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marxismus konkret: Sind Männer unterdrückt?

Mit Sam, GQ und Alexx ist ein neuer Schwung an sogenannten Männermagazinen auf den markt gekommen. Grundtenor: nachdem sich Frauen emanzipiert haben, schlagen sie nun über die Stränge. Dagegen muß Mann etwas tun und sich selbst emanzipieren. So erklärt uns in einem dieser Magazine ein dominanter Mann, daß Gewalt genauso zu Männern gehört, wie Fußball-Spielen im Park und exzessive Masturbation. Auch kann man hier lernen, daß ein Holzhobel die Form einer auf dem Rücken liegenden nackten Frau mit auf den Boden gefesselten Händen und Füßen hat.
Diese Magazine sind die Speerspitze derjenigen, die meinen, daß Männer mittlerweile das unterdrückte Geschlecht sind. Sind sie es doch die zu hause unter dem Pantoffel stehen, während die Frauen mittlerweile die Hosen anhaben. Die Lösung die sich daraus zwangsläufig ergibt, ist, den Kampf um Frauenbefreiung aufzugeben.
Doch stimmt es tatsächlich, daß Sexismus nun andersrum funktioniert?
Wer behauptet, daß Männer heutzutage unterdrückt werden, weil sie Männer sind, stellt die Tatsachen auf den Kopf. Zwar ist diese Gesellschaft nach wie vor von Sexismus geprägt aber der richte sich immer noch gegen die Frauen.
Es ist nicht das System, daß Frauen schlägt und vergewaltigt, es sind die Männer. Was aber sind die Gründe für dieses Verhalten? Profitieren Männer nun sexistischem Verhalten?


Entfremdung


Es wäre zu einfach, die Männer als die Feinde der Frauen anzusehen, wie das Feministinnen häufig tun. Auch viele Männer sind unterdrückt, allerdings nicht aufgrund ihres Geschlechts, sondern aufgrund ihrer Stellung als Arbeiter in der kapitalistischen Klassengesellschaft.
Die Ursachen für Sexismus und Gewalt sind Entfremdung und Machtlosigkeit. Jungen wird durch ihr Umfeld und die Medien vermittelt, sie seien die Herren der Welt, aber in Wahrheit sind sie die Herren über nichts. Als Jugendliche sind sie Nirgends erwünscht und immer weniger haben sie eine Perspektive. An ihrem Arbeitsplatz sind sie dem Ständigen Terror des Betriebes ausgesetzt. Eine Arbeit machen, die sie häufig hassen und doch gleichzeitig die Angst haben, dies Arbeit zu verlieren.
Die Unerträglichkeit der Arbeit im Kapitalismus führt dazu, daß der Arbeiter wie Marx sagte, erst außer der Arbeit bei sich und bei der Arbeit außer sich fühlt, daß das Privatleben also einen sehr hohen Stellenwert erlangt.
In der Familieversuchen Männer und Frauen der Unterdrückung im Betrieb zu entkommen. Dies hat zu Folge, daß ein starker Erfolgsdruck auf dem Familienleben lastet. Doch man kann die Gesellschaft nicht hinter sich lassen, sobald man außerhalb des Arbeitslebens steht.
Da die Männer oft nicht wissen, wie sie aus dem Dilemma herausbrechen sollen, eigentlich doch die Herren der Welt zu sein, und in Wirklichkeit nicht einmal die Kontrolle über ihr eigenes Leben zu besitzen, versuchen sie sich selbst durch ihr Handeln deutlich zu machen, daß sie zumindest der Herr im Haus sind, und die Frauen noch eine Stufe tiefer stehen als sie selbst.
Genau so kann Perspektivlosigkeit, Entfremdung und Überlastung zur Gewalt von Männern und Frauen gegenüber Kindern oder Alten führen.
Die einzigen, die wirklich einen Vorteil aus Frauenunterdrückung ziehen, sind dier Bosse. Sie profitieren davon, daß meist von der Frau in der Familie die Kindererziehung und die Hausarbeit geleistet wird, ohne daß es sie einen Pfennig kostet.


Sündenbock


Es ist kein Zufall, daß gerade heute eine Flut von neuen Männermagazinen auf den Markt schwemmt. Die Welt steckt in der größten Rezession der 90er Jahre, in der immer deutlicher wird, daß wir in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft leben.
Die Reichen werden immer reicher und die Armen immer ärmer. Die soziale Ungerechtigkeit wird immer offensichtlicher. Um davon abzulenken, richten die Herrschenden die Wut auf andere zum Beispiel auf Frauen.
Das beste Sprachrohr für solche Hetze sind die bürgerlichen Medien. Genauso erklärt sich die Funktion der Männermagazine, in der der Mann das neue Opfer ist. Sie bieten dem Mann einen Feind, nämlich die Frau, die es zu bekämpfen gilt. Es wird erreicht, daß in der Familie ein Kampf unter Unterdrückten entbrennt, der von den eigentlichen Problemen in dieser Gesellschaft ablenkt.
So vergessen viele, daß es eigentlich die Bosse sind, die wir alle gemeinsam bekämpfen müssen.

von Winnie Kauderer

Linksruck Nr. 74, 7. Oktober 1999

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