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Kommentar: Israel: Bollwerk gegen Antisemitismus?

Die Linke in Deutschland streitet sich über die Unterstützung der palästinensischen Intifada. Auf einer Solidaritätsveranstaltung, die ich besuchte, kam es zum Streit zwischen den palästinensischen Veranstaltern und pro-israelischen deutschen Linken, die aus Protest den Saal verließen. Die Mitarbeiterin eines alternativen Radiosenders in Hamburg wurde gefeuert, weil ihr palästinensischer Gast das Vorgehen Israels mit den Nazis verglich. "Konkret" und "Jungle World" unterstützen Israel, setzen Antizionismus gleich mit Antisemitismus und sehen eine breite Front gegen Israel.

Ist Israel wirklich ein Bollwerk gegen Antisemitismus? Der Zionismus hat den Kampf gegen den Antisemitismus aufgegeben. Der Zionistenführer Herzl schrieb: Der "Versuch, den Antisemitismus zu besiegen, ist sinnentleert und zwecklos". Juden könnten nicht mit Nichtjuden zusammenleben. Ein Judenstaat müsse her.

Es sollte für ein Volk ohne Land ein Land ohne Volk geben. In Palästina lebten aber schon 1.300.000 Araber. Sie wurden gewalttätig vertrieben, von 475 palästinensischen Dörfern wurden 385 von den Zionisten zerstört. Wo immer die Palästinenser flohen, kam Israel nach und brachte Zerstörung und Armut ins Land. Daher stammt der Hass der Palästinenser und der Mehrheit der Araber auf Israel. Es ist kein Antisemitismus. Letztendlich hat der Zionismus den Juden nichts genützt, sondern eine ganze Region gegen sie aufgebracht.

Unterstützer

Ohne mächtige Unterstützer hätte es Israel nie gegeben. Der Zionismus verkaufte Israel als westlichen Agenten im Mittleren Osten. Die israelische Zeitung "Haaretz" beschrieb Israel als "Wachhund" westlicher Interessen, auf den man sich "bei der Bestrafung benachbarter Staaten verlassen kann", die diese Interessen bedrohten.

Die Hälfte der Ölquellen der Welt liegen im Mittleren Osten. Die USA, die selbst Juden aus Nazideutschland die Einreise verweigerten, erkannten den Nutzen Israels. Auf der anderen Seite stützten sie die korrupten arabischen Diktatoren. Wenn diese Länder gegen US-Interessen verstießen, konnten die USA sich auf das kampfbereite Israel verlassen.

Die USA bestachen arabische Herrscher mit Zuckerbrot, verbündeten sich mit Ägypten oder Saudi-Arabien. Gleichzeitig hielten sie für den Notfall die Peitsche Israel in der Hand. Kein Wunder, dass Israel der Hauptempfänger von US-Finanzhilfe und drittstärkste Militärmacht der Welt ist.

Die USA will heute weiterhin sicherstellen, dass Öl fließt, dass Israel ihre strategische Waffe in der Region bleibt und dass die arabischen Länder stabil bleiben. Dieses bereitet jedoch Probleme.

Fast alle arabischen Länder sind instabile Gesellschaften, mit einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich. Die weitverbreitete Solidarität mit den Palästinensern unter der arabischen Bevölkerung ist Sprengkraft für die ganze Region. Für sie ist die Intifada eine Inspiration für den Kampf gegen die eigenen Unterdrücker.

Die USA wollen eine Lösung, welche die arabischen Herrscher beruhigt, ohne Israel zu schwächen. Das Ende des Kalten Kriegs war eine Chance. Das Oslo-Abkommen schuf kleine Enklaven für die Palästinenser, die sie besänftigen und den Druck auf die arabischen Herrscher beseitigen sollten. Dadurch wurde das Flüchtlingsdasein der Palästinenser aber nur noch verfestigt. Der amerikanische Intellektuelle Edward Said nennt die autonomen Gebiete einen "Käfig". Ein neuer Aufstand war vorprogrammiert.

Dass Islamisten, die oft antisemitisches Vokabular benutzen, Einfluss auf die Aufständischen haben, hat mit dem Scheitern Arafats zu tun. Die Intifada richtet sich auch gegen ihn und seine Autonomiebehörde, weil sie Illusionen in den Friedensprozess schürten und sich auf Kosten der Bevölkerung bereichert haben.

Antisemiten?

Der Staat Israel bezeichnet jeden als Antisemit, der sich gegen die blutige Unterdrückung der Araber wendet. Dadurch erschwert Israel eine echte Bekämpfung des Antisemitismus. Es erlaubte dem Westen, eine wirkliche Auseinandersetzung mit den Antisemitismus und dem Holocaust zu vermeiden. Die Begriffe wurden für Israels Machtinteressen instrumentalisiert. Ein neues jüdisches Ghetto wurde geschaffen, umkreist von Feinden.

Die deutsche Linke sollte auf antizionistische Juden wie Noam Chomsky und seinen Appell mit 33 jüdischen Intellektuellen hören: "Wir dürfen unsere palästinensischen Schwestern und Brüder nicht zu einem Schicksal verdammen, ähnlich wie das, wogegen unsere Vorväter zu recht kämpften. Wir Juden müssen ein Ende des Krieges gegen die Palästinenser und der israelischen Besetzung von Westjordanland und Gaza, das Recht auf palästinensiche Selbstbestimmung und den Abbau der israelischen Apartheid fördern. Es ist nicht in unserem Interesse, dass wir die Zustände, die Widerstand und Blutvergießen andauernd reproduzieren, verstärken. Solidarität mit den Palästinensern ist in Wirklichkeit Solidarität mit den Juden."

von Ahmed Schah

Linksruck Nr. 100, 13. Dezember 2000

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