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Kongo Vom Westen ausgebeutet

Standpunkt: Bundeswehr hilft nicht

Frankreich und Deutschland schicken Soldaten nach Zentralafrika unter UN-Flagge. "Wir müssen dem Eindruck entgegenwirken, Afrika sei ein vergessener Kontinent", behauptet die Staatsministerin im Auswärtigen Amt Müller. Das ist Heuchelei und kommt auch im Kongo nicht gut an: "Die Welt hat uns vergessen und lässt uns sterben. Aber wenn wir sehen, was sie uns in der Vergangenheit angetan hat, fürchten wir uns fast davor, dass sie sich an uns erinnert." Das schrieb im letzten Jahr ein Bündnis aus Gewerkschaften, religiösen Gemeinschaften und Frauengruppen. Warum? Die mächtigsten Staaten in der UNO vertreten zugleich die Wirtschaftsordnung, die für das Elend verantwortlich ist. Wenn die deutsche Regierung helfen wollte auf dem diesjährigen G8-Gipfel hätte sie Gelegenheit gehabt. Aber in Evian weigerten sich die G8, den afrikanischen Staaten die Schulden zu erlassen. Sie weigerten sich auch, die Pharmakonzerne unter Druck zu setzen. Das Elend geht weiter. Es gibt keine zwei verschiedenen G8: die brutalen G8 in Evian und die friedlichen G8 mit den blauen UN-Helmen. Widerstand gegen die G8 bedeutet heute, sich gegen den Einsatz der UN-Truppen zu wenden. Der deutschen Regierung geht es nur darum, die Öffentlichkeit Schritt für Schritt an deutsche Soldaten im Ausland zu gewöhnen.

Standpunkt: Afrika von unten

In vielen Teilen Afrikas kämpfen Menschen um ihre Rechte. Diese Kämpfe sind der Keim der Freiheit Afrikas. In Zimbabwe bekämpften die Arbeiter die korrupte Regierung Mugabes vor kurzem mit einem Generalstreik. Die westlichen Regierungen dagegen standen immer hinter Mugabe, wenn er die Sparprogramme durchsetzte, die der Internationale Währungsfonds (IWF) diktierte. In Südafrika wurde den Menschen nach dem Ende der Apartheid das Blaue vom Himmel versprochen. Aber mit dem Ende des Regimes kam nicht das Ende der Armut. Wie Mugabe peitscht der regierende afrikanische Nationalkongress die IWF-Programme durch. Auch in Südafrika kämpfen Gewerkschaften und soziale Bewegungen um die Rechte der Menschen. Diese sozialen Kämpfe sind die Hoffnung Afrikas, nicht die UN-Truppen.
Kongo: ein Land, so groß wie Westeuropa. Hier tobt seit 1997 der blutigste Krieg nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Drei Millionen Menschen sind ermordet worden, viele auf der Flucht.
Ihr Leid wirft ein Schlaglicht auf die Lage in ganz Afrika. Kriege toben in Sierra Leone, Liberia und dem Sudan. Im Süden Afrikas sind 20 Millionen Menschen vom Hungertod bedroht. 25 Millionen Menschen haben AIDS.
Scheinbar war diese Katastrophe ein Grund für die Industriestaaten, den Afrikanern zu helfen. Der französische Präsident Chirac stellte den diesjährigen G8-Gipfel in Evian unter das Motto "Solidarität mit Afrika".
Aber die Solidarität blieb ein leeres Wort. Auch nach dem Gipfel sind die afrikanischen Staaten bei den Industrienationen hoch verschuldet. Die AIDS-Kranken können nicht auf Heilung hoffen, denn die acht mächtigsten Industriestaaten wollen ihre Pharmakonzerne nicht zwingen, ihre Patente freizugeben.
Die Weltordnung der G8 verdammt Millionen Afrikaner zu Hunger und Tod.
Auch die Menschen im Kongo zählen für die mächtigsten Männer der Welt wenig. Sie würden sich nicht um den Kongo kümmern, wenn das Land nicht reich an Rohstoffen wäre. Die UNO erklärte vor kurzem, das Ziel des blutigen Kriegs sei die Kontrolle und die Ausbeutung von fünf Rohstoffen: Diamanten, Gold, Kupfer, Kobalt und Coltan.
Kobalt wird gebraucht, um Düsentriebwerke herzustellen. Die USA sind der größte Flugzeughersteller der Welt, haben aber keine eigenen Kobalt-Vorkommen. Die Minen im Kongo versorgten in den 80er Jahren die Hälfte des Weltmarkts.
Coltan spielt eine wichtige Rolle in der Mikroelektronik. Es wird weltweit an drei Orten gefördert. Aus Coltan wird Tantal hergestellt, das in Handys und Computern steckt. Auch Rüstungs- und Raumfahrtindustrie kommen ohne Tantal nicht aus. Das US Verteidigungsministerium sieht Coltan daher als "strategischen Rohstoff".
Den Kampf um die Rohstoffe führen die Nachbarstaaten des Kongo. Sie sind zum Teil mit eigenen Armeen im Land und unterstützen verschiedene Milizen. Hinter den lokalen Herrschern stehen multinationale Konzerne. Sie wollen Sicherheit für ihre Minen, kaufen Rohstoffe und liefern Waffen.
Gleichzeitig kämpfen die Großmächte Frankreich und USA um Einfluss in der Region.
Ihr Kampf begann 1994. Frankreich unterstützte die Hutu-Regierung in Kongos Nachbarland Ruanda auch noch, als diese einen Aufstand der unterdrückten Tutsi blutig niederschlug. Als Tutsi-Rebellen danach die Macht in Ruanda ergriffen, unterstützten die USA die neue Regierung.
Die Massenmörder und viele andere Hutu flohen in den Osten des Kongo, wo ihnen der Diktator Mobutu Zuflucht gewährte. 1997 lieferten Ruanda und Uganda Waffen für den Putsch des Offiziers Laurent Kabila gegen Mobutu. Während Frankreich hinter Mobutu stand, begrüßten die USA den Putsch.
Viele Kongolesen hofften, Kabila würde die Diktatur beseitigen. Ihre Hoffnungen erfüllten sich nicht. Kabila setzte Vertraute auf Schlüsselposten und machte weiter, wo Mobutu aufgehört hatte.
Ruanda und Uganda ließen Kabila 1998 fallen. Sie bauten eigene Milizen im Kongo auf. Angola, Namibia und Zimbabwe halfen der Zentralregierung, die seit einem Attentat 2001 auf Kabila von seinem Sohn Joseph geführt wurde.
Die Regierungen in Frankreich und den USA haben in den letzten fünf Jahren wechselnde Staaten und Milizen unterstützt, um Einfluss zu gewinnen und den Konzernen den Zugriff auf die Rohstoffe zu sichern.
Die Milizen, die sie unterstützen, rekrutieren ihren Nachwuchs aus verfeindeten Bevölkerungsgruppen. Die Feindschaften gehen auf die Spaltungen zurück, die zur Zeit der belgischen Kolonialherrschaft entstanden sind.
So gießen die Industriestaaten weiter Öl in das Feuer, das sie mit Beginn der Kolonialzeit entfacht haben.



Stichwort Mobutu:


Der Diktator Mobutu herrschte von 1965 bis 1997. Mobutu kommt in einem Putsch an die Macht, den die US-Regierung unterstützt. Sie will verhindern, dass die Sowjetunion ihren Einfluss in Afrika ausdehnt.
Über die blutige und korrupte Diktatur Mobutus sehen die Westmächte hinweg. Mehrfach helfen französische, belgische und US-Truppen Mobutu, die Opposition zu bekämpfen.
Der Diktator ist ihnen lieber als der 1960 gewählte Präsident Lumumba, der Unabhängigkeit vom Westen fordert. Die alten belgischen Herrscher und die multinationalen Konzerne schockiert das. Sie wollen weiterhin die Reichtümer des Landes ausbeuten können.
Die Regierungen Belgiens, der USA und Großbritanniens erklären Lumumba für "illegal". Unter ihrem Druck verweigert die UN-Generalversammlung Lumumbas Regierung die Anerkennung. UN-Truppen sehen zu, wie er gefangen genommen wird. 1961 ermorden belgische Agenten Lumumba.
Nach dem Ende des Kalten Krieges ist die Gefahr gebannt, afrikanische Staaten könnten unter die Kontrolle des Ostblocks geraten. Es gibt keinen Grund mehr Mobutu gegen den Putsch 1997 zu schützen.


Stichwort Kolonialherrschaft:


Ende des 19. Jahrhunderts beginnt der Wettlauf um Afrika. Die ersten Industrienationen besetzen Ländereien in Afrika und Asien. Sie wollen Rohstoffquellen und Absatzmärkte. Willkürlich ziehen sie Grenzen und trennen Menschen voneinander.
Der belgische König Leopold II. will die rohstoffreiche Region um den Fluss Kongo und benennt das geraubte Land nach ihm. Ein Kongolese schreibt: "Wenn wir nicht genug Kautschuk brachten, stellten die weißen Männer einige von uns in Reihen auf, einen hinter den anderen, und schossen durch all unsere Körper."
Die Afrikaner nehmen Diebstahl und Ausbeutung nicht hin. In vielen Kolonien gibt es immer wieder Aufstände.
Im Kongo bezahlen die belgischen Kolonialherren afrikanische Soldaten, um den Widerstand zu bekämpfen. Um zu zeigen, dass sie ihre Kugeln nicht verschwenden, müssen sie die Hände vorzeigen, die sie den Opfern abschlagen ob tot oder lebendig.
So bringen die Kolonialherren verschiedene Bevölkerungsgruppen gegeneinander auf. Die Feindschaft wird zeitweise überwunden. Nach einer Reihe von Aufständen siegt 1960 die Befreiungsbewegung. Die belgische Kolonialherrschaft ist damit beendet, nicht aber die Unterdrückung.

von Jan Maas (E-Mail)

Linksruck Nr. 156, 17. Juni 2003

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