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marxismus konkret: Funktioniert Planwirtschaft?

Tatsächlich ist Planung eine zentrale Eigenschaft der modernen Wirtschaft.
Wenn man an einem Supermarktregal entlang geht, wird man viele Nahrungsmittel aus aller Welt sehen. Firmen wie Rewe rühmen sich damit, daß ihre frischen Nahrungsmittel von Ländern wie Kenia, Israel oder aus der Karibik eingeflogen werden.
Das bedeutet, daß dort ein lokaler Produzent und eine lokale Arbeiterschaft gefunden werden muß. Die richtige Saat muß angepflanzt, geerntet und verpackt werden, damit sie im Westen konsumiert werden kann. Frachtschiffe und Flugzeuge müssen gebucht werden. Der Transport vom Hafen zum zentralen Warenlager muß zur rechten Zeit am rechten Ort eingerichtet werden. Jemand muß planen, wieviel Salat Rewe in Bonn braucht, und wieviel Kiwis nach Köln verschoben werden.
Dies resultiert in einer gewaltigen zentralisierten geplanten Operation, die die verschiedensten Abläufe, Arbeiter, Rohstoffe und geistige Arbeit umfaßt.
Die Autoindustrie ist ein anderes Beispiel. Große Autofirmen unternehmen Investitionsentscheidungen und erstellen detaillierte Pläne für Multi-Milliarden Projekte Jahre im voraus. Auch gliedern sie die Herstellung von Komponenten in kleinere Firmen aus. Die Herstellung und Anlieferung der Komponenten muß geplant werden, damit sie dem Grad der Produktion in der "Mutterfabrik" entspricht.

Profit
Aber diese ganze Planung innerhalb des Kapitalismus ist vollkommen auf das Erzielen von Profit und auf die anarchische Konkurrenz zwischen den rivalisierenden Firmen ausgerichtet. Wenn Pläne aufgestellt werden, basieren sie auf Schätzungen darüber, wer in diesem Konkurrenzkampf überleben wird Schätzungen, die in vielen Fällen garantiert falsch sind.
Pläne und Produkte werden von den rivalisierenden Firmen geheim gehalten, was zu einer gewaltigen Verschwendung und Verdoppelung von Forschung und Produkten führt.
In der Werbung werden gewaltige Summen verschwendet, um einer einzigen Firma zu helfen, gegen seine Rivalen zu bestehen.

Überproduktion
Das Auf und Ab der Märkte bedeutet, daß Firmen mehr produzieren, als der Markt aufnehmen kann und dann Pleite gehen. Durch die Überproduktion verfallen die Preise und eine Pleitewelle beginnt. Menschen stürzen ins Elend nicht weil es zuwenig, sondern weil es zu viele Güter gibt.
Die Idee, daß der Markt der beste Weg ist, um die Wirtschaft zu organisieren, stimmt nicht.
Es wäre hundertmal rationaler, daß sich die Leute zusammensetzen und zugunsten der Bedürfnisse der Mehrheit entscheiden würden, welche Prioritäten angegangen werden müßten und wie wir sie umsetzen können. Das würde die Überproduktion von Gütern und Dienstleistungen verhindern.

Kontrolle
Man muß sich nur irgend einen wichtigen Industriezweig anschauen, um Wege zu sehen, wie seine Ressourcen zum Allgemeinwohl eingesetzt werden könnten. Zum Beispiel Industrien wie die Rüstungsindustrie, in der die bestehenden Fähigkeiten der Arbeiter und die Technologie eingesetzt werden könnten, um Rollstühle oder Krankentransporter und so weiter herzustellen.
Eine nach Bedürfnissen geplante Wirtschaft würde bedeuten, würde auch eine erhöhte Flexibilität bedeuten, schnell herzustellen, was gebraucht würde, ohne das Profitabilitätsüberlegungen die Entscheidungen dominieren würden.
Doch eine geplante Wirtschaft, die sich nach unseren Bedürfnissen orientiert setzt voraus, daß wir den Kapitalismus als System abschaffen.
Denn Fabriken, Rohstoffe und Ressourcen befinden sich zur Zeit in den Händen derer, die darum kämpfen, immer mehr Profit zu ergattern, den Kapitalisten. Ihnen sind unsere Bedürfnisse egal.
Am Beispiel Holzmann wird das deutlich. Anstatt arbeitslose Bauarbeiter einzustellen und für die vielen Obdachlosen die in Deutschland leben, Wohnungen zu bauen, entläßt der von unseren Steuergeldern mühsam am Leben gehaltene Konzern 3000 Arbeiter.
Um so etwas zu verhindern, müssen all diese Ressourcen müssen in öffentliches Eigentum übergehen und von der Masse der Menschen, die die Arbeit tun und die Güter produzieren, kontrolliert werden.
Dafür braucht es eine, von diesen Produzenten durchgeführte Revolution, damit wir kollektiv planen können, was wir für das Allgemeinwohl produzieren.

von Frank Renken

Linksruck Nr. 82, 23. Februar 2000

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