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marxismus konkret: Die Wurzeln des 11. September

Dieser Tage jähren sich die Anschläge vom 11. September 2001. Die Attacken galten dem World Trade Center und dem Pentagon, zwei Symbolen der wirtschaftlichen und militärischen Macht der USA. Aber sie töteten 3.000 unschuldige Menschen, die über die US-Außenpolitik nicht zu bestimmen haben.
Es ist unklar, wer genau hinter den Anschlägen steckte. Hass auf die US-Außenpolitik ist weit verbreitet, weil sie Millionen Unterdrückung und Ausbeutung bringt.
Der globale Kapitalismus schafft Armut und Ungleichheit zwischen dem Norden und dem Süden und innerhalb jeder Gesellschaft. Bei der Durchsetzung und Verteidigung dieser globalen Wirtschaftsordnung stehen die USA an vorderster Front.
Mehr als 200.000 US-Soldaten sind auf der ganzen Welt stationiert, um jeden Widerstand gegen die Interessen westlicher Konzerne niederzuschlagen. Vor Ort stehen ihnen dabei Regierungen zur Seite, die einen Teil der Profite abbekommen und dafür bei der Ausbeutung ihrer Staaten helfen.
Das saudische Königshaus etwa spielt eine wichtige Rolle im ölreichen Nahen Osten. Es wurde in den 1920er Jahren von den britischen Kolonialverwaltern an die Macht gebracht. Heute gestattet es westlichen Konzernen, den Ölreichtum des Landes zu vermarkten.
Verbunden mit den USA, lebt die Königsfamilie in sprichwörtlichem Luxus, während die saudischen Städte keine Kanalisation haben. Über 90 Prozent der Bevölkerung sind von demokratischer Beteiligung ausgeschlossen. Die weltweite Krise des Kapitalismus bringt Saudi-Arabien, von wo 16 der 19 Attentäter des 11. September stammten, sinkende Wachstumsraten und steigende Armut.
Krasse soziale Gegensätze und rücksichtslose Unterdrückung bilden den Nährboden für den weit verbreiteten Hass auf die korrupten arabischen Regime und die USA, die über ihre Sicherheit wachen.
Den Widerstand der 1950er und 60er Jahren führten oft nationalistische Parteien an. Sie kanalisierten die Wut der Mehrheit.
Geführt wurden die Parteien aber von einer Minderheit, die den Imperialismus als Hindernis für das eigene Fortkommen ansah. Ärzte, Rechtsanwälte und kleine Händler stützten sich auf Arbeiter und Bauern, um für einen eigenen Anteil an der kapitalistischen Entwicklung zu kämpfen.
Nach der Unabhängigkeit arbeiteten sie sogar oft weiter mit den westlichen Konzernen und Staaten zusammen, von denen sie sich gerade formell getrennt hatten. Ihr Versprechen, Armut und Ausbeutung zu beseitigen, lösten die Parteien nicht ein und so entfremdeten sie ihre Anhänger.
Andere, linke Parteien im arabischen Raum hatten sich am Stalinismus orientiert. Der Zusammenbruch des Ostblocks 1989 demoralisierte sie schwer.
Auf den Trümmern des Nationalismus und des Stalinismus wuchs der politische Ableger des Islam, der größten Religion im Nahen Osten, als Sprachrohr des Widerstands gegen die imperialistische Ausbeutung der arabischen Länder.
Militanter Widerstand gegen Imperialmächte fand breite Unterstützung, auch bevor er unter dem Banner des Islam daher kam. Aber in vielen arabischen Ländern waren in den letzten Jahrzehnten die Moscheen die einzigen Orte, an denen politische Opposition formuliert werden konnte.
Die anti-imperialistische Kritik bekam eine religiöse Färbung. Die Imame sehen die Ursache der Ungerechtigkeiten nicht im Expansionsstreben des Kapitalismus. Stattdessen machen sie die westliche Kultur und jene Araber, die sich vom Westen korrumpieren lassen, als Gegner aller Muslime aus.
Im Irak führen islamische Kräfte die Bewegung gegen die Besatzung mit an. Aber in anderen Staaten meint eine Minderheit in Abwesenheit einer Massenbewegung, Anschläge gegen Symbole des Imperialismus seien eine Möglichkeit, den Kampf dagegen zu führen.
Solche Anschläge treffen unbeteiligte Arbeiter oder Touristen. Sie sind nicht nur tragische Verbrechen, sondern ein Hindernis für den Kampf gegen Imperialismus.
Menschen im Westen, die gegen ihre eigene Ausbeutung kämpfen oder die Unterdrückung des Nahen Osten ablehnen, konnten durch den Mord an den Angestellten des World Trade Center, leichter dahin gebracht werden, Bushs Lügen vom "Krieg gegen den Terror" zu glauben.
Die Anschläge am 11. September haben außerdem gezeigt, dass der Mord an tausenden arbeitenden Menschen in den Gebäuden des World Trade Center die USA keineswegs zu einem Umlenken ihrer Politik im Nahen Osten bewegt hat. Im Gegenteil, die Attacken wurden seither benutzt, um eine Verschärfung der kriegerischen und ausbeuterischen US-amerikanischen Außenpolitik zu rechtfertigen.
Medien und Politik belügen uns allerdings, wenn sie jeglichen Widerstand gegen Imperialismus als religiös und terroristisch darstellen. So verschleiern sie, dass sich in vielen arabischen Staaten gerade eine neue Linke bildet, die ein Teil der weltweiten Bewegung gegen Krieg und die kapitalistische Globalisierung ist.
In vielen arabischen Ländern haben im Zuge der weltweiten Friedensbewegung die ersten Großdemonstrationen seit vielen Jahren stattgefunden. Die Menschen in den arabischen Staaten kämpfen unter verschärften Bedingungen um dieselben Anliegen wie die arbeitenden Menschen in den mächtigen Industriestaaten. Auch sie kämpfen um Gewerkschaftsrechte, Löhne und Arbeitsbedingungen, während ihre soziale Infrastruktur, Schulen und Krankenhäuser kaputt gespart und privatisiert werden.
Mit jedem Schlag, den die Kriegstreiber und ihre Konzerne im Nahen Osten einstecken, wird auch unser Widerstand gegen Krieg und Sozialabbau gestärkt.

Linksruck Nr. 160, 12. August 2003

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