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„Kopf hoch“ sagen 3000 in Frankfurt am Main

Gegen das Kopftuchverbot in Hessen haben am 5. Juni rund 3000 Menschen demonstriert, überwiegend junge Musliminnen. Die meisten kamen mit Kopftuch, etliche auch ohne.
Während der gesamten Demo herrschte kämpferische Stimmung. Die Frauen skandierten vier Stunden lang Parolen. Der Zug bewegte sich durch die wichtigsten Einkaufsstraßen Frankfurts.
Die jungen Musliminnen strahlten Selbstbewusstsein aus. Es ist schwer zu sagen, was überwog: der Kampf um Religionsfreiheit oder der Kampf der jungen Frauen um ihr Recht auf Selbstbestimmung. Das Gefühl, nicht allein zu sein, herrschte vor. Die Parolen auf den Transparenten waren vielfältig, unter anderem: „Islamophobie rechtfertigt Unrecht und Krieg“.
Einige Vertreter der islamischen Gemeinde versuchten, Transparente und Parolen zu unterbinden. Die jungen Frauen, die die Demo ohne jegliche Unterstützung der Moscheen angemeldet hatten, sagten dazu ganz einfach, es sei zu spät und setzten sich durch.
Nur wenige Nichtmuslimen beteiligten sich. Gewerkschaften und Globalisierungskritiker waren abwesend. Passanten zeigten Neugierde und viele Musliminnen gingen bereitwillig auf etliche Fragen ein.
Auf der Schlusskundgebung wurde nochmals sehr deutlich gemacht, dass es sich beim Kopftuchverbot um eine rassistische Kampagne handelt. Pazhareh, eine der Organisatorinnen, erhielt Beifall, als sie sagte: „Das Verbot führt nur dazu, dass Frauen in eine noch tiefere Abhängigkeit von ihren Familien getrieben werden.“
Eine Sprecherin der islamischen Hochschulgemeinde sagte, dass Kochs Politik bereits Wirkung zeige: Man spüre eine neue Welle von Vorurteilen gegen Kopftuchtragende.
Eine Einladung zu einem Treffen zur Vorbereitung weiterer Aktionen gegen das geplante Gesetz wurde zu Hunderten von jungen Musliminnen verteilt. Das Treffen findet am Dienstag, den 15. Juni 2004, um 19.00 Uhr im DGB-Jugendclub statt (Untermainkai 68). Mehr Infos: Pazhareh 0174/852 98 73

von David Paenson

Linksruck Nr. 179, 9. Juni 2004

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