Irak: Bevölkerung schlägt zurück

Schiiten und Sunniten kämpfen im Irak gemeinsam gegen US-Besatzer.

Die US-Armee führt Krieg gegen den immer größeren Widerstand der Iraker. Am 13. August bombardierten US-Kampfflugzeuge die sunnitische Stadt Samarra, um „bekannte feindliche Stellungen“ zu vernichten.
Durch die Angriffe wurden 50 Iraker ermordet. Mehrere hundert Mitglieder der mit den USA verbündeten irakischen Nationalgarde in Samarra hatten angekündigt zu desertieren. Sie wollen nicht länger an der Seite der Besatzer kämpfen, sondern gemeinsam mit der schiitischen Mehdi-Miliz gegen ihre bisherigen Kommandeure.
„Falludscha ist mit Nadschaf, das Ziel ist Amerika“. Diese Parole riefen tausende Demonstranten, die in der sunnitischen Stadt Falludscha auf die Straße gingen. Auch in mehreren anderen sunnitischen Städten protestierten die Menschen gegen die Angriffe der US-Besatzer.
Am Vortag hatten US-Truppen eine Großoffensive auf Nadschaf gestartet, um den Widerstand der Schiiten zu brechen. Das irakische Gesundheitsministerium zählte 160 Todesopfer und rund 600 Verletzte in 24 Stunden. Mehrere tausend Iraker flüchteten aus den Kampfgebieten.
Schon Tage vor ihrem Angriff hatten US-Soldaten gemeinsam mit irakischen Kollaborateuren die Zufahrtsstraße zur Imam-Ali-Moschee abgeriegelt, in der sich der Anführer der schiitischen Mehdi-Miliz, Muktada al-Sadr, aufhielt. Auch der benachbarte Friedhof „Tal des Friedens“ wurde mehrmals bombardiert. Mitglieder der Mehdi-Miliz hatten sich dort gesammelt.
Während der Gefechte hat die US-Armee 18 Wohnhäuser, fünf Pilgerhotels und zwei Religionsschulen bombardiert. Wegen den Bombardierungen griffen immer mehr Iraker zur Waffe, um sich zu verteidigen.
Der Vizegouverneur von Nadschaf Dschaudat al-Kuraischi legte am Donnerstag aus Protest gegen die US-Angriffe sein Amt nieder und bezeichnete die Militäroperation als „terroristischen Einsatz“. Am nächsten Tag traten weitere 16 der 30 Mitglieder der Provinzregierung aus Protest zurück.
Auch der irakische Vizepräsident Ibrahim al-Dschafaari forderte die USA zum Rückzug auf: „Nur irakische Truppen sollten in Nadschaf bleiben“, erklärte er gegenüber dem arabischen Fernsehsender Al-Dschasira.
Der von den US-Besatzern eingesetzte Ministerpräsident Allawi bleibt seinen US-Verbündeten treu und schiebt den irakischen Freiheitskämpfern die Schuld an der Militäroffensive zu.
Deswegen sind mehrere tausend Menschen in Nassirija auf die Straße gegangen. Sie riefen: „Nieder, nieder mit Allawi“, und „Allawi, du Feigling, du amerikanischer Agent“.
Aus Protest gegen die Übergangsregierung, die von den Besatzern eingesetzt wurde, streiken seit Donnerstag Angestellte der Ölpumpstation Nassirija.
Die US-Truppen seien mit Unterstützung der Übergangsregierung über die Pilgerstadt Nadschaf hergefallen, meinten die Arbeiter. Auch der stellvertretende Gouverneur der Ölstadt Basra, Haj Salam Awdeh al-Maliki, kündigte Widerstand gegen die Besatzung an: Er drohte, sich gemeinsam mit den Polizei- und Sicherheitskräften der Stadt dem Freiheitskampf anzuschließen.


Linksruck Nr. 182, 1. Januar 1970





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