main im dritten Semester. Die von der hessischen Landesregierung geplanten Studiengebühren werden mich hart treffen. Zum einen, weil die Landesregierung eine Gebühr für alle Studierenden von 500 Euro einführt. Zum anderen, weil ausländische Studierende, die nicht aus EU-Ländern kommen, 1500 Euro gleich zu Beginn des Studiums, beziehungsweise zur Einführung des Wintersemesters 2007, bezahlen müssen.

Ich bin hier geboren, aber in der Türkei aufgewachsen. Meine Eltern leben und arbeiten seit 1970 hier in Deutschland. Falls das Gesetz eingeführt wird, muss ich mein Studium hier abbrechen und zurück in die Türkei. Ich kann mir nicht einmal sicher sein, dass ich mein Studium in der Türkei fortsetzen kann, da jede Uni in der Türkei pro Jahr nur einen Studenten ohne Abschluss aus dem Ausland aufnimmt. Ich bin kein Einzelfall. Es gibt noch viele weitere ausländische Studierende, die von dieser rassistischen Regelung betroffen sind.

Seit zwei Wochen demonstrieren wir in Frankfurt gegen Studiengebühren – mit bis zu 6000 Studierenden. Am 17. Mai haben 400 Studierende an einer Senatssitzung teilgenommen, in der dieser aufgefordert wurde, einer Resolution der Studierenden zuzustimmen. In dieser Resolution lehnen wir Studiengebühren ab. Die meisten Senatoren waren für uns, aber der Präsident Steinberg, ein SPD-Mitglied, hat die Abstimmung vertagt. Daraufhin haben sich die vierhundert den 5000 Studierenden angeschlossen, die eine Autobahn blockierten. Die Studierenden der Fachhochschule haben ebenfalls große Kreuzungen besetzt. Im Laufe des Tages war die gesamte Innenstadt blockiert, so dass der hessische Rundfunk unter dem Motto „Studierendenproteste: Frankfurt steht Kopf“ die Autofahrer warnte.

Die Hochschulgruppe „Die Linke.WASG“ hat bei der ersten Demo ein Transparent mit der Parole „Französische Verhältnisse statt amerikanische Zustände“ aufgehängt. An diesem Tag redete auch eine Stadtparlamentsabgeordnete der Linke.WASG vor der Studierendenvollversammlung. Sie war dort die einzige Vertreterin einer Partei. Ihre Fraktion hat einen Antrag im Stadtparlament eingebracht, der fordert, dass sich die Stadt an die Landesregierung wendet, um die Studiengebühren zu verhindern. In der Hochschulgruppe haben wir ein Flugblatt geschrieben, das wir in der Stadt und auf der Demo verteilt haben.

Wir kämpfen dafür, dass die Proteste breiten Widerhall in der Stadt finden. Deshalb werden wir auch einzelne Stadtteilgruppen der Partei aufsuchen und sie bitten, uns zu unterstützen.

Die Studierenden sind entschlossen, weiter zu machen und die Proteste zu verbreitern.

Ferit Kiran, Hochschulgruppe „Die Linke.WASG“ Frankfurt am Main

Linksruck Nr. 219, 24. Mai 2006

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