Am Kapitalismus zerschellt

Der Schriftsteller Arthur Miller stellte die Menschen mit ihren Schmerzen und Hoffnungen in unserer modernen Welt in den Mittelpunkt seiner Theaterstücke.

Miller wuchs in New York während der Weltwirtschaftskrise der 30er Jahre auf. Seine Familie war vorher aus der Armut emporgestiegen, verlor aber wieder fast alles über Nacht. In Millers „Der Preis“ (1968) muss sich seine Mutter übergeben, als sie erfährt, dass ihre Familie vor dem Nichts steht.

Sein bekanntestes Stück „Tod eines Handlungsreisenden“ (1949) handelt unter anderem vom „Scheitern am amerikanischen Traum mit seinen Chancen und seinen Grausamkeiten“, so Miller über die zentrale Figur. Das missfiel den Hollywood-Bossen so sehr, dass sie das Gegenstück „Das Leben eines Handlungsreisenden“ schreiben ließen. Es wurde fast nie gespielt, weil es so dumm war, so Miller.

Mit „Alle meine Söhne“ zog er schon 1947 den Hass der Mächtigen auf sich: Es handelt von einem Fabrikanten, der untaugliche Flugzeugteile an die Armee verscherbelt.

Wie zahlreiche kritische Autoren, wurde auch Miller in den 50er Jahren vom Kongress-Ausschuss zur „Bekämpfung Unamerikanischer Umtriebe“ verhört. Im Gegensatz zu vielen anderen ließ sich der Autor nicht einschüchtern und weigerte sich, die Namen von kommunistischen Freunden preiszugeben.

Diese Zeit der Verfolgung von Kommunisten nahm er 1953 als Grundlage für „Hexenjagd“. 2003 erklärte Miller, dass die US-Regierung damals Kommunisten als Gefahr darstellte, um an der Macht zu bleiben. Bush tue heute dasselbe mit den Irakern.

Der Autor schrieb 1961 das Drehbuch zum Film „Nicht gesellschaftsfähig“ mit Marylin Monroe in der Hauptrolle. Auch hier dreht sich die Handlung um Träume, die an der kapitalistischen Wirklichkeit zerschellen: Die Wildpferde, die Monroes Freunde fangen wollen, sind für die Fleischindustrie bestimmt.

Im Stück „Blick von der Brücke“ (1955) geht es um italienische Hafenarbeiter in New York. Einer verrät seinen Cousin an die Einwanderungsbehörde, damit dieser nicht seine Nichte heiraten kann, in die er unbewusst verliebt ist.

Das Stück zeigt das widersprüchliche Leben von Ausländern, die zwischen Traditionen und den modernen USA zerrissen sind und von vielen verachtet werden. Es ist ein Stück gegen das unmenschliche Einwanderungsrecht, das seine Opfer zu Dingen treibt, die sie sonst nie getan hätten.


von David Paenson




Linksruck Nr. 194, 1. Januar 1970





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