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marxismus konkret: Linke gegen Terrorismus?

Nach dem Anschlag von Dscherba schürt die deutsche Presse die Angst vor islamistischen Terroranschlägen. Viel mehr Menschen werden jedoch vom Terror der großen Militärmächte ermordet.

Außenminister Fischer forderte, dass sich die Kritik der Solidaritätsbewegung mit Palästina nicht mehr länger einseitig gegen Israel richten dürfte. In einem Interview der Frankfurter Rundschau behauptete Fischer, die radikale Linke würde Terroranschläge gutheißen. Terrorismus ist kein geeignetes Mittel, um unsere Ziele durchzusetzen. Nur ist Terror von Unterdrückten nicht dasselbe, wie Terror von Unterdrückern. Eine gute Analyse des Terrorismus lieferte der russische Revolutionär Leo Trotzki in der Broschüre "Über den Terror". Trotzki schrieb den Artikel 1911 für die österreichische Sozialdemokratie, als sich terroristische Ideen in der österreichischen Arbeiterklasse ausbreiteten.

Er warnte in dem Artikel davor, den Moralaposteln zu vertrauen, die Terrorismus wegen eines absoluten Wertes, wie dem Recht auf Leben, ablehnen. "Das sind dieselben Leute, die bei anderer Gelegenheit im Namen von anderen absoluten Werten zum Beispiel der Ehre der Nation oder dem Ansehen der Monarchie bereit sind, Millionen von Menschen in die Hölle des Krieges zu schicken."

Diese Worte treffen auf Fischer hundertprozentig zu. Er berief sich auf die Menschenrechte, als deutsche Kampfjets Jugoslawien bombardierten. Tausende Unschuldige starben in den Bombardements der NATO. Ebenso unterstützte er Bushs Krieg gegen Afghanistan im Namen der westlichen Zivilisation.

Die Regierung genehmigt Waffenlieferungen nach Israel. Im selben Interview der Frankfurter Rundschau, in dem er den Terror verurteilt, bekennt sich Fischer zu der "Rüstungszusammenarbeit mit Israel".

Die Regierung lehnt Terrorismus nur dann ab, wenn die Opfer der westlichen Staaten zu Sprengsätzen greifen. Staatlichen Terrorismus dagegen halten sie für gerechtfertigt. Unsere Ablehnung des Terrorismus darf mit dieser Heuchelei nichts gemein haben.

In Palästina steht auf der einen Seite die mächtige israelische Staatsmaschinerie, die die Palästinenser mit modernster Technik und westlicher Waffenhilfe unterdrückt. Auf der anderen Seite antwortet eine Minderheit der Unterdrückten mit Terror. Fischer setzt beides gleich.

Die deutschen Politiker stellen den Terrorismus als Folge fanatisierter Islamisten dar, um die eigene Verantwortung zu verschleiern. Trotzki beschrieb "das Gefühl der Rache auf der Suche nach einem Ventil" als "die wichtigste psychologische Quelle des Terrorismus". Solange es keine Gerechtigkeit gibt, wird es keinen Frieden geben. Verantwortlich für jedes einzelne Terroropfer sind letztlich die israelische Regierung und die westlichen Staaten.

Der Wunsch nach Rache muss deshalb in den richtigen Bahnen bleiben: "Wenn wir uns terroristischen Akten widersetzen, so nur deshalb, weil individuelle Rache uns nicht zufriedenstellt. Lernen zu sehen, dass all die Verbrechen gegen die Menschlichkeit entstellte Auswüchse und Äußerungen der bestehenden sozialen Ordnung sind, um unsere ganze Kraft auf einen gemeinsamen Kampf gegen dieses System zu richten, das ist die Richtung, in der der brennende Wunsch nach Rache seine höchste moralische Befriedigung finden kann."

Muslimische Terroristen reagieren darauf, was sie von der israelischen Regierung ständig hören. Weil sie behauptet, im Namen aller Juden zu handeln, töten Terroristen nicht nur Soldaten und Minister Israels, sondern auch unschuldige israelische Zivilisten.

Auf den Demonstrationen gegen Israels Krieg demonstrieren Deutsche, Juden und Palästinenser gemeinsam. Die beste Art zu verhindern, dass sich der Terror zu einer politischen Strömung in Deutschland entwickelt, ist, diese Kampagne weiter aufzubauen.

Das bedeutet auch, dass wir den Terrorismus auf die "unversöhnlichste Weise" ablehnen. Denn er ist ein Hindernis im Aufbau einer gemeinsamen Bewegung.

Während die Terroristen davon ausgehen, dass der Terror Verwirrung in den Reihen der Herrschenden sät, ist das Gegenteil der Fall. "Die Verwirrung die in die Reihen der arbeitenden Massen gesät wird, ist in jedem Fall viel tiefer", schrieb Trotzki.

Die Blindheit der Terroristen zeigt sich gerade darin, dass sie wahllos auch Menschen töten, die möglicherweise Verbündete im Kampf gegen den Krieg Israels sind.

Linksruck Nr. 129, 30. April 2002

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