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Was steckt hinter dem Konflikt um Kaschmir?

Die Welt wird erschüttert von Krisen und Kriegen. Konfliktherde entstehen überall oder flammen neu auf. Genauso ist es auch in Indien und Pakistan

Beide Länder stehen kurz vor einem Krieg um Kaschmir. Der schon seit 1947 existierenden Konflikt nimmt eine neue Dimension an, denn Indien und Pakistan besitzen seit einigen Jahren Atomwaffen.

Seit Jahren stehen sich indische und pakistanische Truppen auf beiden Seiten der Grenze, die Kaschmir in pakistanisches und indisches Gebiet teilt, in alltäglicher Routine gegenüber. Übertritt jemand die Grenze, wird er erschossen - mittlerweile eine Selbstverständlichkeit.

Die aktuelle Eskalation begann damit, daß militante Islamisten die Grenze gestürmt und auf indische Truppen geschossen haben.

Die islamischen Kämpfer werden vom pakistanischen Militär bewaffnet, trainiert und unterstützt. Sie sagen von sich, sie stünden für Freiheit der Moslems und gegen deren Unterdrückung durch die indische Regierung. Das indische Militär will nun das von den Islamisten eroberte Gebiet und, wie die indische Regierung sagt, Ruhe und die alte Grenzordnung zurück.

Dies wird mit brutalen Mitteln durchgesetzt.

Ganze Dörfer werden niedergebrannt, um Islamisten aufzustöbern und die Einwohner zu bestrafen, bei denen sie sich verstecken konnten. Bill Clinton unterstützt diesen Kurs und appelliert an die pakistanische Regierung, die eigenen Truppen zurückzuziehen.

In Wirklichkeit geht es den beiden Regierungen Indiens und Pakistans um ganz andere Interessen. Pakistan ist ein Land, daß mit $ 45 Mrd. verschuldet ist. Das entspricht etwa 52% der gesamten Produktion der eigenen Bevölkerung. Der IWF hat das Land fest im Griff.

Die herrschenden Cliquen, eine kleine Gruppe superreicher Land- und Fabrikbesitzer, lebt von der skrupellosen Auspressung der Bevölkerung. Ihre einzige Möglichkeit, die Bevölkerung ruhig zu halten, ist Sündenbockhetze und Nationalismus.

Ähnlich sieht es in Indien aus. Die indische Koalitionsregierung aus Ultra-Nationalisten nutzt den Konflikt, um sich bei den anstehenden Wahlen im Herbst in eine bessere Position zu bringen.

Sie führt Krieg gegen Islamisten und schürt gleichzeitig Haß gegen "moslemischen Eindringlinge", die sie jetzt erfolgreich vertreiben will. Dafür gibt sie $4 Mio. täglich aus, während der größte Teil der Bevölkerung in größter Armut leben muß.

Dieses Schema zieht sich durch die Geschichte beider Staaten.

Egal wie dieser Konflikt ausgehen mag, die Gewinner werden die nationalistischen Kriegstreiber, die herrschende Klasse Indien und Pakistans sein und die Verlierer die Armen beider Seiten.

Linksruck Nr. 71, 1. Juli 1999

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