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Schwarzer Aufstand in Cincinnati / USA: "Keine Straßenschlacht, sondern eine Rebellion"

Rassistischer Bundesstaat

43 Prozent der Bevölkerung Cincinnatis ist schwarz. Der Stadtteil Over-the-Rhine, wo Thomas erschossen wurde, wird zu 83 Prozent von Schwarzen bewohnt. Das durchschnittliche Jahreseinkommen in Cincinnati beträgt 14.420 Dollar pro Person; in Over-the-Rhine beträgt es 5.359 Dollar.

In Cincinnati sitzen multinationale Unternehmen wie Kroger Co., Procter & Gamble und Chiquita Brands International Inc. Procter & Gamble besitzt das lokale Baseballteam.

Die Arbeitslosenrate für Cincinnati als ganzes beträgt 3,8 Prozent; unter Schwarzen in Over-the-Rhine beträgt sie 30 Prozent.

Es gibt eine fast vollständige Rassentrennung in den Schulen in Cincinnati.

Die Polizei hat wieder einmal einen unbewaffneten Schwarzen erschossen. Dieses Mal war es der 19 Jahre alte Timothy Thomas. Sein Tod ist der jüngste in einer langen Reihe, die den schwarzen Motorradfahrer Rodney King, den schwarzen haitischen Immigranten Amadou Diallo – 41 Kugeln schoss der Polizist auf ihn – und viele andere vereint. Drei Tage lange Straßenschlachten folgten der Erschießung von Timothy Thomas, eine Ausgangssperre wurde verhängt und der Ausnahmezustand ausgerufen.

Am Tag der Beerdigung von Timothy Thomas schoss die Polizei dann mit Stahlkugelsäcken auf die trauernde Menge. "Sie kamen einfach an und begannen, auf uns zu schießen", sagt eine Frau.

Die Polizei schoss unter anderem auf ein sieben Jahre altes schwarzes Mädchen, auf ihren 11 Jahre alten Cousin, auf eine 34jährige weiße Frau und einen 50 Jahre alten Schwarzen. Die Mutter des sieben Jahre alten Mädchens sagte: "Wir machten nichts außer zu einem Grillimbiss zu gehen, als so ein Polizeiwagen ankam, die Bullen heraussprangen und anfingen zu schießen."

Auch Timothy Thomas hat nichts getan – außer davon zu rennen. Die Polizei hatte ihn seit März letzten Jahres elf Mal angehalten., hauptsächlich für angebliche Verkehrsvergehen. Sie suchten ihn wegen zwölf Beschuldigungen: ohne Führerschein gefahren zu sein und keinen Sicherheitsgurt angelegt zu haben usw. Nach ihrer Dienstzeit jagten ihn zwei Polizisten. Etwa zwölf andere Polizisten beteiligten sich an der Jagd.

Stadtteil Over-the-Rhine, ein von Armut geplagtes und von Schwarzen bewohntes Gebiet: Als einer der Polizisten den unbewaffnet Thomas über ein Hindernis springen sieht, erschießt er ihn.

Erinnerungen werden wach an den letzten großen Aufstand in der Stadt, 1967, nach der Ermordung der schwarzen Bürgerrechtlers Martin Luther King. "Dies sind keine Straßenschlachten, dies ist eine Rebellion", sagte einer von denen, die letzte Woche auf der Straße waren.

Mordende Polizisten

Die Erschiessung von Thomas war die fünfzehnte Tötung eines Schwarzen durch die Polizei von Cincinnati seit 1995 – und die vierte seit November. Nicht ein einziger Weißer wurde von der Polizei in diesem Zeitraum getötet.

Wenige erwarten Gerechtigkeit für Timothy Thomas´ Familie, oder dass seine Mörder für ihre Verbrechen belangt werden.

Das Justizministerium der USA hat bislang nichts getan, um mordende Polizisten zur Verantwortung zu ziehen.

Ein Bericht von Human Rights Watch fand heraus, dass Bundesermittler gegen Polizeibeamte wegen exzessiver Gewaltanwendung in weniger als einem Prozent der Fälle Anklage erhoben haben, in denen Anschuldigungen wegen Missbrauchs gegen die Polizei vorlagen.

George W. Bushs Staatsanwalt ist John Ashcroft. Er hat jetzt das Sagen im Justizministerium.

Ashcroft verehrt die Sklavenhalter des 19. Jahrhunderts.

Als Staatsanwalt in Missouri war er dagegen, die Rassentrennung an den Schulen aufzuheben und legte sein Veto ein gegen ein Gesetz, dass eine einfachere Wahlregistrierung für schwarze Wähler ermöglichen sollte, und er führte eine aufwendige Kampagne gegen die Berufung eines schwarzen Richters.

Linksruck Nr. 108, 25. April 2001

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