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Wenn der Postmann zweimal streikt

Die Postler sind im Warnstreik. Sie wehren sich gegen Kürzungen und fordern 4 Prozent mehr Lohn.
Jeder sollte sie in ihrem Kampf unterstützen – denn ein Schlag gegen die Bosse der Deutschen Post ist ein Schlag gegen Kanzler Schröder.
Der Konzern macht dieses Jahr einen Rekordgewinn von 3,6 Milliarden Euro. Die acht Vorstandsmitglieder haben ihr Gehalt bereits letztes Jahr um 38 Prozent erhöht – von 7,4 auf 10,2 Millionen pro Jahr.
Die Angestellten müssen dafür bezahlen. In den letzten zehn Jahren hat die Deutsche Post über 150.000 Stellen gestrichen. Von 30.000 Filialen sind nur noch 12.700 übrig – zum Schaden der Kunden.
Die übrig gebliebenen Kollegen müssen die Arbeit der Entlassenen mitleisten. Die Zustellrunden für die einzelnen Postboten werden immer länger. Arbeitswochen von 48 Stunden, bei Glatteis sogar weit darüber, werden immer häufiger.
Die Löhne sinken, viele Vollstellen werden in Billigjobs umgewandelt.
Laut den Kritischen Aktionären der Deutschen Post verdienten die Arbeiter in den Postfilialen letztes Jahr durchschnittlich nur noch 22.000 Euro, obwohl es vor kurzem noch 34.000 Euro waren.
Selbst Rentner die bei der Deutschen Post gearbeitet haben, sind nicht vor den Angriffen der Manager sicher. Ende letzten Jahres kündigte das Unternehmen an, die Beiträge für die 700.000 Versicherten der Postbeamtenkrankenkasse stark zu erhöhen. Dort sind vor allem ehemalige Postarbeiter versichert.
Verwaltungskosten von 110 Millionen sollen auf die Versicherten abgewälzt werden. Das wäre eine Erhöhung der Beiträge um 17,6 Prozent bis 2009.
Seit diesem Jahr werden die Angriffe der Bosse immer heftiger. Der Vorstandsvorsitzende Zumwinkel will den Beamten bei der Deutschen Post das Urlaubsgeld komplett streichen und das Weihnachtsgeld auf 60 Prozent kürzen. Für einen verheirateten Briefträger sind das 900 Euro weniger im Jahr. In der jetzigen Tarifrunde wollen die Manager weitere Verschlechterungen durchsetzen.
Die Vorstand wird dabei von seinem Hauptaktionär unterstützt: der Regierung. Sie hat die Privatisierung der Deutschen Post durchgeführt, um Hunderttausende zu entlassen.
Beschäftigte bluten lassen um Profite zu erhöhen – was Zumwinkel bei der Deutschen Post vormacht, ist auch Schröders Politik für ganz Deutschland. Die „Agenda 2010“ und die Angriffe der Bosse sind zwei Seiten derselben Medaille.
Ein Erfolg der Postarbeiter wäre ein Schlag gegen unsoziale Politik insgesamt, und damit auch ein Sieg über Schröder.
Die Dienstleistungsgewerkschaft ver.di hat angekündigt, die Warnstreiks in den nächsten Wochen auszuweiten. Die Macht der gewerkschaftlich organisierten Arbeiter ist groß. Nur 700 Kollegen in Postverteilzentren haben bereits den gesamten Briefverkehr in Baden-Württemberg lahmgelegt.
Diese Kampfkraft muss ver.di jetzt auch einsetzen, um den Verfall der Arbeitsbedingungen bei der Deutschen Post aufzuhalten.
Jeder der das Ende des Sozialabbaus wünscht, sollte die Gewerkschaft dabei unterstützen.
Die Postarbeiter machen jetzt – was die Gewerkschaftsführer in den letzten Wochen versäumt haben.
Seit den großen Protesten gegen Schröders Politik am 3. April, haben die Gewerkschaften keinen Widerstand mehr organisiert.
Weitere Proteste sind nach wie vor nicht geplant, obwohl große Kürzungen, zum Beispiel beim Arbeitslosengeld, anstehen. Aktive Gegenwehr wie die der Postkollegen, wäre die richtige Antwort auf Schröders Politik. Denn abwarten hat noch keinen Politiker zu mehr sozialer Gerechtigkeit getrieben.

Linksruck Nr. 178, 26. Mai 2004

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