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marxismus aktuell:

Wie Meinung ge-Bild-et wird

Februar 2003: US-Außenminister Powell behauptet vor dem Weltsicherheitsrat der UNO, der Irak besitze Massenvernichtungswaffen. Die Bild stimmt zu. Wie die meisten Massenmedien auf der Welt verbreitet die Zeitung Powells Lügen und schürt Stimmung für den Krieg gegen den Irak.
Über den wahren Grund für den Überfall berichteten die meisten Massenmedien nicht – die USA wollen ihre Kontrolle über den Nahen Osten festigen. Woher kommt diese Einseitigkeit?
Die Massenmedien sind riesige Konzerne, deren Überleben von wachsenden Profiten abhängt. Darin gleichen sie jedem anderen kapitalistischen Unternehmen. Sie berichten nicht nur über die Globalisierung, sondern sie sind ein untrennbarer Bestandteil der Globalisierung.
In den letzten Jahren sind immer mehr Medienfirmen zu so genannten Global Players – weltumspannenden Konzernen – geworden: AOL Time Warner und Disney aus den USA beispielsweise oder Bertelsmann-Springer aus Deutschland.
Wenn Schröder Steuern für Konzerne und Reiche in Deutschland senkt, dann machen auch die deutschen Medienkonzerne mehr Gewinne. Wenn Schröder die Arbeitslosenhilfe abschafft, indem er die Hartz-IV-Gesetze einführt, zwingt er arbeitslose Drucktechniker, sich unter Tariflöhnen zu verkaufen. Die Süddeutsche Zeitung macht dann auch mehr Profite.
Die Personalchefs in den Medienkonzernen sorgen dafür, dass nur Journalisten eingestellt werden, die ihre politische Meinung vertreten und setzen diejenigen unter Druck, die versuchen, kritisch zu berichten.
Die Profite hängen davon ab, ob Auflagenzahlen oder Einschaltquoten steigen. Nur hohe Quoten bringen andere Konzerne dazu, Werbung zu schalten – und die ist eine der wichtigsten Einnahmequellen der Massenmedien.
Die Medien konkurrieren um Leser, Zuschauer oder Zuhörer: um uns. Sie müssen an den Erlebnissen, Sorgen und Fragen, die unser Alltag mit sich bringt, anknüpfen.
Wenn wir uns fragen, warum wir 10 Euro beim Arzt bezahlen müssen, dann berichten die Medien zum Beispiel über Eichels Haushaltsloch oder bringen Reportagen über angeblich faule Ausländer und Arbeitslose, die den Sozialstaat „plündern“.
Aber sie stellen Probleme immer aus der Perspektive der herrschenden Klasse, der Politiker und Wirtschaftsbosse, dar. An Eichels Haushaltsloch sind weder Ausländer noch Arbeitslose schuld, sondern die Steuergeschenke, die er den Reichen und Konzernen macht.
Dennoch glauben viele Menschen die Geschichten der Massenmedien, denn sie decken sich oft mit Erfahrungen, die sie gemacht haben. Wenn große Konzerne keine Steuern mehr zahlen, dann bekommt das kaum jemand mit. Wenn uns jemand die Brieftasche klaut, schon.
Andere Erfahrungen, die wir machen, widersprechen den Geschichten in den Massenmedien.
Wenn Rot-Grün, die CDU, die Bosse und die Medien Tag für Tag behaupten, dass wir Arbeitsplätze sichern, wenn wir unbezahlt länger arbeiten, dann wissen viele Menschen, dass sie lügen.
Denn viele Arbeiterinnen und Arbeiter haben bereits die Erfahrung gemacht, dass der Chef ihre Kollegen oder sie selber entlassen hat, obwohl sie immer länger und für immer weniger Geld gearbeitet haben. Das erfuhren Lehrer, Angestellte im öffentlichen Dienst, Krankenpfleger, Busfahrer, Bauarbeiter – die Liste lässt sich endlos fortsetzen.
Solange sich diese Menschen nur einzeln vor dem Fernseher aufregen, bleiben die Lügen der Bild unwidersprochen.
Aber am 3. April haben in Deutschland 500.000 Menschen gegen die Agenda 2010 protestiert, obwohl alle Medien diesen Angriff auf den Sozialstaat unterstützen. Die Bewegung gegen Sozialabbau bildet innerhalb der Bevölkerung eine Gegenmacht zu den Medienkonzernen, die behaupten, der Sozialabbau sei richtig und ohne Alternative.
Ähnliches passierte auch am 15. Februar 2003, als Millionen Menschen auf der Welt gegen den Krieg im Irak protestierten. Kriegsgegner fühlten sich durch die Bewegung gegenüber den Lügen der Medien gestärkt.
An dieser Anti-Kriegsstimmung können die Massenmedien nicht mehr vorbeigehen. Ein Jahr, nachdem sie den Einmarsch in Bagdad gefeiert hatten, übertrafen sich dieselben Zeitungen und Fernsehrsender mit Berichten über folternde US-Soldaten.
Aber sie hören auch heute nicht auf zu lügen, obwohl sie gezwungen sind, über US-amerikanische Folterer zu berichten. Sie behaupten, die Soldaten seien psychisch kranke Einzelfälle und verschweigen, dass die Soldaten auf Befehl der Regierung handelten.
Letztlich waren es die Antikriegsaktivisten, die monatelang aufgeklärt und die größte Demonstration der Weltgeschichte mobilisiert haben. So brachten sie Powell und Bush auf die Anklagebank. Die Medien sind erst der Bewegung gefolgt und kritische Journalisten bekamen Rückenwind.

von Monika Krala (E-Mail)

Linksruck Nr. 181, 7. Juli 2004

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