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Interview mit Jürgen Rose:

"Mit gefangen, mit gehangen"

Haben Sie von anderen Soldaten mehr Zustimmung oder mehr Ablehnung erfahren?

Ich habe in wenigen Tagen über 100 Zuschriften erhalten, viele von aktiven Soldaten aus meiner Generation. Ich bin 1977 zur Bundeswehr gekommen, im Kalten Krieg, als die Bundeswehr noch eine Verteidigungsarmee sein sollte.
Viele aus dieser Generation haben Bedenken wegen des Umbaus der Bundeswehr zur Interventionsarmee, welche die ökonomische Globalisierung militärisch absichern soll. Die Stimmung ist: Endlich mal jemand, der was dagegen sagt. Nur 5 Zuschriften waren negativ.

Da eine Mehrheit in Deutschland den Einsatz nicht will, behaupten manche, dass die Afghanen die Bundeswehr zu ihrem Schutz haben wollen.

Offiziell ist nur einer dafür: Präsident Karsai. Karsai ist Paschtune, aber seine Leibwache besteht nicht aus Paschtunen, sondern aus US-Söldnern. Er traut seinen eigenen Leuten nicht. Das sagt schon alles über die Stimmung.
Die Afghanen dulden auf Dauer keine Besatzer, das zeigt ein Blick in die Geschichte. Sie haben erst die Briten und dann die Sowjets vertrieben.
Nach dem Sturz der Taliban gab es in der Tat Hoffnungen. Davon zehren heute noch Teile der ISAF-Truppen. Aber die Stimmung wird immer schlechter. Es gibt mehr Anschläge, auch auf die Bundeswehr. Die versteckt sich jetzt in Schützenpanzern. Im Süden tobt bereits ein barbarischer Kolonialkrieg wie im 19. Jahrhundert.

Sie bezweifeln den militärischen Sinn des Tornado-Einsatzes. Warum sollte die Bundesregierung einen militärisch sinnlosen Einsatz wollen?

Schröder hat 2001 erklärt, wir sind alle Amerikaner. Und jetzt heißt es: Mit gefangen, mit gehangen. Ein Rückzug wäre ein Affront gegenüber der NATO, die 2007 zum Entscheidungsjahr erklärt hat. Es geht um die Macht des Militärbündnisses. Dabei sind die Tornados das Ersatzprogramm, denn die NATO wollte Bodentruppen. Doch das war Merkel wohl zu heiß.
Es gibt auch einen Nebeneffekt: An Afghanistans Westen grenzt der Iran. Für den Fall, dass die USA den Iran angreifen, kann man damit rechnen, dass iranische Truppen und Waffen in den Norden zurückgezogen werden, in die Reichweite der Tornados.
Man stelle sich vor: Merkel erklärt vor dem Bundestag, die NATO-Verbündeten befänden sich in einem Krieg gegen den Iran, der außerdem das Existenzrecht Israels bedrohe. Schon steckt Deutschland drin in diesem Krieg.

Hat sich die Bundeswehr durch die Kriegseinsätze wie in Jugoslawien oder Afghanistan verändert?

Im Kern mutiert die Bundeswehr von einer Armee, für die der Frieden der Normalfall war, zu einer Armee, für die der weltweite Einsatz der Normalfall wird. Dazu gehört zum Beispiel, dass die Bundeswehr nur noch ein Zehntel der schweren Panzer besitzt, aber immer mehr leichter gepanzerte Verbände, Satellitenaufklärung und mobile Hauptquartiere.
In diesem Zusammenhang dient der Tornado-Einsatz auch als Übung. Wenn man schnell 6 Aufklärungsflugzeuge beliebig verlegen kann, kann man auch schnell 12 Jagdbomber beliebig verlegen.

Das Interview führte Jan Maas

Linksruck Nr. 228, April 2007

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