Großbritannien: Die bisher größte Demo

In knapp zwei Wochen beginnt das Europäische Sozialforum (ESF) in London. Linksruck sprach mit James Meadway vom Organisationskomitee des ESF.

ESF in London:
  • Busse / Mitfahrgelegenheiten
  • Homepage
  • Was ist das Besondere am Europäischen Sozialforum?
    James: Beim Sozialforum kommen zehntausende Menschen aus ganz Europa zusammen, um die Fragen der sozialen Bewegungen diskutieren. In vielen europäischen Ländern gibt es zurzeit Proteste: Antikriegsdemos in Großbritannien, Montagsdemos in Deutschland und Massenproteste gegen Sozialabbau in den Niederlanden. Das Sozialforum ist die Möglichkeit, Argumente auszutauschen und den Protest zu vernetzen.

    In Deutschland gewinnen Nazi-Parteien an Wählerstimmen. Wird Rechtsradikalismus auch ein Thema auf dem Sozialforum sein?
    In vielen europäischen Ländern sind die Nazis eine Gefahr, auch in Großbritannien. Es wird einen großen Themenblock mit vielen Veranstaltungen geben, bei dem es um Rassismus und Rechtsradikalismus geht, und wie wir uns dagegen wehren können. Auf einer dieser Veranstaltungen wird auch der Londoner Bürgermeister Ken Livingstone sprechen.
    Es wird auch große Veranstaltungen zum Kopftuchverbot geben. Viele muslimische Organisationen unterstützen das ESF und organisieren mit. Auch Mitarbeiter von Kampagnen gegen Rassismus, aus Antikriegsbündnissen und der britische Gewerkschaftsbund sind dabei. Die Vielfältigkeit der Organisatoren spiegelt sich auch in den Veranstaltungen wider.

    Die Gewerkschaften in Deutschland setzen sich mit der Drohung deutscher Unternehmen auseinander, ihre Produktion ins Ausland zu verlegen. Was kann das ESF zu dieser Diskussion beitragen?
    Die Globalisierung der Konzerne betrifft Menschen in allen Ländern. Die Konzerne verlegen ihren Standort in Länder, in denen sie billiger produzieren können. Dort halten sie die Löhne niedrig. Auf der anderen Seite vernichten die Firmen Arbeitsplätze in Ländern, aus denen sie kommen.
    Es geht auf dem ESF auch darum, Menschen das Selbstbewusstsein zu geben, etwas gegen Lohnkürzungen und Massenentlassungen zu tun. Beispiele werden zeigen, dass streikende Arbeiter nicht allein gelassen werden müssen, sondern dass Solidarität in ganz Europa organisiert werden kann.
    Zum Thema Globalisierung gibt es einen großen Themenblock. Dort kann man darüber reden, wie wir Widerstand gegen die Konzerne leisten können. Wir werden auch über Alternativen zum Kapitalismus sprechen.

    Das ESF wird mit einer großen Antikriegs-Demonstration enden. Was halten die Briten vom Krieg im Irak, angesichts der Geiselnahme des Briten Kenneth Bigley?
    In Großbritannien ist der Krieg gegen den Irak ein sehr wichtiges Thema. Die Menschen sind sehr wütend auf die Regierung, und die Lage im Irak verschlimmert sich weiter. Auf dem Sozialforum wird viel darüber geredet werden.
    Auf dem ESF in Florenz wurde 2002 beschlossen, am 15. Februar 2003 weltweit gegen den Krieg im Irak zu demonstrieren. Es wurde der größte Protest aller Zeiten. Millionen Menschen waren auf der Straße.
    Letztes Jahr wurde in Paris der 3. April 2004 zum Protesttag gegen Sozialabbau ausgerufen. Auch diese Proteste waren sehr groß. Ich hoffe, dass wir uns auch dieses Jahr auf einen gemeinsamen Tag für Widerstand einigen werden.


    Linksruck Nr. 185, 1. Januar 1970





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