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Das Urteil:

Geld regelt alles

Jeder hat ein Geheimnis. Etwa die Frau eines Pfarrers, die heimlich abgetrieben hat. So jemand ist die perfekte Geschworene für Rankin Fitch (Gene Hackman). Als „Geschworenen-Berater“ entscheidet Fitch Gerichtsurteile gewöhnlich schon bevor sie begonnen haben, indem er die Leute erpresst, verprügeln lässt oder zum Selbstmord treibt. Denn laut Fitch sind „manche Urteile zu wichtig, um sie Geschworenen zu überlassen“.
Wie dieser Fall: Eine Frau, deren Mann von einem Amokläufer erschossen wurde, hat den Waffenkonzern auf Schadenersatz verklagt. Sollte sie gewinnen, würden dutzende weitere Opfer die Waffenunternehmen für die Herstellung ihrer Mordwerkzeuge vor Gericht bringen. Fitch lässt schon bei der Auswahl der Geschworenen alle Gegner von Waffen und andere Linke hinauswerfen. Nur den auffällig unauffälligen Nic Easter (John Cusack) konnte Fitch nicht mehr entfernen.
Kurz darauf erhalten sowohl Fitch als auch Wendell Rohr (Dustin Hoffman), der Anwalt der Klägerin, Anrufe von einer gewissen Marlee (Rachel Weisz): Sie bietet den Gegnern an, die Geschworenen jeweils in eine Richtung zu beeinflussen – für 1 Million Dollar …
Gene Hackman gibt in seiner dritten Verfilmung eines Romans von John Grisham als menschenverachtende Arroganzbestie eine Glanzvorstellung. Und bewegt sich dabei nahe an der Realität: Schon lange geben in den USA Konzerne und Politiker bei wichtigen Prozessen Millionen für „Berater“ aus, welche die Geschworenen auf ihre Seite bringen sollen.
Regisseur Gary Fleder („Sag kein Wort“) richtet seinen Film zum einen gegen dieses Justizsystem, in dem ganze Berufszweige legal damit beschäftigt sind, ungerechte Urteile durchzusetzen. Obwohl der Film zu großen Teilen im Gerichtssaal spielt, kommt nicht eine Sekunde Langeweile auf, weil man den Prozess teilweise durch Fitchs illegale Kamera im Saal betrachtet.
Mal werden die entscheidenden Szenen übergroß mal als Standbild oder in Wiederholung gezeigt. So wird der Zuschauer in Fitchs Kampf für die Waffenfirmen reingezogen, die dadurch umso widerwärtiger erscheinen. Denn gleichzeitig klagt „Das Urteil“ die Waffenkonzerne an, welche Milliarden damit verdienen, dass in den USA durchschnittlich jeden Tag 80 Menschen mit Schusswaffen getötet werden.
Beide Themen verbindet der Regisseur zu einem Nerven zerreißenden Thriller mit vielen überraschenden Wendungen, der bis zum Schluss sowohl mit seinen Hauptfiguren als auch mit dem Zuschauer Katz und Maus spielt. Leider wird es einen Prozess wie im Film in Wirklichkeit wohl nicht mehr geben. Letztes Jahr hat das Parlament der USA ein Gesetz beschlossen, dass Schadenersatzklagen gegen Konzerne deutlich erschwert. Die Begründung war, dass diese Klagen die Wirtschaft zu stark belasteten.

von Hans Krause

Linksruck Nr. 177, 12. Mai 2004

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