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Drei Gründe, warum Schröders Reformen der Bildung nicht helfen

Nationale Leistungstests verstärken soziale Auslese


Die Kultusministerkonferenz hat letzte Woche einheitliche Leistungsstandards an allen Schulen in Deutschland beschlossen.
Diese Politik hat in Großbritannien dazu geführt, dass die soziale Spaltung weiter verschärft wird. Die Regierung führte 1998 Standards ein, an denen sich alle Schulen messen müssen. Mit sieben und elf Jahren werden Kinder in Lesen, Schreiben und Mathematik, mit 14 Jahren noch mal in Englisch und Mathematik landesweit getestet.
In "schwachen" Schulen wird den Lehrern das Gehalt gekürzt. Wer kann sucht sich eine besser bezahlte Arbeit. Mit dieser Regelung werden lernschwache Schüler auch noch mit den schlechtesten Lehrern bestraft.
Erzielt eine Schule in zwei aufeinander folgenden Jahren schlechte Ergebnisse, übernehmen Beamte der kommunalen Bildungsbehörde die Schulleitung und -aufsicht. Die Aufgabe der Beamten ist, Lehrer und schwache Schüler aus der Schule zu werfen.
Außerdem werden Schulen mit vielen armen Kindern immer weiter benachteiligt. Statt wegen ihrer schwierigeren Ausgangslage mehr finanzielle und personelle Unterstützung zu erhalten, erhalten diese Kinder immer weniger Hilfe.
Das Ergebnis ist die immer größere soziale Ungleichheit im Bildungssystem. Die Unterschiede zwischen den leistungsstärkeren und -schwächeren Kindern werden größer: Jeder vierte Elfjährige in Großbritannien kann nach der Grundschule nicht ausreichend lesen, schreiben und rechnen.
Für die Kinder sind die Tests eine Qual. Weil die finanzielle Ausstattung der Schulen vor allem von den Tests abhängt, werden die Schüler unter starken Druck gesetzt. Wochenlang werden sie nur noch auf die Tests gedrillt. Eine Untersuchung ergab, dass zwei Drittel aller Elfjährigen vor ihrem zweiten Test eindeutige Stresssymptome haben: Weinkrämpfe, Schlaflosigkeit, Konzentrationsmangel und Angstattacken. Den Lehrern ergeht es genauso.


Fremdfinanzierung bringt Lügen in die Schule


Die deutsche Regierung schlägt vor, die Schulen und Universitäten für Finanzierung durch private Sponsoren zu öffnen. In den USA gibt es diese Fremdfinanzierung des Bildungswesens schon sehr lange – mit schlimmen Folgen. So strich der Energiekonzern Edison nach der Übernahme von 41 Schulen 27 Prozent der Lehrerstellen. Die Klassengrößen wurden auf 28 Schüler erhöht, statt sie wie versprochen auf maximal 21 Schüler zu senken. Auch bei Büchereien, das Schulessen, Sport- und Freizeitangebote wurden gekürzt.
Mit dem wachsenden Einfluss der Wirtschaft wird in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen auch immer mehr für Unternehmen geworben. Schon in den 90ern war in den USA Werbung auf Schulbussen und in Toiletten, in Klassenzimmern und auf Schulbüchern üblich. Die Schulen haben immer weniger Geld und müssen mehr und mehr auf gesponserte Unterrichtsmaterialien zurückgreifen.
Die Verbraucherorganisation Consumer International hat bei einer Untersuchung dieser Materialien vor ein paar Jahren festgestellt: Über 80 Prozent enthalten voreingenommene oder unvollständige Informationen, werben für Produkte der finanzierenden Firma oder verherrlichen deren Tätigkeit.
So log ein Schulbuch, das von der American Coal Foundation, einem Hersteller für Unterrichtsmaterial über Kohle, gesponsert war, über den Treibhauseffekt: "Eine Zunahme von Kohlendioxid könnte der Erde eher nutzen als schaden."


Elite-Unis lösen nichts - wir brauchen Geld für Bildung


Die Gründung von Elite-Unis wird den meisten Studierenden nichts bringen. Stattdessen muss die Bildung für alle 2 Millionen Studierende verbessert werden.
Das größte Problem des Bildungswesens ist der ständige Geldmangel. Durch die Steuerreform 2000 wurden viele Städte und Gemeinden in kurzer Zeit in die Pleite getrieben. Denn Großkonzerne können heute legal keinen Cent Steuern zahlen und sogar Rückzahlungen vom Staat fordern.
So musste Nordrhein-Westfalen 2001 mehr als 1,6 Milliarden Euro Körperschaftssteuer zurückerstatten. Diese Rückzahlungen überstiegen laut Finanzminister Steinbrück die Einnahmen und kamen vor allem vier Großkonzernen zugute: 720 Millionen gingen an die Deutsche Telekom, 410 Millionen bekam Energiekonzern RWE, 260 Millionen erhielten jeweils der Pharma-Riese Bayer und der Telekommunikationskonzern Vodafone.
Um solche Geschenke an die Unternehmen zu ermöglichen, wird gekürzt – auch bei der Bildung. Es werden zu wenig Lehrer angestellt, weshalb die Klassen sehr groß sind und Unterricht häufig ausfällt. Manche Fächer werden wegen Lehrermangels komplett gestrichen und Förderunterricht und außerplanmäßige Projekte gibt es immer weniger. Nur wer genug Geld hat, kann seinen Kindern Nachhilfeunterricht kaufen.
Immer öfter müssen Eltern die Lehrmittel ihrer Kinder bezahlen, und Renovierungsarbeiten müssen von Schülern, Eltern und Lehrern übernommen werden, weil die Kommunen kein Geld mehr haben.
Statt Elite-Unis brauchen wir die Einführung der Vermögenssteuer und die Streichung teurer Rüstungsprojekte, um wenigstens die Grundversorgung im Bildungsbereich sicherzustellen. Allein mit den Ausgaben der Regierung für Kriegshubschrauber ließen sich 572 Berufsschulen und 715 Grundschulen bauen.

Linksruck Nr. 169, 21. Januar 2004

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