Bötzingen/Freiburg: Der alternative Betriebsrat

Wie kann die Wahlalternative Arbeit und soziale Gerechtigkeit Widerstand im Betrieb unterstützen? Darüber sprach Linksruck mit Sigi Buttenmüller, Beschäftigter bei Peguform in Bötzingen und aktiv in der Wahlalternative Freiburg.

Fünfhundert der 1500 Beschäftigten der Autozulieferfirma Peguform droht die Entlassung. Wie wird das begründet?
Die Insolvenzverwaltung, die Geschäftsleitung und auch die Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie (IG BCE) sowie der Betriebsrat behaupten, dass eine Übernahme durch die Firma Cerberus Peguform retten könnte.
Aber Cerberus will schnellen Profit. Deshalb macht Cerberus neben drastischen Lohnkürzungen in allen Peguform-Werken den Personalabbau um 500 Stellen im Stammwerk Bötzingen zur Bedingung. Unter Ausnutzung der Insolvenzsituation soll so Geld für Sozialpläne und Personalkosten gespart werden.

Im August gab es bei euch eine große Kundgebung. Habt ihr Unterstützung aus der Bevölkerung?
Die Bevölkerung im Umkreis von Bötzingen bis nach Freiburg ist sehr solidarisch mit uns. Das haben unter anderem die Kundgebung, aber auch die Reaktionen des Bötzinger Bürgermeisters, des Landrates, der Wahlalternative Freiburg und noch zahlreicher anderer Personen und Organisationen gezeigt.

Wie unterstützt euch die Wahlalternative?
Die Wahlalternative hilft schon dadurch, dass sie gegen die Kürzungen beim Arbeitslosengeld kämpft. Das kommt auch uns bei Peguform zugute. Es muss aber weiter demonstriert und gekämpft werden.
Andernfalls drohen weitere Verschlechterungen, etwa im Gesundheitswesen oder beim Kündigungsschutz. Wir brauchen eine Regierung, die die Interessen der Masse der kleinen Leute vertritt und nicht die von Cerberus.

Und wie kann die Wahlalternative euch im Betrieb helfen?
Mitglieder der Wahlalternative haben schon zwei Mal mit Flugblattaktionen vor dem Betrieb und im Betrieb eingegriffen und auf mögliche Alternativen hingewiesen. Außerdem hat die Wahlalternative unter anderem eine Resolution verabschiedet, in der sie sich öffentlich gegen Cerberus wendet und den Erhalt der Arbeitsplätze fordert.
Da die IG BCE und der Betriebsrat absolut keine Alternative zu Cerberus sehen wollen, baut sich allmählich auch ein Solidaritätskomitee auf, das ebenfalls eine Rolle im Kampf für Alternativen zu Cerberus und den Erhalt der Arbeitsplätze spielen kann.

Welche Rolle kann die Wahlalternative für das Solidaritätskomitee spielen?
Ich gehe davon aus, dass ich zur nächsten Betriebsratswahl aus Mitgliedern des Solidaritätskomitees und einigen mehr eine gute alternative Liste zur Liste der IG BCE hinbekommen würde.
Im Moment erscheint mir am wahrscheinlichsten, dass die Verhandlungen mit Cerberus bis Oktober scheitern und die Insolvenz weitergeht wie bisher. Dann könnte diese Liste im nächsten Jahr ein wichtiger Faktor im Betrieb werden und ihrerseits innerhalb und außerhalb des Betriebs eine gute Stütze der Wahlalternative sein.

Und wenn es nicht weitergeht wie bisher?
Dann käme es zum Jahresende zu Massenentlassungen oder gar zu einem totalen Konkurs. Dann werden wir sehen, ob und welche Abwehrmaßnahmen wir im Betrieb, von der Wahlalternative oder vom Solidaritätskomitee ergreifen können. Das müssen wir dann alle gemeinsam besprechen.
Wir könnten zum Beispiel als Solidaritätskomitee gemeinsam mit der Wahlalternative Kräfte mobilisieren und zu einer Kundgebung und weiteren Aktionen aufrufen. Das hängt vom weiteren Verlauf der Insolvenz und von der Stimmung der Kolleginnen und Kollegen ab.


Linksruck Nr. 185, 1. Januar 1970





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