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Gleiche Rechte – sofort!

Zwanzig Jahre csd in Hamburg

In diesem Jahr hat der erste Christopher-Street-Day in Hamburg stattgefunden. 250.000 Menschen kamen zu der lesbisch-schwulen Parade. Gefeiert wurden zwanzig Jahre csd in Hamburg.

Viele reagierten erfreut auf die Schilder, die die Linksruckgruppe Hamburg mitgebracht hatte. Die Forderungen: "Rot-Grün: Gleiche Rechte für Alle" "Schluß mit der Hetze von Scharping und dem Papst" und auch die Forderungen auf den Linksruckflugblättern: "Für einen politischen Christopher-Street-Day" fanden eine breite Zustimmung.

Simon (Schüler) zum CSD in Hamburg

Der CSD ist eigentlich nur noch eine kommerzielle Veranstaltung wie die Love-Parade oder der G-Move, die beide keinerlei politische Inhalte haben. Eine Veranstaltung, bei der sich vor allem die kleinen Cafés und die Szene kommerziell präsentieren.

Ich denke, daß man mehr zu der alten Tradition des CSD, nämlich dem Kampf um gleiche Rechte, zurückkehren und ihn für politische Aussagen und Forderunen nutzen sollte.

Von Verbänden, die dort auch auftreten werden, wie der DLSVD und die Schwusos müssen politische Aussagen eingefordert werden. Die Schwusos haben zwar auch ihre Forderungen gestellt, trotzdem üben sie viel zu wenig Druck auf die Rot-Grüne Regierung aus.

Ich habe Kritik an der Rot-Grün, weil sie nicht versuchen Homos zu integrieren, und ihnen dadurch, daß sie anerkannt werden, Selbstbewußtsein geben. Statt dessen wird versucht, Homosexuelle dem patriachalen und monagamen Familienbild, das wir momentan haben, anzugleichen.

Ich denke, wir brauchen eine vernünftige Alternative zu Rot-grün, die den Kampf von unten organisiert. Man muß politische Zeitschriften herausbringen, anders als die jetzigen, die eigentlich kaum politisch sind. Man kann Veranstaltungen organisieren. Ich versuche deswegen, innerhalb des Linksruck etwas zu tun.

Doch die Organisatoren des World-Pride-March lassen sich nicht einschüchtern. Ihre Antwort: "Wir sind zahlreich und bereit, Barrikaden zu bauen (...) Niemand wird uns verbieten zu paradieren."

Auch in Deutschland stoßen homophobe Angriffe auf scharfe Ablehnung. So geschehen als Bundesverteidigungsminister Scharping versuchte, die Versetzung eines schwulen Ausbilders zu rechtfertigen. Er griff dabei auf eine ultra-konservative Studie der ‘Christen in der Offensive zurück, in der es hieß Schwulsein sei "krankhaft", habe "Suchtcharakter" und müsse therapiert werden.

Ein Aufschrei der Empörung ging – nicht nur – durch homosexuelle Reihen. Der betroffene Soldat hat geklagt und war durch die Unterstützung der Öffentlichkeit erfolgreich. Im August wird er wieder zurückversetzt.

Es ist anders als es die Konservativen wahrhaben wollen: Schwule und Lesben sind als sichtbarer Teil der Gesellschaft längst nicht mehr wegzudenken. Die Zahl der Teilnehmer und Besucher am Christopher-Street-Day, der allein in Deutschland jedes Jahr Millionen von Menschen anzieht, straft sie Lügen. Trotzdem werden Homosexuelle immer noch als Menschen zweiter Klasse behandelt.

Rot-Grün

1998 gaben viele Schwule und Lesben der SPD und den Grünen ihre Stimme, um Schluß mit der konservativen, diskriminierenden Politik der CDU zu machen. Rot-Grün sollte Gesetze schaffen, die Schwule und Lesben endlich nicht mehr zu Menschen zweiter Klasse diskriminiert.

Doch nach fast zwei Jahren Rot-Grün fällt die Bilanz enttäuschend aus. Nur halbherzig wurden erste Schritte in die Richtung eines Partnerschaftsgesetzes gemacht.

Antidiskriminierungs- und Gleichberechtigungsgesetze in Gesellschaft und Betrieben, Bleiberecht für ausländische Partnerinnen und Partner und Adoptionsrechte werden alle auf die lange Bank geschoben. Ein Fiasko wie bei der Doppelten Staatsbürgerschaft, die an dem Druck der CDU/CSU scheiterte, droht nun auch hier.

Neue Mitte - alte Scheiße

Anstatt eine konsequente und entschlossene Gleichberechtigungspolitk auf allen Ebenen durchzusetzen, knüpft Rot-Grün direkt an der Kohlpolitik an. Die Neue Mitte holt die Familienideologie wieder aus der Klamottenkiste. Eigenverantwortung und Selbständigkeit des Einzelnen sollen gefördert werden. Es ist auf einmal fortschrittlich, wenn Kindererziehung, die Pflege von Alten, Kranken und Behinderten wieder innerhalb der Familie stattfinden.

Doch mit solcher Ideolgie soll nur gerechtfertigt werden, daß die Regierung im sozialen Bereich immer weiter kürzt – wie bei Altersheimen und Kindergärten – während sie Milliardengeschenke an die Konzerne macht.

Leidtragende dieser Politik sind Frauen, die einer steigenden Doppelbelastung in Beruf und Familie ausgesetzt sind. Leidtragende sind aber auch alle, die nicht in das traditionelle Bild der Familie passen: Schwule und Lesben.

Gegenwehr

Die Demonstrationen während der Tagung der Welthandelsorganisation in Seattle haben weltweit Millionen Menschen Mut gemacht: Es ist möglich, sich gegen die Bosse und ihre Handlanger in der Politik zu wehren. Gegen ihre Ausbeutung und ihre Ideologie der Unterdrückung, die den Großteil der Menschheit in Homo- und Heterosexuelle, Inländer und Ausländer, Frauen und Männer spaltet und gegeneinander auszuspielen versucht.

Auch hier in Deutschland brauchen wir eine solche Bewegung, die anfängt, der menschenverachtenden Politik für die Bosse und deren Profite ein Ende zu setzen.

von Katrin Schierbach

Linksruck Nr. 89, 21. Juni 2000

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