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BSE: Profite wichtiger als Menschenleben

- Politik und Industrie spielen mit unserem Leben -

Legt den Konzernen das Handwerk

Letztes Jahr wurden offiziell 45.000 Tonnen Rindfleisch aus Holland eingeführt. Die Statistik Hollands weist aber eine höhere Ausfuhrmenge nach Deutschland auf. Deswegen schätzten die deutschen Behörden noch einmal 56.000 Tonnen hinzu. Dieses Fleisch wurde illegal über die Grenze geschafft, und tauchte deshalb nicht in der deutschen Statistik auf darunter wahrscheinlich britisches Fleisch.

"Organisierte Kriminalität" so nannte die europäische Anti-Betrugs Behörde Uclaf diesen Filz aus Händlern, Schlachthausbesitzern und Wurstfabrikanten.

Immer wieder brechen Firmen und Konzerne die Vorschriften, um ihre Profite aufrechtzuerhalten:

BSE: In Deutschland gilt für die Herstellung von Tiermehl eine Verarbeitungstemperatur von 130 Grad. Eine Stichprobe von 1997 ergab, dass diese Temperatur von Firmen unterlaufen wird, um Herstellungskosten zu sparen.

Dioxin: Auf dem Höhepunkt der belgischen Dioxinkrise verarbeitete eine Gießener Schlachterei 3.000 belgische Schweine. Dioxin ist neben Plutionium einer der giftigsten Stoffe. Schon in geringsten Dosen verursacht er Krebs.

Dioxin: Eine Tiermehlfabrik in Niederbayern mischte Klärschlamm unter ihr Produkt, um Kosten bei den Zutaten zu sparen. Obwohl die Verarbeitung von Klärschlamm verboten ist, denn er kann Dioxine und Schwermetalle enthalten.

Den Firmen geht es nur um Profit. Deshalb muss der Staat sie kontrollieren. Sie tun aber alles, die Vorschriften zu umgehen. Die einfachste Möglichkeit, ihnen das Handwerk zu legen, ist ihre Verstaatlichung.

76 Menschen sind in England schon an der neuen Creutzfeld-Jakob Variante gestorben. Diese Variante wird durch den BSE-Erreger ausgelöst.

Was BSE zur Epidemie machte, ist die Verarbeitung von Rindern zu Tierfutter. Zu diesem Schluss kommt der kürzlich erschienene Philipps-Report, eine offiziellen Studie der britischen Regierung.

Pflanzenfresser wurden zu Kannibalen gemacht. Auf diese Weise wurden bereits angesteckte Rinder an noch Gesunde weiterverfüttert.

Das Streben nach Profit stand am Anfang der BSE-Seuche. Ende der siebziger Jahre begann man in England, zunehmend Tiermehl an Rinder, Schweine und Geflügel zu verfüttern. Das Futter ist der größte Posten in der Kalkulation der Tiermäster. Tiermehl besteht aus toten Tieren und Schlachtabfällen Abfälle, die ohnehin anfallen, und deshalb billiger sind als frisches Futter.

Um die Profitspanne noch weiter zu erhöhen, erfanden die britischen Tiermehlproduzenten Anfang der achtziger Jahre ein billigeres Verfahren. Indem sie die Verarbeitungstemperaturen auf unter 80 Grad Celsius absenkten, sparten sie Heizkosten. Bei dieser Temperatur wird der BSE-Erreger aber nicht vernichtet.

Risikoland

Rot-Grün hat verantwortlungslos gehandelt. "Ich bin der felsenfesten Überzeugung, dass deutsches Rindfleisch sicher ist", behauptete Bundeslandwirtschaftsminister Karl-Heinz Funke noch im November. Obwohl ihm schon seit August ein von Experten der Europäischen Union verfasster Bericht vorlag, der Deutschland als BSE-Risikoland einstuft.

Der Bericht führt folgende Gründe dafür auf: In den Jahren, in denen die BSE-Seuche in Großbritannien am stärksten war, wurden 14.000 britische Rinder nach Deutschland verkauft. 1.200 Tonnen verseuchtes Tiermehl gelangten von 1987 bis 1989 aus England nach Deutschland. Jährlich kamen zwischen 2.000 und 17.000 Tonnen Tiermehl aus anderen BSE-Ländern in die Bundesrepublik.

Damit trägt Deutschland dasselbe Risiko wie Frankreich, wo bisher 180 BSE-Fälle entdeckt wurden.

Lobbyist

Funke wusste das. Der Bericht lag ihm vor. Trotzdem kämpfte er noch vor neun Wochen in der EU-Agrarkommission darum, dass Hirn und Rückenmark von Rindern nicht vernichtet werden muss.

Denn Deutschland ist neben Frankreich der größte Rindfleischexporteur in der EU. Letztes Jahr führte die deutsche Agrar- und Lebensmittelindustrie Rindfleischprodukte im Wert von zwei Milliarden Mark aus.

Funke hat als Lobbyist dieser Industrie gehandelt. Er hat wider besseres Wissen mit unserem Leben gespielt. Ein Drittel des deutschen Rindfleiches wird zu Wurst verarbeitet, unter anderem das Hirn der Rinder. Bereits ein Zehntel Gramm dieses Gewebes reicht aus, um ein Rind anzustecken. Niemand weiß, wie viel bereits ausreicht, um einen Menschen zu infizieren.

Zu spät

Rot-Grün hätte sofort nach Amtsantritt umsteuern müssen, anstatt Kohls Politik fortzusetzen. Dessen Landwirtschaftsminister Jochen Borchert hatte auch schon behauptet, Deutschland sei "BSE-frei".

Erst nachdem ein Aufschrei durch Deutschland ging, begann Rot-Grün zu handeln: Viel zu spät, und nicht weitgehend genug.

  • Setzt das Tiermehlverfütterungsverbot sofort um, nicht erst nachdem die Bestände der Mäster aufgebraucht sind
  • Verbietet auch den Export von Tiermehl
  • Vernichtet alles nicht getestete Rindfleisch
  • Startet ein intensives Forschungsprogramm

von Stefan Bornost (E-Mail)

Linksruck Nr. 100, 13. Dezember 2000

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