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Erdbeben in El Salvador: Hilfe heißt Entschuldung

Exportindustrie: Menschenverachtend

Vor allem Textilunternehmen nutzen die Armut, um ihre Profite in die Höhe zu treiben. In El Salvador stieg der Wert der Exporte von einer Milliarde Mark 1990 auf 3,8 Milliarden 1996. Verantwortlich sind die sogenannten Maquilas. Das sind Fabriken, in denen ausschließlich für den Export produziert wird.

Die Menschen in den Fabriken, zu 85 Prozent Frauen, arbeiten 12 bis 14 Stunden täglich. Der monatliche Durchschnittslohn liegt bei etwa 390 Mark.

Bei einer Schwangerschaft müssen die Frauen mit Kündigung rechnen. In einigen Fabriken bekommen die Arbeiterinnen vorsorglich die Pille sie wird ihnen täglich als Impfstoff gegen Malaria untergejubelt.

Viele Unternehmen ziehen den Arbeiterinnen die Beiträge zu den Sozialversicherungen ab. Das Gesundheitssystem ist auf Druck des IWF längst privatisiert. Die Bosse melden ihre Arbeiterinnen aber nicht bei den privaten Versicherungen an, sondern stecken sich einen Teil des Lohn wieder in die eigene Tasche.

Jedes Jahr vor Weihnachten verlieren viele Arbeiterinnen ihre Jobs so sparen die Bosse das Weihnachtsgeld. Auf ihrer Jahrestagung 2000 in Washington priesen IWF und Weltbank das salvadorianische Modell als vorbildlich die 20.000 Demonstranten vor der Tür hatten jedes Recht zum Protest.

 

Rot-Grün: Schulden streichen!

Mit 3,3 Millionen Mark unterstützt das Entwicklungshilfeministerium El Salvador nach dem Erdbeben. Doch Rot-Grün treibt doppeltes Spiel: An die mögliche spätere Entschuldung sind Bedingungen geknüpft: Unter anderem fordert Heidemarie Wieczorek-Zeul einen "stabilen wirtschaftlichen Rahmen" und die "Förderung der Selbsthilfekräfte der Bevölkerung". Damit redet sie genau der menschenverachtenden Politik das Wort, die der IWF EL Salvador abverlangt.

Deutsche Konzerne dürfen dort indessen ungestört weiter Profite machen. 50 Prozent der Kaffee-Exporte El Salvadors gehen nach Deutschland. Eine Hilfe wäre die rot-grüne Regierung, wenn sie die Schulden streichen würde und die Konzerne zur Ader ließe.

Das Erdbeben hat katastrophale Folgen: In einigen Bezirken wurden 75 bis 90 Prozent aller Häuser zerstört. Die Trinkwasserversorung brach zusammen. Die Zahl der Durchfallerkrankungen explodiert, die Seuchengefahr steigt.

Die 50.000 obdachlosen Salvadorianer hatten nicht einfach Pech. Der größte Teil der Bevölkerung kann sich keine ausreichend befestigten Häuser leisten. 60 Prozent leben in Armut, der Anteil der Arbeitslosen und gering Beschäftigten liegt ebenfalls bei 60 Prozent.

Kein Wunder, dass im ländlichen El Salvador die meisten Menschen in einfachen Lehmhäusern wohnen, die keiner Belastung standhalten. Aber auch befestigte Häuser boten nicht immer Schutz. Gedeckt von der Regierung stampften Bauunternehmen neue Stadtviertel an unbefestigten Berghängen aus dem Boden eine dieser Siedlungen wurde von einem Erdrutsch begraben.

Abhängig

Das kleine El Salvador ist mit 5,2 Milliarden Mark im Ausland verschuldet. An eine zukünftige Vergabe von Krediten zur Entschuldung knüpft der Internationale Währungsfonds (IWF) die Bedingung, Strukturanpassungsprogramme durchzuziehen.

Zu diesen neoliberalen Programmen gehört es zum Beispiel, staatliche Dienstleistungen zu privatisieren. So kann sich die Mehrheit der Salvadorianer weder den Zugang zu Bildung noch zur Gesundheitsversorgung leisten. Spätestens jetzt, da tausende Verletzte in Parkhäusern behandelt werden müssen, rächt sich die Privatisierung.

Der IWF verlangt eine exportorientierte Wirtschaft, damit das Land überhaupt an Dollars kommen kann, mit denen es die Schulden zurückzahlen kann. Darum werden Industrien angesiedelt (s. Kasten), die die niedrigen Löhne für fremde Märkte ausnutzen. Darum macht Kaffee ein Drittel der gesamten Exporte aus, obwohl die Weltmarktpreise immer weiter fallen.

So treibt der IWF El Salvador in die Abhängigkeit von Monokulturen und skrupellosen Konzernen. Diese Politik führt zwar zu einem hohem Wirtschaftswachstum, aber auch zu immer mehr Armut und Elend. Das Erdbeben warf ein Schlaglicht auf diese katastrophale Abhängigkeit der Entwicklungsländer.

Der einzige Ausweg ist ein Bruch mit dieser neoliberalen Politik und die sofortige Entschuldung.

von Jan Maas (E-Mail)

Linksruck Nr. 102, 24. Januar 2001

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