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Die Prawda der Bolschewiki

Linksruck will in die Fußstapfen der Prawda treten und helfen, ein Netzwerk von Aktivisten in Schule, Uni und Betrieb aufzubauen. Linksruck will aktuelle politische Entwicklungen analysieren und gibt Anregungen was man tun kann.

Die Zeitung lebt von denen, die sie kaufen, lesen und Weiterverkaufen.

Linksruck braucht Arbeiterinnen und Arbeiter, Schülerinnen und Schüler, Studentinnen und Studenten, die im Linksruck von ihrem Leben, den Erfahrungen ihrer Kämpfe und ihren Meinungen zu gesellschaftlichen Auseinandersetzungen berichten.

  • Nimm drei Linksruck und verbreite sie auf der Arbeit, an der Uni oder im persönlichen Umfeld.
  • Diskutiere die Artikel und schreib von diesen Debatten, von Deinen Erfahrungen mit der rot-grünen Politik oder mit Auseinandersetzungen in Deinem Betrieb.
  • Die Zeitung Linksruck versucht, Aktivisten in Schulen, Unis und Betrieben miteinander zu vernetzen, sie steht im Zentrum der Aktivitäten der Organisation Linksruck und wird jeden Samstag in Fußgängerzonen von Kiel bis Freiburg, in Wohnblöcken, vor Unimensen oder Krankenhäusern verkauft.

    Das ist kein Zufall. Die Arbeit mit Zeitungen ist ein wesentliches Merkmal von Organisationen oder Einzelpersonen, die Widerstand von unten aufbauen wollen. Wer den Lügen und Halbwahrheiten der Bildzeitung nicht hilflos ausgeliefert sein will und eine politische Organisation aufbauen und vernetzen will der braucht eine revolutionäre Zeitung.

    Die Prawda, Zeitung der Bolschewiki, ist ein herausragendes Beispiel dafür. Sie war das Rückgrat der Organisation, die der Russischen Revolution zu ihrem Erfolg verhalf.

     

    Zu Beginn des 20. Jahrhunderts herrschte in Rußland der Zarismus, eines der rückständigsten und unterdrückerischsten Regime seiner Zeit. Pogrome gegen Juden waren ebenso auf der Tagesordnung wie polizeiliche Übergriffe gegen Arbeiter und eine scharfe Zensur der Presse. Die in der Situation entstehende Arbeiterbewegung war noch sehr unerfahren und völlig zersplittert.

    1901 hatte Lenin in seiner Broschüre "Womit beginnen" entwickelt, wie die Zersplitterung überwunden und sich eine schlagkräftige Organisation von Sozialisten herausbilden könnte: "Mit Hilfe der Zeitung und im Zusammenhang mit ihr wird sich eine beständige Organisation herausbilden, die sich nicht nur mit örtlicher, sondern auch mit regelmäßiger allgemeiner Arbeit befaßt, die ihre Mitglieder lehrt, die politischen Ereignisse aufmerksam zu verfolgen, deren Bedeutung und Einfluß auf die verschiedenen Bevölkerungsschichten richtig zu bewerten, zweckmäßige Methoden herauszuarbeiten, durch die die revolutionäre Partei auf diese Ereignisse einwirken kann."

    Aufschwung

    Als im April 1912 die Tageszeitung Prawda erstmals von den Bolschewiki herausgegeben wurde, bestand die Partei aus über das Land verteilten zersprengten Grüppchen.

    Die Zuspitzung der Klassenauseinandersetzungen im Frühjahr 1912 schuf eine neue Stimmung. Nachdem zaristische Kräfte 500 streikende Arbeiter in den sibirischen Lena Goldfeldern ermordet hatten, rollte eine Welle von Protestdemonstrationen und -streiks durch Rußland.

    Das Aufflammen von Arbeiterkämpfen, an denen fast ein Drittel der gesamten russischen Arbeiterklasse beteiligt war, stellte eine große Chance im Aufbau einer revolutionären Partei in Russland dar.

    Die erste Aufgabe war es, die Revolutionäre miteinander zu vernetzen. Allein die Verteilung der Zeitung und ihre Verbreitung erforderte ein Netz von Aktivisten in den verschiedenen Städten und Fabriken. Die Hälfte der Zeitungen wurde von Zeitungsjungen auf der Straße verkauft, die andere Hälfte in den Betrieben. Diese Aktivisten standen in einer lebendigen Beziehung untereinander und entwickelten so eine eigenständige Einschätzung der politischen Situation und organisierten Widerstandsaktionen.

    Organisator

    Die Zeitung bildete das "Gerippe der Organisation". Sie ermutigte Arbeiter sich in Betriebsgruppen zusammenzuschließen, die Geld für sie sammelten. 1912 sammelten 620 Arbeitergruppen für die Prawda, 1914 waren es schon 2873 Arbeitergruppen, die sich so um die Prawda organisierten. So konnten die Bolschewiki eine Tageszeitung mit einer Auflage von 40-60.000 Exemplaren herausbringen, deren politischer Wirkungskreis noch um ein vielfaches größer war.

    Die Prawda spiegelte die Stimmung in der Arbeiterklasse wider. Anders als die bürgerlichen Zeitungen erzählte sie nicht die Geschichten der hohen Herren, sondern die Geschichten der kleinen Leute.

    Sogar ein Gegner der Bolschewiki schilderte seinen Eindruck der Prawda so:

    "Wir lesen von den Aktivitäten der Arbeiterorganisationen, Gewerkschaften, Klubs, und Genossenschaften; von den Treffen der Mitglieder dieser Organisationen und ihrer führenden Komitees .. von Vorlesungen und Berichten von Arbeitern; von Streiks und Streikkomitees; von mehreren Spendensammlungen; von politischen Aktivitäten von Arbeitern ...."

    Chronik

    Die Prawda war eine "Chronik des Arbeiterlebens" (Lenin). Sie wurde nicht nur von der Arbeiterklasse gelesen, sondern auch von ihr geschrieben. 11.000 Berichte und Briefwechsel erschienen in einem Jahr, das sind durchschnittlich 35 am Tag. Der Bolschewik Sinowjew berichtete: "Die Hälfte der Zeitung wurde von arbeitenden Männern und Frauen, Soldaten, Matrosen, Köchen, Droschkenfahrern und Verkäufern geschrieben."

    Lenin legte großen Wert darauf, daß die Arbeiter selbst über ihr Leben schrieben und von ihren Arbeitskämpfen berichteten. Dies würde ihnen helfen, "ihre eigene Bewegung besser zu erkennen und ihr dadurch größere Erfolge zu sichern."

    Krieg

    Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbrach, verschärft sich die Repression gegen die Bolschewiki. Die Prawda konnte nicht mehr in ihrer gewohnten Form erscheinen. Jeder der in Verbindung mit der Produktion einer illegalen Zeitung in Verbindung gebracht werden konnte, wurde sofort verhaftet.

    Weil sie ein festes Netzwerk von Revolutionären aufgebaut hatten, war es den Bolschewiki nur wenige Wochen nach Kriegsausbruch möglich, Zeitungen nach Rußland zu schmuggeln und zu verbreiten

    Lenin stellte den Anspruch an die Zeitung, nicht nur die Lebens- und Arbeitsbedungugen der russischen Arbeiterklasse zu schildern, sondern die Gesellschaft als ganzes darzustellen und zu erklären.

    Täglich steuerte er Artikel zu der Prawda bei, die sich um jeweils einen konkreten politischen Punkt drehten. Sie handelten z.B. davon, wie der Imperialismus zu Kriegen führt und gaben den Arbeitern so Klarheit in der Argumentation gegen den Krieg. Während die Mehrheit der Arbeiter der kriegführenden Länder zunächst mit großer Begeisterung in den Krieg zogen, arbeiteten die bolschewistischen Arbeiter vom ersten Tag an gegen den Krieg.

    Führung

    Mithilfe der Prawda schulten die lesenden Arbeiter ihr Bewußtsein derart, daß sie selbst in die Lage versetzt wurden, ihre eigenen Erfahrungen mit Blick auf den internationalen Kampf der Arbeiterklasse zu verallgemeinern.

    Damals wie heute gab es eine heftige Kontroverse über die Strategie der Arbeiterbewegung. Die Idee einer Zeitung ist unmittelbar mit Kampf um die richtige Strategie verbunden.

    Die Bolschewiki konnten über die harten Kriegsjahre sowohl ihre organisatorische Grundstruktur, als auch ihren Antimilitarismus und ihre Klassenposition bewahren. Die Tatsache, daß sie ein Netzwerk von in Theorie und Praxis geschulten Revolutionären aufgebaut hatten, ermöglichte ihnen, 1917 den Faden des offensiven Parteiaufbaus wieder aufzugreifen und die entschlossensten Arbeiter zu sammeln. Dies war die Voraussetzung für die erfolgreiche Revolution im Oktober 1917.

    "Wir müssen unseren Weg gehen, unsere systematische Arbeit unbeirrt verrichten, und je weniger wir uns auf Überraschungen verlassen, umso größer ist die Wahrscheinlichkeit, daß keinerlei "historische Wendepunkte" uns unvorbereitet finden werden." (Lenin, Womit beginnen, 1902)<

    Linksruck Nr. 88, 24. Mai 2000

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