Irak-Konferenz in Berlin:

„Die US-Armee muss abziehen“

Die Internationale Irak-Konferenz in Berlin zeigt, dass die Besatzer die größten Terroristen im Irak sind.

Etwa 250 Teilnehmer kamen am 12. März zur Internationalen Irak-Konferenz nach Berlin, um über die Situation der Menschen im Irak und Perspektiven für die Antikriegsbewegung in Deutschland zu sprechen. Eingeladen war auch Scheich Hadi Al-Khalisi vom Irakischen Nationalen Gründungskongress (INFC). Der INFC ist ein Bündnis von über 60 Widerstandsorganisationen, die alle Religionen und Volksgruppen im Irak umfassen.

Al-Khalisi bedankt sich bei allen, die gegen den US-Krieg im Irak protestiert haben: „Die Menschen im Irak wissen, dass auch im Ausland Menschen auf ihrer Seite stehen.“

Er erklärt, warum die Iraker gegen die Besatzung kämpfen: „Wir leiden heute unter denselben Verbrechen wie unter dem Ex-Diktator – diesmal begangen von den US-Besatzern.
Vor 4 Tagen ist die Frau eines islamischen Gelehrten gestorben, der vom alten Regime ermordet worden war. Als die Trauernden von ihrer Bestattung zurückkehrten, wurden sie von US-Soldaten empfangen und mit Maschinengewehrsalven beschossen. Ein achtjähriger Junge verblutete in den Armen seines hilflosen Vaters.
Solche Morde verüben die Besatzer täglich. Mit Granaten, Panzern und Bomben aus B 52-Bombern haben die Besatzungsarmeen 120.000 unbewaffnete Zivilisten ermordet.
Die Besatzer plündern die natürlichen Schätze. Selbst die Apparate, die messen, wie viel Erdöl gefördert und exportiert wird, haben sie abgeschafft.
Die Besatzer müssen aus dem Irak abziehen. Das ist wichtig, nicht nur für die Menschen im Irak, sondern für die ganze arabische und die islamische Welt und die gesamte Menschheit.“

„Keine gewählte irakische Regierung hat das Recht, die US-Truppen nach Hause zu schicken, die 14 im Irak geplanten US-Militärbasen aufzulösen oder die irakische Wirtschaft wieder zu verstaatlichen“, ergänzt Joachim Guillard, einer der Organisatoren der Konferenz.

Awni Al Kalemji ist Sprecher der 1992 in Schweden gegründeten Irakischen Patriotischen Allianz. Er erklärt, warum der irakische Widerstand auch für die Europäer kämpft: „Die Strategie der US-Regierung, ihre wirtschaftlichen Interessen weltweit durchzusetzen, richtet sich auch gegen Europa.
Die US-Regierung sieht die wirtschaftliche Vorherrschaft der USA bedroht. Wirtschaftlich hinken die USA Europa hinterher. Das Bruttosozialprodukt des vereinigten Europas beträgt 11,8 Billionen Dollar, das BIP der USA 8,2 Billionen Dollar. Doch militärisch kann Europa nicht mithalten.
Deshalb bedroht die US-Armee die ganze Welt mit Kriegen. Aber sie steckt im Irak fest. Die Besatzer haben über 30 Städte und Dörfer im Irak keine Kontrolle mehr. Nach US-Angaben wurden über 3.000 Soldaten getötet, 10.000 verletzt. In den Militärkrankenhäusern werden 15.000 Menschen wegen seelischer Folgeschäden behandelt. Mehr als 5.500 US-Soldaten sind desertiert. Vor kurzem kam US-Präsident Bush ausgerechnet in die Länder des ‚alten Europa’, weil er jetzt doch ihre Unterstützung braucht.“

Sami Ramadani arbeitet als Universitätslehrer in London. Wie seine Vorredner verurteilt er Anschläge gegen Zivilisten und Entführungen von Journalisten. Ramadani gibt die Schuld den Besatzern: „Die drängende Voraussetzung für Frieden und Demokratie im Irak ist, dass die Besatzung aufhört. Die US-Armee muss abziehen.
Die Besatzer bemühen sich, die religiösen und ethnischen Gruppen gegeneinander auszuspielen. Denn ihre Einheit ist die mächtigste Waffe gegen die Besatzung.
Die Iraker sind gegen die Besatzung und gegen Anschläge auf Unschuldige, auf Moscheen und Kirchen. Egal in welchem Namen sie verübt werden: Sie nützen nur der Besatzung.


von Irmgard Wurdack (E-Mail)




Linksruck Nr. 195, 1. Januar 1970





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