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365 Tage der offenen Tür

Linksruck besuchte eine Berliner Moschee und sprach mit den Menschen vor Ort.

Obwohl es eine Debatte über Muslime in Deutschland gibt, wir zwar viel über sie geredet – aber selten mit ihnen.Samstag, 20. November in Berlin-Neukölln. Von außen sind die arabische Moschee und das Islamische Kultur- und Erziehungszentrum in der Finowstraße fast unsichtbar. Erst die vielen Schuhe, die im Vorraum in Regalen stehen, weisen darauf hin, dass sich in dem Hinterhaus Muslime treffen, die gemeinsam beten, lernen und Feste feiern.

Fatima und Janine sind aktive Mitglieder der Gemeinde, sie kümmern sich um die Öffentlichkeitsarbeit der Moschee. „Zum Freitagsgebet kann bei uns jeder kommen“, erzählt Janine, „Es wird auch ins Deutsche übersetzt“.

Der Imam, der die Predigten hält, wird hier streng überprüft: „Wenn ein Imam an der Gemeinde vorbei predigt und nicht wirklich die Meinung der Leute vertritt, reden wir mit ihm. Im schlimmsten Fall müssen wir uns von ihm trennen“, sagt Janine. Sie wird kurz unterbrochen, als ein Mann hereinkommt, um Tee und Süßigkeiten zu bringen. Draußen sind viele Kinderstimmen zu hören. „Gerade gibt es ein Kinderfest. Eigentlich sollte es letzte Woche stattfinden, aber aus Respekt vor dem Tod Arafats wurde es verschoben.“ Die beiden Frauen wissen, wie wichtig die Offenheit des Zentrums ist. Immer wieder werden sie mit Vorurteilen konfrontiert. „Viele Leute denken nur von der Tapete bis zur Wand“, sagt Janine und deutet die Distanz mit zwei Fingern an, „Als ich am 11. September 2001 die Terroranschläge im Fernsehen sah, dachte ich nur: Oh Gott, hoffentlich waren das keine Muslime.“

Viele Muslime wurden nach den Anschlägen als Terroristen beschimpft, Frauen mit Kopftüchern wurden auf der Straße angespuckt. „Wir haben einen Tag der offenen Tür, damit sich jeder anschauen kann, was wir hier machen. Wir bieten auch viermal im Jahr Vorträge für Nicht-Muslime an. Der nächste wird von Jesus und Maria handeln.“

von Sarah Nagel (E-Mail)




Linksruck Nr. 189, 1. Januar 1970





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