Grafenwöhr: US-Truppenübungsplatz zieht Unmut auf sich

Demonstranten wehrten sich gegen US-Truppen und die Beteiligung Deutschlands an Bushs Krieg.

In Grafenwöhr, Standort des größten US-Truppenübungsplatzes Europas, fand am Tag nach den weltweiten Demonstrationen gegen den Irak-Krieg eine Kundgebung statt. Sie wandte sich gegen den Ausbau des Übungsplatzes, der in den Kriegsvorbereitungen der US-Armee eine wichtige Rolle spielt, und gegen die Beteiligung Deutschlands am Irak-Krieg und anderen weltweiten Kriegseinsätzen.
Eine Samba-Formation aus München spielte heiße Rhythmen gegen die Winterkälte. Tommy Rödl, Landessprecher Bayern der Deutschen Friedensgesellschaft, rief dazu auf, mit politischen Mitteln zu einer Abrüstung des Irak zu kommen und die globale Friedensbewegung zu festigen.
Diethelm Raff aus der Schweiz wandte sich gegen den Vorwurf des Anti-Amerikanismus und meinte: "Wenn das Anti-Amerikanismus ist, wenn wir fordern, dass die USA das Völkerrecht einhalten, dann weiß ich auch keine Lösung mehr". Stephen Summers, Anti-Kriegsaktivist seit seinem Wehrdienst in Vietnam, berichtete aus vielen Gesprächen mit US-Soldaten, dass die meisten von ihnen gegen Bushs Krieg seien.
Starke Worte fand die Ex-Kreisrätin Luise Nomayo für die Situation der Oberpfälzer: "Sie haben uns zu einem militärischen Reservat gemacht. Aber nach einem Abbau des Truppenübungsplatzes können wir hier mit einem neuen Aufbau beginnen und die Arbeitsplätze, die wegfallen, werden wir durch neue ersetzen können."
"Man braucht viel Mut, um als Grafenwöhrerin zu dieser Kundgebung zu gehen", meinte eine ältere Dame. "Viele fürchten um ihre Arbeitsplätze und trauen sich nicht, gegen den Bush-Krieg zu demonstrieren, obwohl viele meine Meinung teilen". Die meisten Grafenwöhrer betrachteten diese Kundgebung denn leider nur aus der Ferne.
Wir von der Kampagne für eine bundesweite Strafanzeige gegen einen verbotenen Angriffskrieg nutzten die Gelegenheit, um Generalbundesanwalt Nehm aufzufordern, endlich eine Entscheidung über die bereits gestellten Strafanzeigen zu fällen.
Die nächste Demo haben wir für den 1. März in Vilseck bei Grafenwöhr geplant. Am 8. 3. findet dort ein Infoabend über den Truppenübungsplatz statt.
Peter Birkel, Nein zum Krieg Votum, Neunkirchen

Linksruck Nr. 148, 1. Januar 1970





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