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Serie: Unsere Tradition:

Die Permanente Rüstungswirtschaft

Jeder Boom trägt im Kapitalismus die Keime der nächsten Krise in sich. Ein gutes Beispiel ist die Kommunikationsindustrie, ein Zweig, der in den letzten Jahren erheblich expandierte. Ein Telefon kostete vor 20 Jahren gut 150 DM. Heute bekommt man für das gleiche Geld ein hochleistungsfähiges Handy mit Nummernspeicher und Display.
Um jedoch das Handy herzustellen, braucht man ungleich kompliziertere und daher teurere Maschinen als für ein normales Telefon. Das Verhältnis zwischen dem in der Produktion eingesetzten Kapital und beim Verkauf erzieltem Profit, hat sich also verschlechtert.

Krisen

Kapitalismus bedeutet Konkurrenz. Der Wettlauf zwischen den Unternehmen zwingt die Kapitalisten, ständig modernere, produktivere Maschinen anzuschaffen. Je produktiver die Maschinen arbeiten, das heißt je weniger Arbeitskraft gebraucht wird, um eine bestimmte Warenmenge herzustellen, um so billiger werden die produzierten Waren.
Gleichzeitig steigen die Kosten, die ein Unternehmer in neues Kapital investieren muß, um im Konkurrenzkampf nicht unterzugehen. Karl Marx sprach vom tendenziellen Fall der Profitrate das Verhältnis zwischen Investitionskosten und Profit sinkt. Die Erwartung geringerer Profite hält die Kapitalisten irgendwann ab, neu zu investieren, es kommt zur Krise.

Gegenläufig

Unsere Großeltern kannten den Kapitalismus als System von schlimmer werdenden Krisen. Aber nach dem zweiten Weltkrieg expandierte die Weltwirtschaft wie nie zuvor. Das war kein Wirtschaftswunder: Ursache für den Boom nach 1945 war die Vernichtung von Kapital im Krieg.
Die Verwüstung von Produktionsanlagen, Städten und ganzen Regionen ermöglichte dem Kapitalismus eine neue Runde wirtschaftlichen Wachstums.
Die Kriegsindustrie wurde aber, anders als nach dem ersten Weltkrieg, nicht auf zivile Produktion umgestellt.
Statt dessen setzte mit dem Kalten Krieg ein gigantischer Rüstungswettlauf ein. Staatliche Investitionen füllten die Auftragsbücher der Kriegsindustrie wie zu besten Weltkriegszeiten. In den USA ging jeder fünfte Steuerdollar in Rüstungsaufträge.
Von daher stand der enormen Nachfrage nach Konsumgütern eine unterentwickelte zivile Industrie gegenüber.
Die Rüstungsindustrie war aber nicht nur Motor, sondern gleichzeitig auch Bremse des Nachkriegsbooms.
Waffen kann man weder konsumieren, noch als Maschinen zur Herstellung anderer Waren verwenden. Rüstungswirtschaft heißt deshalb Verschwendungswirtschaft.
Zur Finanzierung der Rüstungsaufträge wurden vor allem Unternehmensprofite besteuert. Die Profite, die unter normalen Bedingungen für Investitionen in neue Produktionsanlagen verwendet worden wären, wurden also verschwendet.
Diese staatlich organisierte Kapitalvernichtung bremste den Aufschwung und damit schob damit den im kapitalistischen Akkumulationskreislauf angelegten Fall der Profitraten heraus. Das Ergebnis war ein langsamerer Boom, der dafür länger dauerte.

Widersprüche

Die Rüstungsausgaben waren allerdings ungleich verteilt. Da Deutschland und Japan als Weltkriegsverlierer viel geringere Rüstungsausgaben hatten als die USA oder die UdSSR, konnten sie ihre zivile Industrie schneller aufbauen. So eroberten sie Segmente des Weltmarkts, während vor allem die USA auf der Strecke blieben.
Das zwang die Großmächte die Rüstungsausgaben zu senken. Die USA halbierten sie bis 1970. Die Investitionen in die Zivilwirtschaft stiegen und das ließ die Profitraten wieder schneller fallen. Prompt kam es 1973 zur ersten Wirtschaftskrise seit dem Krieg. Drei weitere folgten bis heute.
Das Wirtschaftswunder basierte also auf der Zerstörungsorgie des zweiten Weltkriegs und dem Schrecken der Atombombe im Rüstungswettlauf. Eine Wiederholung dieser Art von Konjunkturprogramm kann man sich wohl kaum wünschen.

von Klaus Henning

Linksruck Nr. 76, 17. November 1999

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