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Interviews nach dem Streik der Ostmetaller

"Alle waren dafür"



Angela Altmann von der Telekommunikationsfirma DeTeWe in Berlin über die Kampagne gegen die IG Metall.

Die Medien haben behauptet, der Metallerstreik gefährde Arbeitsplätze und mache den Osten kaputt…

Wenn hier einer die Arbeitsplätze gefährdet, dann sind das die Unternehmer. Die entlassen doch schon seit Jahren und verlagern die Produktion ins Ausland. Dagegen haben wir doch auch gestreikt. Nach 13 Jahren muss doch endlich einmal Gleichberechtigung herrschen zwischen West- und Ostdeutschland. Die 35-Stunden-Woche hat im Westen Arbeitsplätze gesichert. Das würde sie auch im Osten tun.

Waren die Kollegen bei Dir im Betrieb für oder gegen den Streik?

Alle waren dafür. Kollegen aus anderen Betrieben sind auch solidarisch gewesen und haben sich an unserem Streik beteiligt. Da waren Kollegen zum Beispiel von der IG BAU und vom nahegelegenen Straßenbahnhof. Die einzigen, die den Streik gebrochen haben, waren Leiharbeiter von Fremdfirmen. Aber mit denen konnte die Chefin die Arbeit nicht aufrechterhalten.



"Die Streikfront stand"



Die Ostmetaller wurden in ihrem Kampf auch von anderen Gewerkschaften unterstützt. Erzählt Carsten Voite, Maler und Lackierer und IG BAU-Mitglied

Carsten, die IG BAU hat Solidarität mit dem Metallerstreik organisiert. War diese Solidarität nur ein Einzelbeispiel? In den Medien wurde viel darüber berichtet, dass auch Gewerkschafter mit dem Streik nicht einverstanden sind…
Natürlich gibt es kritische Stimmen, aber die Presse hetzt gegen uns und berichtet einseitig gegen den Streik. Nur ein Beispiel: Ein Kollege von der IG Metall, der in einem Westbetrieb arbeitet, hat mir berichtet, dass es unter den Kollegen eine Umfrage bezüglich des Streiks gegeben hat. 100 waren für den Streik und nur eine Handvoll dagegen. Die Presse lässt aber nur die handvoll zu Wort kommen.

Ist der Streik bei DeTeWe gut gelaufen oder bröckelte die Streikfront?
Die Streikfront unter den Kollegen stand. Aber es gab auch Probleme. Bei DeTeWe arbeiten auch viele Leiharbeiter. Die sind am ersten Tag zur Arbeit gegangen. Am zweiten Tag stand dann unsere Streikkette. Wir haben mit den Leiharbeitern über die Notwendigkeit des Streiks diskutiert. Wir haben sie auch über ihre Rechte aufgeklärt. Obwohl sie natürlich Angst um ihren Job hatten, haben sich daraufhin viele solidarisch mit uns erklärt. Aber die Bosse haben dann per Gerichtsurteil durchgesetzt, dass für Streikbrecher eine 3 Meter breite Gasse freigehalten werden musste. Bei den Passanten war die Stimmung sowohl für als auch gegen den Streik. Wir haben mit ihnen geredet und versucht, sie zu überzeugen.

Am 27. Juni haben sich die Gewerkschaftsführer mit Schröder getroffen und gesagt, dass der Widerstand gegen die Agenda 2010 ein Fehler war. Knickt die Gewerkschaftsführung jetzt ein statt gegen Sozialabbau zu protestieren?
Zu uns sagt die Gewerkschaftsführung, wir sollen bezüglich der Agenda 2010 stillhalten. Das hieße aber, den Sozialabbau Schröders zu akzeptieren. Meine Kollegen sind aber der Meinung, dass man jetzt richtig Druck machen muss. Wir warten auf keinen Fall auf die Gewerkschaftsführung. Wir organisieren uns gerade von unten und haben unter uns Kollegen Telefonnummern all derer ausgetauscht, die etwas gegen die Agenda machen wollen. Wenn es Aktionen gibt, sind wir dabei.

Linksruck Nr. 157, 1. Juli 2003

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