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Afghanistan im Chaos

Standpunkt: Struck will noch mehr Soldaten in den Tod schicken

Vier deutsche Soldaten sind letzte Woche in Afghanistan getötet worden. Den Angehörigen und Freunden erklärte Verteidigungsminister Peter Struck, die jungen Männer seien von einem "unerbittlichen Schicksalsschlag getroffen worden". Doch nichts ist schicksalhaft an ihrem Tod. Die Bundeswehrsoldaten in Afghanistan schützen ein Regime, das nicht demokratisch gewählt ist. Die Afghanen leben weiter im Elend. Frauen werden weiterhin unterdrückt. Kinder sterben noch immer an Hunger und heilbaren Krankheiten. Trotz ständiger Kampfeinsätze der USA im Landesinnern herrscht weder dort noch in der Hauptstadt Kabul Sicherheit. Deutsche Soldaten sind Teil der Besatzungsmacht. Deshalb geraten sie ins Fadenkreuz der aufgebrachten Bevölkerung. Doch anstatt die Soldaten aus Afghanistan abzuziehen, möchte die Bundesregierung den Afghanistaneinsatz sogar verlängern und ausweiten. "Das sind wir den getöteten Soldaten schuldig", sagte Struck. Die Regierung spricht von Schicksal. Sie ist jedoch selbst für den Tod der vier jungen Männer verantwortlich. Es ist nur eine Frage der Zeit, wann die nächsten Soldaten im Zinnsarg nach Hause kommen.
Anderthalb Jahre nachdem der Westen die Regierung Hamid Karzais eingesetzt hat, kann diese keine Erfolge vorweisen. Noch immer können nur 5 Prozent der Menschen auf dem Land sauberes Wasser trinken. Gerade mal 17 Prozent können zu einem Arzt gehen und nur 13 Prozent eine Schule besuchen. Einem Sechstel der Bevölkerung fehlte es im letzten Winter an Essen, Kleidung und Decken. Im ganzen Land gibt es nur 7 000 ausgebildete Ärzte. Jedes vierte Kind erlebt seinen sechsten Geburtstag nicht.
Die Befreiung der afghanischen Frauen ist Propaganda. "Die Regierung behauptet, sie unterstütze die Frauen. In der Realität hat sie überhaupt nichts getan", sagt die Chefredakteurin der afghanischen Zeitschrift "Frauenspiegel". Im November 2002 entließ der Oberste Gerichtshof die Richterin Marzeya Basil, weil sie während eines Treffens mit US-Präsident Bush und seiner Frau keinen Schleier getragen hatte.
Die USA und ihre Verbündeten haben das Land noch tiefer ins Elend gestürzt. Von der versprochenen finanziellen Hilfe wurde bisher fast nichts überwiesen. 4,5 Milliarden US-Dollar Aufbauhilfe hatten 61 Länder den Afghanen versprochen. 890 Millionen sind angekommen. Gleichzeitig führte die US-Regierung für 63 Milliarden Dollar Krieg gegen den Irak.

von Monika Krala (E-Mail)

Linksruck Nr. 156, 17. Juni 2003

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