Kolumne: Das Leben ist Hart(z):

Mehr Druck, mehr Sorgen

von Michael Schwarz aus Berlin

Bis Dezember habe ich Sozialhilfe erhalten. Seit Januar ist diese mit dem Arbeitslosengeld zum neuen Arbeitslosengeld II (ALG II) zusammengelegt worden. Die Regierung behauptet, das würde Arbeitslosen helfen. Ich habe erlebt, dass das nicht stimmt.

Vor einem Monat erklärte mir das Sozialamt in einem Brief, dass es nicht mehr für mich zuständig sei, weil ich ALG II bekomme. Deshalb will das Amt 622 Euro Mietkaution zurück, die ich für meine jetzige Wohnung bekommen hatte.

In dem Brief steht, dass die Rückzahlung dieses „Darlehens“ mit „sofortiger Wirkung fällig“ ist. Weil ich nicht so viel Geld besitze, habe ich eine Ratenzahlung vereinbart. Was passiert, wenn ich eine Rate zu spät bezahle, steht auch in dem Brief: „Wird nach Eintritt der Fälligkeit auf eine Mahnung hin, der Rückstand nicht innerhalb einer Woche beglichen, so wird der gesamte noch offene Darlehensbetrag sofort in einer Summe fällig.“

Was ist, wenn meine Waschmaschine kaputtgeht oder der Kühlschrank, und ich deshalb eine Rate nicht gleich zahlen kann? Wieso droht mir das Amt, dass dann die Restschuld sofort fällig wird? Das ist unverschämt. Ich muss sowieso jeden Cent zweimal umdrehen. Nun stehe ich noch mehr unter Druck.

Das ALG II ist für mich 40 Euro höher als vorher die Sozialhilfe. Jedoch kann ich jetzt einen Kühlschrank oder eine Waschmaschine nicht mehr beim Sozialamt beantragen, wenn sie nicht mehr funktionieren. Ich bekomme auch kein Bekleidungsgeld mehr.

Als ALG-II-Empfänger muss ich das alles selber zahlen. Die 40 Euro muss ich deshalb zurücklegen. Weil mir jetzt die Raten davon abgezogen werden, bekomme ich früher oder später Probleme. Für mich bedeutet Hartz IV mehr finanziellen Druck und damit mehr Sorgen.




Linksruck Nr. 197, 1. Januar 1970





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