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Öffentlicher Nahverkehr

Erdogan Kaya arbeitet als Busfahrer bei der Berliner Verkehrsgesellschaft (BVG)
Politiker und Unternehmer argumentieren immer, dass Privatisierung einen verbesserten Service bringt, weil sie zu mehr Konkurrenz führt. Dass das nicht stimmt, kann man bei uns beobachten. Die BVG ist teilprivatisiert worden, indem die Tochtergesellschaft Berlin Transport (BT) gegründet wurde. Sie hat knapp ein Drittel der Fahrdienste übernommen.
Die BT hat viele Verspätungen, und auch die Fahrzeuge sind nicht richtig sauber. Die Kollegen bei der BT verdienen ein Drittel weniger als wir - obwohl ihre Arbeit sogar noch härter ist als unsere. Sie haben kürzere Pausen und arbeiten länger, bis zu 10 Stunden am Tag. Im öffentlichen Dienst gibt es zudem eine zusätzliche Betriebsrente. Bei der BT nicht.
Aber auch bei uns hat sich die Situation verschlechtert. In den letzten 10 Jahren sind bei der BVG 10.000 Stellen gestrichen worden. Die Busse fahren auch nicht mehr so häufig. Auf der Linie 104 zum Beispiel nur noch alle 15 Minuten. Früher kam alle 10 Minuten ein Bus. Deshalb sind die Busse immer voll.
Und dann müssen Fahrgäste draußen bleiben. Wenn ich zum Beispiel schon zwei oder drei Kinderwagen im Bus habe, dann wird es eng. Wenn an der nächsten Haltestelle dann noch eine Mutter mit Kinderwagen steht, dann ist für sie kein Platz mehr, und sie muss auf den nächsten Bus warten. Aber der ist häufig auch schon voll. Es ist keine Seltenheit, dass Fahrgäste 45 Minuten warten müssen, bis ein Fahrer sie mitnehmen kann.
Wir können nichts dafür, aber die Fahrgäste sind natürlich zurecht wütend. Und oft werden wir dann angebrüllt. Dann macht die Arbeit keinen Spaß mehr. Und seit einiger Zeit wird auch die 30-Minuten-Pause nicht mehr bezahlt.
Meiner Meinung nach darf man den Öffentlichen Dienst nicht zusammensparen. Man müsste ihn sogar noch ausbauen, denn jeder braucht ihn. Viele Menschen können sich kein Auto leisten. Die sind auf uns angewiesen und haben ein Recht auf einen guten und flächendeckenden Service. Aber ein Ausbau des öffentlichen Verkehrs ist nicht im Interesse der großen Autokonzerne. Die tun alles, um das zu verhindern.
Ich nehme es auch der Regierung nicht ab, dass für den Öffentlichen Dienst kein Geld da ist. Die Unternehmer zahlen immer weniger Steuern. Deswegen ist die Staatskasse leer. Außerdem gibt es genug Reichtum in Deutschland, bei den Reichen und Konzernen. Die müsste die Regierung stärker besteuern.

Linksruck Nr. 141, 5. November 2002

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