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Afghanistan: Das große Spiel

Im neunzehnten Jahrhundert schüttelte Afghanistan das koloniale Joch ab.
Aber das Land wurde zwischen dem Russischen Reich im Norden und dem Britischen Empire im Süden zerrieben, die beide um die Vorherrschaft in Zentralasien kämpften.
Kurz bevor er Vizekönig von Indien wurde, schrieb Lord Curzon über Afghanistan und seine Nachbarn: "Ich schwöre, dass sie Figuren auf einem Schachbrett sind, auf dem ein Spiel um die Weltherrschaft ausgetragen wird."
Diesen Kampf nannte man "Das Große Spiel".
Das Ende des Zweiten Weltkriegs brachte einen neuen Machtkampf.
Afghanistan geriet im Kalten Krieg in die Schusslinie zwischen den beiden Supermächten USA und UdSSR.
1979 begann eine pro-russische afghanische Regierung zusammenzubrechen, die erst ein Jahr zuvor an die Macht gekommen war.
Unterschiedliche islamische Gruppen rüsteten sich, um entlegenere Gebiete unter ihre Kontrolle zu bringen. Afghanistan drohte in einem Bürgerkrieg zu versinken.
Dann mischten sich die Supermächte ein, und gossen Öl auf die Flammen.
Im Dezember 1979 entsendete Russland Truppen nach Afghanistan, um die geschwächte Regierung zu stützen. Die USA wiederum warfen ihr Gewicht hinter die zusammengewürfelten Kräfte, die sich gegen Russland wandten.
Über ihre Verbündeten Saudi-Arabien und Pakistan ließen die USA den Rebellen allein im Jahr 1980 500 Millionen Dollar Waffenhilfe zukommen. Osama bin Laden war eine Schlüsselfigur in diesem Versuch der USA, den Widerstand unter ihre Kontrolle zu bringen.
Ronald Reagan sprach damals vom "mutigen afghanischen Befreiungskampf". Der Krieg verwüstete das Land, worauf Hunderttausende flohen.
1988 und 1989 wurde Russland schließlich gezwungen, seine Truppen zurückziehen.
Die lose Mudschahedin-Koalition eroberte 1992 schließlich die Hauptstadt.
Zu diesem Zeitpunkt, als beinahe ein Viertel der Bevölkerung in Flüchtlingscamps lebte und das Land in Trümmern lag, strichen die USA und der Westen jegliche Hilfe.
Die USA hatten 3 Milliarden Dollar aufgetrieben, um den Krieg zu finanzieren, aber nicht einen Cent, um das Land wieder aufzubauen.
Die Mudschahedin spalteten sich. Eine Gruppe, die vom Iran unterstützt wurde, eroberte Kabul. Amerika und Saudi-Arabien unterstützten eine rivalisierende Gruppe. Sie bombardierten Kabul, und 25.000 Menschen starben. Die Gruppe scheiterte aber daran, Kabul zu erobern, und fiel auseinander.
1994 betraten die Taliban die Bildfläche, und eroberten 1996 mit amerikanischer Hilfe Kabul.
Heute spielen die USA, Russland, europäische Mächte, Ölkonzerne und lokale Herrscher wieder ein Schachspiel, das sich von der Türkei über Zentralasien bis zu den westlichen Provinzen Chinas erstreckt.. Die Männer, die die Figuren bewegen, treiben Millionen Menschen in Armut. Zehntausende müssen vor Bürgerkriegen fliehen.
Ein militärischer Schlag von Bush und der NATO wird alles nur schlimmer machen. Und er wird genügend Hass säen, so dass mehr Menschen zu sterben bereit sind, um dem Westen zu schaden.

Linksruck Nr. 114, 19. September 2001

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