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Interview: Die Iraker hassen die Besatzer

Jakarta-Erklärung

"Wir verlangen den sofortigen Rückzug aller ausländischen Truppen aus dem Irak, und dass dem irakischen Volk zugestanden wird, seine Zukunft gemäß dem Prinzip der Selbstbestimmung zu entwerfen." So beginnt die "Erklärung der Einigkeit", die auf einer Konferenz von globalisierungskritischen Gruppen und Anti-Kriegs-Gruppen in Jakarta in Indonesien vom 19. bis 21. Mai beschlossen wurde. Neben Abdel Amir Al Rekaby nahmen Aktivisten aus 26 Ländern teil, unter anderem aus Afghanistan, Irak, Israel, Libanon, Südafrika, Großbritannien und den USA. Der vollständige Text der Erklärung ist im Internet zu finden, unter anderem unter www.attac.de/rundbriefe/SIG23.rtf
Abdel Amir, was steckt hinter dem Widerstand im Irak?
Es gibt einen Kampf zwischen dem Willen der Iraker und dem der Besatzer. Die Besatzer haben einen Rat mit 25 Mitgliedern eingesetzt. Das ist eine Besatzungsregierung, die nicht überleben wird.

Uns im Westen wird dieser Rat als Schritt zur Demokratie verkauft…
Die Iraker hassen die Besatzer und akzeptieren diesen Rat nicht. Einige politische Kräfte kooperieren zwar mit den Besatzern, aber diese haben Probleme. Die Ratsmitglieder können sich nicht ohne Bewachung von US-Soldaten bewegen.
Viele von ihnen haben von ihren Stämmen ein Ultimatum gestellt bekommen, innerhalb von drei Tagen zurückzutreten.

Die Besatzer kamen im Namen der Freiheit. Warum sind sie und ihre Helfer so verhasst?
Es gibt kaum Strom. Das Wasser ist nicht trinkbar. Der Rat hat nichts getan, um das Alltagsleben zu verbessern. Es gibt in den Nachbarschaften traditionell Kollektive. Die Amerikaner versuchen, sie zu verbieten.
Der US-Verwalter Bremer entscheidet alles. Er zwingt die Leute, als Bittsteller zu ihm zu kommen. Er kann sich dann als großzügiger Geber darstellen.
Er nutzt seine Macht auch, um die Menschen zu bestrafen. Wenn ein Soldat getötet wurde, wird der Strom für drei Tage abgestellt. In Bagdad ist das bereits zweimal geschehen.

In den Medien lesen wir, dass es heftigen Widerstand gibt…
Ja, es gibt eine Eskalation des Widerstandes und die Situation scheint in den nächsten Monaten zu explodieren. Im Südwesten hat ein Schiitenführer zur Bildung einer Imam-Armee aufgerufen.
Ungefähr 20 verschiedene politische Kräfte und Parteien haben sich zusammengeschlossen und einen Aufruf zur Bildung eines verfassungsgebenden Rates gestartet. Dieser wurde auch über Al Dschasira verbreitet.
Viele große Stämme haben diesen Aufruf unterstützt. Bislang wurden eine Million Unterschriften in den Stämmen und Nachbarschaften gesammelt. Zur ersten Versammlung Anfang August sollen auch etwa 200 Emire kommen.
Die Amerikaner werden wohl versuchen, sie zu unterbinden. Darum brauchen wir internationale Solidarität.

von Christine Buchholz (E-Mail)

Linksruck Nr. 159, 29. Juli 2003

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(2013 mal gelesen)

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